Abriss und Neubeginn in Grindavík: Stadt plant Fußgängerzone und Spielplatz entlang der Erdbeben-Spalte
Grindavík im Umbruch: Abriss von Häusern, Pläne für Fußgängerzone & Spielplatz. Bei einer Einwohnerversammlung wurden Resilienz und Zukunft diskutiert.
Gestern fand in Grindavík eine öffentliche Bewohnerversammlung statt, bei der es um Zusammenarbeit, Widerstandskraft und Zukunftsperspektiven für die Stadt ging. Fachleute präsentierten dort ihre Analysen und Visionen für den Wiederaufbau.
Es stehen große Veränderungen bevor: Zahlreiche Häuser, die in den vergangenen Jahren durch Erdbeben beschädigt wurden, sollen abgerissen werden. Besonders betroffen ist die Víkurbraut, wo fast alle Gebäude weichen müssen. In sogenannten Risszonen ist Neubau streng verboten – selbst bestehende Häuser dürfen dort nicht erweitert oder umgebaut werden
Fachanalysen zu Rissen und Bodenverformungen
Ögmundur Erlendsson von ÍSOR und Jón Haukur Steingrímsson von Efla stellten ihre Untersuchungen zu Spalten, Oberflächenverformungen und Reparaturmöglichkeiten der Risse in der Stadt vor.
Die Präsentation kann hier(auf Isländisch) abgerufen werden.
Arbeitsblatt 25.09.25 – Entwurf Rot: Risse und Bebauung: Gebäude entfernt – kein Neubau. Schäden, Teilschäden, deren Reparatur aufgrund der Lage nicht ratsam ist, unbebaute Grundstücke in Rissbereichen. Gelb: Gebäude dürfen erhalten bleiben – keine Erweiterung oder Umbau erlaubt. An Gebäude und Grundstück müssen angemessene Reparaturen durchgeführt werden, damit die Häuser erhalten bleiben können. Nach Ablauf der Lebensdauer des Gebäudes ist kein Umbau auf dem Grundstück erlaubt. Rosa: Offene Bereiche, keine Neubauten Blau: Unsicher, Forschung noch nicht abgeschlossen
Ideen für den Wiederaufbau
Im Anschluss präsentierten Davíð Ingi Bustion (Batteríið), Inga Rut Gylfadóttir (Landslag) und Hringur Hafsteinsson (Gagarín) Ideen für den künftigen Stadtkern. Ihr Fokus: Die Heilung der durch Abriss entstandenen Wunden, die Entwicklung einer kinderfreundlichen Gemeinde und die Chance, Grindavík zu einem attraktiven Ziel für Besucher zu machen.
Die Präsentation kann hier(auf Isländisch) abgerufen werden.
Sporthalle bleibt trotz tiefem Riss bestehen
Auch die Sporthalle der Stadt bleibt bestehen, obwohl ein tiefer Erdspalt quer durch das Gebäude verläuft. Sanierungen sind zwingend notwendig, doch neue Bauprojekte in diesem Bereich sind ausgeschlossen.
Sieben große Bruchzonen entdeckt
Messungen von ÍSOR zeigen die Dimensionen der Zerstörung: Insgesamt sieben große Bruchzonen haben sich in Grindavík gebildet. Der tiefste Riss, die Stamphólsgjá, ist bis zu drei Meter breit und mehr als 30 Meter tief. Andere Spalten, wie die Bröttuhlíðar-Spalte, reichen bis zu 20 Meter in die Tiefe.
Neue Vision für Grindavík
Trotz der Schäden will die Stadt nicht nur abreißen, sondern auch Neues schaffen. Entlang der Víkurbraut soll eine Fußgängerzone entstehen, wo heute noch Häuser stehen. An der Sporthalle ist ein neuer Informationsbereich über die geologischen Ereignisse geplant – direkt neben dem Riss soll ein Spielplatz gebaut werden.
Darüber hinaus gibt es Ideen für einen neuen Stadtkern an der Hafnargata. Auch der Spielplatz der Grundschule soll modernisiert werden, um den Kindern wieder mehr Raum zum Spielen zu geben.
Weiterhin soll es einen Rundweg in der Stadt und entlang der Lava mit Informationstafeln geben.
Folgende zwei Bilder aus der Präsentation von Davíður Ingi, Inga Rutur und Hring.
Grindavík steht damit vor einem radikalen Wandel – zwischen den notwendigen Abrissen und dem Aufbruch in eine sichere und lebenswerte Zukunft.
Die gesamte Veranstaltung wurde aufgenommen und kann hier (auf Isländisch) angesehen werden.
Titelbild: Stamphólsvegur mit dem eingezäunten ehemaligen Restaurant Salthúsið / Mirjam Lassak
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