Im März 2026 kam es in den Westfjorden und im Norden Islands zu einer außergewöhnlichen Serie von Lawinenabgängen. Besonders betroffen waren Regionen rund um Tröllaskagi, Siglufjörður sowie mehrere Orte in den Westfjorden, darunter Ísafjörður, Flateyri und Patreksfjörður.
Zwischen dem 15. und 19. März sowie erneut vom 23. bis 27. März gingen zahlreiche Lawinen ab – teils in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen und sogar innerhalb bestehender Schutzsysteme. Besonders auffällig: Viele Lawinen trafen gezielt auf bereits errichtete Schutzanlagen wie Dämme, Leitkegel und Auffangbecken. Das teilt die Wetterbehörde in einem Lawinenbericht mit.
Foto aus dem Bericht / Björgunarsveit Blakkur Patreksfjördur
Erste Welle: Schutzsysteme werden auf die Probe gestellt
In der ersten Phase erreichten mehrere Lawinen gezielt Schutzstrukturen. Bei Flateyri kamen Schneemassen an Leitkegeln und Rückhaltebecken oberhalb der Ortschaft zum Stillstand. Die Energie der Lawinen wurde deutlich reduziert, Schäden blieben aus.
Auch im Raum Siglufjörður gingen mehrere Lawinen ab, darunter eine besonders große aus dem Gebiet Selskál. Spuren zeigen, dass einige Lawinen bis in die Nähe von Wohngebieten vordrangen. Dennoch verhinderten die umfangreichen Schutzbauten oberhalb der Stadt offenbar Schlimmeres. Ohne diese Anlagen hätte es vermutlich Evakuierungen oder sogar Schäden an Häusern gegeben.
Die Ereignisse gelten als die schwersten seit dem Ausbau der Lawinenschutzsysteme nach den tragischen Unglücken im Jahr 1995 in Súðavík und Flateyri. Damals kamen mehrere Menschen ums Leben – ein Wendepunkt für den Lawinenschutz in Island.
Zweite Welle: Große Lawinen und extreme Wetterbedingungen
In der zweiten Märzhälfte kam es zu weiteren Abgängen. Erneut war Flateyri betroffen, wo Lawinen an bestehenden Schutzkegeln gestoppt wurden – diesmal mit deutlich mehr Wucht.
Eine besonders große Lawine traf im Skutulsfjörður auf ein Industriegebiet, wurde jedoch durch Schutzbauwerke geteilt und umgeleitet. Auch in Patreksfjörður ging am 26. März eine der größten Lawinen seit Jahrzehnten nieder. Sie erreichte eine Kreuzung oberhalb der Siedlung, wurde jedoch durch neu errichtete Dämme gestoppt, bevor sie Wohnhäuser gefährden konnte.
Begleitet wurden die Ereignisse von extremen Wetterbedingungen mit starkem Schneefall und Windgeschwindigkeiten von bis zu 30 m/s. In einigen Fällen blieb nur sehr wenig Vorwarnzeit zwischen kritischer Schneelast und Lawinenabgang.
Hier zeigt sich, wie entscheidend moderne Schutzsysteme für die Sicherheit isländischer Siedlungen sind. In mehreren Fällen verhinderten sie nachweislich größere Schäden oder mögliche Evakuierungen.
Titelbild: Lawinenschutzanlagen in Patreksfjördur / Mirjam Lassak