Die elektrische Fähre Herjólfur hat das Laden im Heimathafen Vestmannaeyjar eingestellt. Grund ist eine drastische Erhöhung der Stromtarife für die Übertragung auf die Insel. Seit Inkrafttreten des neuen Tarifs zum Jahreswechsel fährt die Fähre auf der Strecke von den Vestmannaeyjar-Inseln nach Landeyjahöfn vorübergehend mit Öl statt mit Strom.
Wie der Fährbetreiber mitteilte, sei die Preiserhöhung nicht nachvollziehbar. „Diese Erhöhung ist schlichtweg nicht zu rechtfertigen und zwingt uns zu der schwierigen Entscheidung, die Beladung des Schiffes auf den Vestmannaeyjar-Inseln einzustellen“, sagte Ólafur Jóhann Borgþórsson, Geschäftsführer von Herjólfur, gegenüber Eyjafréttir.
Staatliche Investitionen konterkariert
Die Herjólfur wurde als elektrische Fähre konzipiert, nachdem der Staat umfangreich in die Elektrifizierung des Schiffes sowie in die Ladeinfrastruktur an Land investiert hatte. Ziel war es, den Ölverbrauch und den CO₂-Ausstoß des Fährbetriebs deutlich zu reduzieren. Nach Ansicht des Geschäftsführers untergraben die aktuellen Entscheidungen diese Zielsetzung.
„Es ist kaum nachvollziehbar, zunächst in die Elektrifizierung zu investieren und dann Tarifentscheidungen zu treffen, die uns faktisch zwingen, wieder mit Öl zu fahren. Das widerspricht sowohl betrieblicher als auch ökologischer Vernunft“, so Ólafur.
Laden nur noch in Landeyjahöfn
Aufgrund der gestiegenen Kosten lädt die Herjólfur derzeit ausschließlich in Landeyjahöfn, wo der Strompreis weiterhin deutlich niedriger ist. Die Strecke von den Vestmannaeyjar-Inseln dorthin wird mit Öl zurückgelegt. Laut Unternehmensführung sende diese Entwicklung ein problematisches Signal in Bezug auf Klima- und Verkehrspolitik.
Förderkürzungen und steigende Gebühren
Zusätzlich zur Strompreiserhöhung verweist der Betreiber auf angekündigte Kürzungen staatlicher Zuschüsse für Fährverbindungen. Die Kombination aus sinkender Förderung und steigenden Gebühren staatlicher Unternehmen bringe den Betrieb in eine schwierige Lage und treffe sowohl die Bevölkerung der Vestmannaeyjar-Inseln als auch die lokale Wirtschaft unmittelbar.
Druck auf die Fahrpreise wächst
Herjólfur habe bislang alles darangesetzt, die Ticketpreise stabil und erschwinglich zu halten. Langfristig seien Preiserhöhungen jedoch kaum zu vermeiden, sollte die aktuelle Kostenentwicklung anhalten. „Wir tun, was wir können, doch diese Situation lässt uns auf Dauer kaum Handlungsspielraum“, erklärte der Geschäftsführer.
Forderung nach sofortiger Überprüfung
Abschließend fordert Ólafur Jóhann Borgþórsson eine umgehende Überprüfung der Entscheidung durch Landsnet. Die Vervierfachung des Tarifs sei weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll. „Es kann nicht im Interesse der Gesellschaft liegen, dass eine elektrische Fähre gezwungen ist, mit Öl zu fahren“, so der Geschäftsführer.
Titelbild: Ladestation Landeyjahöfn Herjolfur / Mirjam Lassak
Nach jahrelangem Stillstand wollen Gemeinde und Grundstückseigentümer die touristische Entwicklung am Seljalandsfoss gemeinsam neu aufstellen – mit Fokus auf Infrastruktur,…