6 Bohrlöcher des Geothermiekraftwerks Reykjanesvirkjun enthalten natürliche radioaktive Ablagerungen
In sechs Bohrlöchern der Geothermieanlage Reykjanes wurden natürliche radioaktive Ablagerungen festgestellt. Ein neuer Umweltbericht beschreibt nun den Umgang mit dem Material.
Der Energieversorger HS Orka hat einen Umweltverträglichkeitsbericht zur Behandlung und Entsorgung radioaktiver Ablagerungen aus Bohrlöchern des Geothermiekraftwerkes Reykjanes veröffentlicht. Die Sedimente enthalten sogenannte NORM-Stoffe (Naturally Occurring Radioactive Material), also natürlich vorkommende radioaktive Materialien.
Der Bericht liegt seit 17.2.2026 bei der Planungsbehörde öffentlich aus und kann sechs Wochen lang kommentiert werden. Er bewertet verschiedene Optionen für den Umgang mit den Ablagerungen, die sich in Rohrleitungen und an Bohrlochköpfen der Anlage bilden.
Entdeckung der radioaktiven Ablagerungen
Die natürliche Radioaktivität wurde erstmals 2015 entdeckt, als Proben von der Isländischen Strahlenschutzbehörde aus mehreren Bohrlöchern untersucht wurden. Insgesamt sechs Bohrlöcher der Anlage waren betroffen. Die Proben zeigten erhöhte Werte der radioaktiven Isotope Blei-210 und Polonium-210. In einzelnen Proben lagen die Messwerte über den Grenzwerten der isländischen Strahlenschutzverordnung. HS Orka überprüfte daraufhin die Verfahren des Unternehmens zur Reinigung von Rohrleitungen in Kraftwerksbereichen, um sicherzustellen, dass keine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt besteht.
Die betroffenen Bohrlöcher befinden sich an der Geothermieanlage Reykjanesvirkjun von HS Orka ganz im Südwesten der Halbinsel Reykjanes, nahe Reykjanesviti und Gunnuhver.
Dort enthält das Geothermalfluid Meerwasseranteile. Diese besondere chemische Zusammensetzung führt dazu, dass mehr Mineralien und Metalle aus dem Gestein gelöst werden und sich später als Ablagerungen in Leitungen und Bohrlöchern absetzen.
Bild aus dem Umweltbericht HS Orka
Wie die radioaktiven Ablagerungen entstehen
Die Radioaktivität entsteht nicht durch menschliche Aktivität, sondern durch natürliche Prozesse im Geothermiesystem.
Beim Geothermiekraftwerk Reykjanes zirkuliert salzhaltiges Thermalwasser mit einer Zusammensetzung ähnlich wie Meerwasser. Dieses sogenannte „Geothermalmeer“ löst beim Aufstieg aus großer Tiefe verschiedene Stoffe aus dem Gestein. Wenn das Fluid an der Oberfläche Druck verliert und teilweise verdampft, fallen diese Stoffe aus und lagern sich als feste Schicht in den Rohren ab.
Dabei werden auch natürliche radioaktive Elemente aus dem Gestein mobilisiert. Diese entstehen ursprünglich aus dem Zerfall von Uran und Thorium im Erdinneren. Über mehrere Zwischenschritte entstehen dabei radioaktive Isotope wie Blei-210 und Polonium-210, die sich in den mineralreichen Ablagerungen anreichern.
Geprüfte Optionen für den Umgang mit dem Material
Der Umweltbericht untersucht mehrere Möglichkeiten zur Behandlung der Ablagerungen.
Als Hauptlösung plant HS Orka, die Sedimente kontrolliert auf dem Gelände der Reykjanes-Anlage zu lagern. Vorgesehen ist eine Lagerung in geschlossenen Behältern im Keller einer technischen Anlage. Alternativ könnten die Ablagerungen auch in Beton eingeschlossen werden.
Eine weitere geprüfte Option ist der spätere Transport ins Ausland zur endgültigen Entsorgung. Dies gilt jedoch als kompliziert, da internationale Abkommen vorsehen, dass jedes Land grundsätzlich für seinen eigenen radioaktiven Abfall verantwortlich ist.
Eine Entsorgung auf Deponien innerhalb Islands wurde ebenfalls geprüft, ist derzeit aber nicht möglich, da es im Land keinen zugelassenen Standort für radioaktive Abfälle gibt.
Naturgefahren auf Reykjanes
Das Gutachten berücksichtigt auch mögliche Naturgefahren am Standort. Die Anlage liegt auf der vulkanisch aktiven Reykjanes-Halbinsel, wo Erdbeben und Vulkanausbrüche auftreten können. Gleichzeitig befindet sich das Kraftwerk nahe der Küste (in der Nähe des Reykjanesviti), sodass auch Sturmfluten und extreme Wetterereignisse berücksichtigt werden müssen. Laut Bericht soll deshalb ein Notfall- und Überwachungsplan sicherstellen, dass selbst bei Naturereignissen keine radioaktiven Ablagerungen in die Umwelt gelangen.
Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit
Der Umweltbericht bewertet die möglichen Auswirkungen auf Grundwasser, Boden, Ökosysteme, Landnutzung sowie auf die Gesundheit von Mitarbeitern.
Das Ergebnis der Untersuchung: Die geplante kontrollierte Lagerung hätte nur geringe negative Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit. Die Strahlung der Ablagerungen besteht aus Alpha- und Beta-Strahlung mit sehr kurzer Reichweite. Alphastrahlung reicht nur wenige Zentimeter in der Luft und kann weder Haut noch Papier durchdringen. Betastrahlung dringt nur wenige Millimeter in Haut ein.
Gefährlich wird das Material hauptsächlich, wenn Partikel eingeatmet oder verschluckt werden. Deshalb erfolgt die Reinigung der Bohrlöcher mit Schutzkleidung, und die Ablagerungen werden sofort in geschlossenen Behältern gesammelt.
Auch für Trinkwasser und Anwohner sieht HS Orka kein Risiko. Das geplante Lagergebiet liegt außerhalb von Wasserschutzgebieten, und das Grundwasser fließt von dort Richtung Meer.
Natürlich vorkommende radioaktive Ablagerungen sind weltweit bei der Nutzung von Geothermie, Öl- oder Gaslagerstätten bekannt. Auf Reykjanes ist dies jedoch das erste dokumentierte Beispiel dieser Art in Island.
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