In Island könnte ein ungewöhnliches Nebenprodukt der Lachszucht künftig wirtschaftlich genutzt werden: Lachsblut. Forscher arbeiten daran, daraus eisenreiche Nahrungsergänzungsmittel für den menschlichen Verzehr herzustellen. Das meldet das Branchenmedium Fiskifréttir.
Das Projekt wird von Dr. Sæmundur Elíasson von Matís und der Universität Akureyri geleitet. Gemeinsam mit Forschungspartnern untersuchte das Team, wie sich aus dem Nebenprodukt hochwertige Produkte herstellen lassen.
Das Forschungsprojekt „Wertschöpfung aus Lachsblut“ lief rund eineinhalb Jahre und wurde vom isländischen Lebensmittelfonds gefördert. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung von Verfahren zur Gewinnung und Verarbeitung des Blutes.
Dabei wurden auch erste Pilotprodukte hergestellt, darunter Eisenpräparate. Lachsblut enthält besonders viel sogenanntes Häm-Eisen, das vom menschlichen Körper leichter aufgenommen wird als Eisen aus pflanzlichen Quellen.
Experimente sogar mit Blutwurst
Neben Nahrungsergänzungsmitteln untersuchten die Forscher auch traditionelle Lebensmittel aus Blut. In einem Versuch wurde Blutwurst aus Lachsblut hergestellt.
Das Ergebnis: Geschmack und Eigenschaften unterschieden sich laut den Forschern kaum von Blutwurst aus dem Blut von Huftieren. Lammblut könnte demnach theoretisch vollständig durch Lachsblut ersetzt werden.
Fokus liegt auf Eisenpräparaten
Der eigentliche Schwerpunkt des Projekts liegt jedoch auf Eisenpräparaten. Weltweit leiden viele Menschen unter Eisenmangel, besonders Schwangere oder Menschen mit Anämie.
Produkte auf Basis von Fischblut könnten zudem für Verbraucher interessant sein, die auf Produkte aus Säugetieren verzichten, aber weiterhin Fisch essen. Auch aus Sicht der Lebensmittelsicherheit sehen die Forscher Vorteile.
Mehr als 1.000 Tonnen Blut pro Jahr möglich
Derzeit wird das Blut bei der Verarbeitung von Zuchtlachs meist mit Wasser ausgespült und gelangt größtenteils ins Abwasser. Würde es vorher aufgefangen, könnten sowohl Umweltbelastung als auch Wasserverbrauch reduziert werden.
Allein im vergangenen Jahr wurden in Island rund 55.000 Tonnen Zuchtlachs geschlachtet. Mit der entwickelten Methode könnten etwa zwei Prozent des Fischgewichts als reines Blut gewonnen werden. Damit könnten jährlich mehr als 1.000 Tonnen Lachsblut aufgefangen werden – ein Rohstoff, der bisher größtenteils ungenutzt verloren geht.
Die Nutzung von Nebenprodukten aus der Fischverarbeitung gewinnt weltweit an Bedeutung. Neben Fischöl und Kollagen rücken zunehmend auch bislang ungenutzte Bestandteile wie Blut oder Haut in den Fokus der Forschung.
Die beteiligten Institutionen planen nun ein Folgeprojekt, um ein marktfähiges Eisenpräparat zu entwickeln. Sollte die Finanzierung gesichert werden, könnte dafür langfristig sogar ein eigenes Unternehmen entstehen.
Das Titelbild wurde mit KI generiert
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