Die winzige Gemeinde Tjörneshreppur im Norden von Island steht vor einem ungewöhnlichen Problem: Sie hat plötzlich fast 250 Millionen ISK (1,73 Mio Euro) zusätzlich in der Kasse – und weiß nicht so recht, was sie damit anfangen soll.
Der Betrag stammt aus dem kommunalen Finanzausgleichsfonds. Eigentlich soll das Geld Gemeinden mit Bevölkerungsrückgang unterstützen. Durch eine Änderung der Berechnungsregeln landete der gesamte Zuschuss im Jahr 2025 jedoch komplett bei Tjörneshreppur.
250 Millionen Kronen für nur 53 Einwohner
Besonders kurios: Anfang des Jahres waren in der Gemeinde nur 53 Einwohner gemeldet. Damit entspricht der Zuschuss rechnerisch rund vier Millionen ISK pro Person. Der Gemeinderat war von der Summe so überrascht, dass er zunächst versuchte, das Geld zurückzugeben. Doch das ist rechtlich nicht möglich – dafür müsste erst das Gesetz geändert werden. „Am liebsten würden wir das Geld zurückgeben“, erklärte Gemeindevorsteher Aðalsteinn J. Halldórsson gegenüber dem Sender RÚV.
Ein interessanter Kontrast zeigt sich nur wenige Kilometer entfernt: In der Nachbargemeinde Norðurþing sorgt die Schließung der Siliziumfabrik PCC BakkiSilicon weiterhin für wirtschaftliche Probleme. Die Siliziumfabrik bei Húsavík wurde 2025 vorübergehend stillgelegt, nachdem die Produktion wirtschaftlich nicht mehr rentabel war. Grund dafür ist vor allem der starke Preisverfall auf dem Weltmarkt für Siliziummetall, ausgelöst durch sehr günstige Importe – insbesondere aus China. Die Anlage gehört zum deutschen Chemiekonzern PCC SE aus Duisburg und war erst 2018 in Betrieb gegangen.
Ideen aus der Bürgerversammlung
Stattdessen lud die Gemeinde ihre Einwohner zu einer Versammlung ein, um gemeinsam mögliche Projekte zu diskutieren. Dabei wurden verschiedene Infrastruktur- und Gemeinschaftsprojekte vorgeschlagen. Eine der Ideen: ein Reitweg entlang der Küste, der mehrere Orte der kleinen Gemeinde miteinander verbindet. „Es ist kein riesiges Projekt, aber es macht trotzdem Spaß, darüber zu sprechen“, sagte Halldórsson.
Entscheidung bis zum Sommer
Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Der Gemeinderat will jedoch bis zum Sommeranfang festlegen, wie die unerwarteten Millionen eingesetzt werden sollen.
Während viele Gemeinden in Island mit knappen Budgets kämpfen, steht die kleinste Kommune des Landes damit vor einem seltenen Luxusproblem.
Titelbild: Öxarfjörður in der Gemeinde Tjörneshreppur / Mirjam Lassak
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