Nerzfarmen in Island geraten wegen Tierschutz in die Kritik
Neue Bilder aus Island zeigen schwer verletzte Nerze in Käfigen. Experten sprechen von systematischen Tierschutzproblemen und fordern Konsequenzen für die Pelztierzucht.
Neue Aufnahmen aus isländischen Nerzfarmen sorgen für Empörung und heizen die Debatte um Tierschutz im Land erneut an. Bei RUV veröffentlichte Bilder zeigen blutige, verletzte und teilweise schwer verstümmelte Nerze in engen Drahtkäfigen. Einige Tiere sollen sich aus Stress selbst verletzt oder sogar bis auf die Knochen gebissen haben. Die Aufnahmen stammen von mehreren inzwischen geschlossenen Farmen und geben seltene Einblicke in die Bedingungen der Pelztierzucht in Island. Der finnische Fotograf Kristo Muurima fertigte die Fotos zusammen mit zwei weiteren finnischen Tierrechtsaktivisten an.
Anwältin erhebt schwere Vorwürfe
Die auf Tierschutz spezialisierte Anwältin Katrín Oddsdóttir findet deutliche Worte: Ihrer Ansicht nach werden bestehende Gesetze systematisch verletzt – ohne ernsthafte Konsequenzen. Sie kritisiert vor allem die Behörden.Verstöße würden kaum angezeigt. Zudem hätten Tierschutzorganisationen praktisch keine Möglichkeit, Entscheidungen anzufechten.
Behörden unter Druck
Auch die isländische Lebensmittel- und Veterinärbehörde gerät in die Kritik. Zwar werden Missstände wie Wunden, Infektionen und Stressverhalten dokumentiert, doch Fälle landen offenbar nur selten bei der Polizei. Selbst schwerwiegende Verstöße hätten bislang kaum rechtliche Folgen. Stattdessen setze man eher auf Auflagen oder Geldstrafen – ein Vorgehen, das laut Kritikern nicht ausreicht.
Tierärzte fordern Ende der Pelztierzucht
Der isländische Tierärzteverband fordert nun ein klares politisches Signal gegen die Pelztierzucht. Unterstützung kommt von der obersten Veterinärbehörde, die eine grundlegende Neubewertung der Branche verlangt. Hintergrund: In Europa haben bereits mehr als 20 Länder die Pelztierzucht verboten oder planen entsprechende Schritte.
Branche geschrumpft
Die Zahl der Nerzfarmen in Island ist in den letzten Jahren stark gesunken. Von rund 30 Betrieben im Jahr 2017 ist aktuell nur noch eine Farm übrig, SaltyLava berichtete.
Die aktuellen Enthüllungen treffen Island in einer Phase, in der die Zukunft der Pelztierzucht ohnehin auf der Kippe steht. Die Kombination aus wirtschaftlichem Rückgang, gesellschaftlichem Wandel und wachsender internationaler Kritik könnte das endgültige Aus für die Branche bedeuten.
Die Regierung plant eine Überarbeitung der Tierschutzgesetze im kommenden Winter. Ob dies zu strengeren Regeln oder sogar einem Verbot der Pelztierzucht führt, dürfte maßgeblich von öffentlichem Druck und politischem Willen abhängen.
Titelbild dient der Veranschaulichung: KI-generiert und nicht vor Ort aufgenommen.
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