Es fehlt ein offener Dialog zwischen der Regierung und Unternehmen der Tourismusbranche zur Förderung digitaler Innovationen. Das sagt Magdalena Falter, promovierte Tourismuswissenschaftlerin.
Magdalena, die aus Bayern in Süddeutschland stammt, verteidigte kürzlich ihre Doktorarbeit in Tourismus an der Universität Island, in der sie die Möglichkeiten digitaler Innovation im ländlichen Tourismus diskutierte.
In der Forschung, an der Magdalena seit 2019 arbeitet, hat sie sich speziell auf sogenannte Lifestyle-Unternehmer konzentriert. Allerdings gibt es in der Tourismusbranche Menschen, die ein Unternehmen nicht in erster Linie betreiben, um Geld zu verdienen, sondern darauf achten, dass das Unternehmen ein gewisses Angebot bietet Lebensstil, der sie fasziniert. Beispielsweise kann es faszinierend sein, auf dem Land zu leben, Zeit mit der Familie zu verbringen oder ein altes Familienunternehmen zu führen.
Magdalena sagt, es gebe generell wenig Verständnis dafür, wie solche Unternehmen zu einer nachhaltigen Entwicklung im Tourismus beitragen können.
Warum Island?
Auf die Frage, warum sie sich entschieden hat, für ihre Forschung nach Island zu kommen, sagt Magdalena, dass sie während ihres Studiums in Deutschland im Sommer im Reiten in Island gearbeitet habe.
„Ich fand Island so interessant und wollte zurückkommen.“
Um weiter zu erklären, warum Island ideal für die Forschung ist, sagt Magdalena: „Als ich in Island im Reitsportbereich arbeitete, dachte ich, die Menschen auf dem Land seien so schlau und es gibt hier viele Unternehmer, auch wenn sie sich nie so nennen würden.“ Da ist viel Angst dabei. Mit meinem Promotionsprojekt wollte ich untersuchen, warum sich diese Menschen nicht in die laufende Diskussion über Fortschritt und Unternehmertum einbinden und Vorschläge erarbeiten, um dies zu ändern, eine Brücke zwischen Land und Stadt zu schlagen. „
Lansbyggðin gilt nicht als attraktiv
Magdalenda kommt vom Land in Deutschland, aber sie sagt, dass es sowohl dort als auch in Island Missverständnisse über das Land gibt: „Das Land gilt nicht als so attraktiv wie die Stadt für kreative Menschen, für Unternehmer, für Innovation.“ Die Leute denken, sie müssten in einer Stadt leben, um etwas Kreatives zu tun, aber das stimmt einfach nicht.“
Magdalena untersuchte in ihrer Doktorarbeit genau die Rolle von Innovation bei der Gestaltung des ländlichen Tourismus.
„Ich wollte herausfinden, welche Rolle Innovation, insbesondere digitale Innovation, dabei spielt, den Tourismus neu zu denken, um die Nachhaltigkeit zu steigern“, sagt Magdalena und fügt hinzu, dass die nachhaltigere Gestaltung des Tourismus eine der größten Herausforderungen für die Branche sei.
Die Menschen haben Angst vor digitaler Innovation
Während der Arbeit an dem Projekt reiste Magdalena durch das Land und sprach mit über 30 Lifestyle-Unternehmern über ihre Einstellung zu digitalen Innovationen.
Sie sagt, dass digitale Innovationen hauptsächlich im Marketing kleinerer Tourismusunternehmen in ländlichen Gebieten eingesetzt werden, ihre Verwandten jedoch im Allgemeinen nicht begeistert davon sind, Technologie in weiteren Bereichen ihrer Geschäftstätigkeit einzuführen.
„Digitale Innovation ist ein so großes Konzept, dass man sich kaum damit auseinandersetzen kann.“ Ich denke, das ist der Grund, warum viele Lifestyle-Unternehmer gegen digitale Innovationen sind, weil sie denken, dass Technologie den Menschen ersetzt.“
Magdalena sagt jedoch, dass das nicht der Fall sei. Durch den Einsatz digitaler Lösungen, beispielsweise im Ticketverkauf, können Mitarbeiter entlastet werden und sich mehr Zeit für das Gespräch mit Touristen nehmen.
Mangelnde Konversation
Um diese Missverständnisse zu überwinden und digitale Innovationen im Tourismus zu fördern, spricht Magdalena von der Notwendigkeit, einen offenen Dialog zwischen Tourismusbehörden und Lifestyle-Unternehmern zu fördern, sagt jedoch, dass zwischen diesen Parteien eine gewisse Kluft bestehe.
„Akademiker und Regierungen finden Begriffe wie digitale Innovation spannend, während manche Lifestyle-Unternehmer sie für unverständlich halten und deshalb nichts darüber lernen wollen.“
Podcast unterwegs
Magdalena selbst weiß, wie man Technologie zur Förderung des Tourismus nutzt.
Teil ihres Doktoratsprojekts war die Einrichtung eines sogenannten Hackathons mit dem Titel „Hacking Hekla“, der darauf abzielte, Innovationen im Tourismus im ganzen Land zu fördern.
Im Moment arbeitet Magdalena zusammen Gunnar Þór Jóhannesson und Magnús Hauk Ásgeirsson zum Podcast Ferðamál á Island, dessen Ziel es ist, Forschung im Tourismus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Derzeit laufen die Aufnahmen, aber Magdalena sagt, dass die ersten Folgen noch diesen Sommer erscheinen werden.



