Die anhaltende Blockade der Straße von Hormus schürt international Sorgen um die Kerosinversorgung, wobei Island laut Expertenberichten zu den Ländern mit geringeren Reserven zählt. Während die EU-Kommission derzeit noch keine akuten Engpässe sieht, warnen Branchenexperten vor möglichen Einschränkungen im Flugverkehr ab Mai.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, verschärft sich das Risiko eines Mangels an Flugzeugbenzin mit jedem Tag, an dem die strategisch wichtige Meerenge im Persischen Golf gesperrt bleibt. Rund ein Fünftel des weltweiten Öltransports ist von dieser Route abhängig, die seit Ende Februar de facto durch iranische Einheiten blockiert wird.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Versorgungslage
In Fachkreisen wird der Zeitpunkt möglicher Engpässe laut AFP unterschiedlich bewertet:
- Der Ökonom Claudio Galimberti von Rystad Energy wies darauf hin, dass die Situation binnen der „nächsten drei, vier Wochen systemisch“ werden könnte, was erhebliche Flugkürzungen zur Folge haben könnte. „Es könnte also schon im Mai und Juni zu erheblichen Flugkürzungen kommen.“
- Der europäische Dachverband für Flughafenbetreiber (ACI Europe) schrieb in der vergangenen Woche an die EU-Kommission, dass ab Anfang Mai eine Kerosinknappheit eintreten könnte, wenn Tanker nicht vorher wieder durch die Straße von Hormus fahren.
- Eine Sprecherin der Europäischen Kommission erklärte hingegen am Dienstag, dass es aktuell noch keine Hinweise auf einen tatsächlichen Treibstoffmangel gebe. Dennoch räumte die Behörde ein, dass die Versorgungssicherheit bei Flugkraftstoffen in naher Zukunft unter Druck geraten könnte.
- Auch der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, warnte, dass Europa „vielleicht Anfang Mai“ Flugzeugbenzinknappheit erleben könnte. In ihrem monatlichen Bericht zum Ölmarkt allerdings benannte die IEA ein späteres Datum: „Sollte sich die Lage auf dem globalen Flugkraftstoffmarkt weiter verschärfen und sollten die europäischen Märkte nicht in der Lage sein, mehr als 50 Prozent ihrer aus dem Nahen Osten verlorenen Mengen zu sichern, werden die Lagerbestände im Juni die kritische 23-Tage-Marke erreichen.“
Island in der Gruppe der importabhängigen Staaten
Der Bericht verdeutlicht, dass die Auswirkungen der Blockade geografisch sehr unterschiedlich ausfallen könnten. Japan beispielsweise ist äußerst abhängig von Importen, habe aber zugleich erhebliche Reserven aufgebaut. Während Länder wie Österreich, Bulgarien und Polen über größere nationale Vorräte verfügen, wird die Lage in Island, Großbritannien und den Niederlanden als angespannter eingestuft.
Keine Rede von einem Stillstand
Experten wie Rico Luman von der ING-Bank betonen jedoch, dass nicht mit einem vollständigen Stillstand des Luftverkehrs zu rechnen sei. Vielmehr könnten teilweise Ausfälle bei bestimmten Airlines oder an kleineren Flughäfen auftreten. Große Drehkreuze voraussichtlich stabiler versorgt werden.
Die Branchenorganisation Airlines for Europe (A4E) drängt unterdessen auf mehr Transparenz. Sie fordert von der EU den Zugriff auf Echtzeitdaten über Treibstoffvorräte an den Flughäfen, um die Flugpläne besser koordinieren zu können. Die Kraftstofflieferanten zeigen sich hierbei jedoch noch zurückhaltend.
Ob es in Island tatsächlich zu Anpassungen im Flugplan kommt, bleibt abzuwarten.
Hvalfjarðarsveit plant westlich von Grundartangi einen neuen Hafen und erweitert das Industriegebiet. Die Masterplan-Änderung liegt bis Ende Mai öffentlich aus.