Umfrage in Island: Mehrheit gegen EU-Beitritt – Widerstand wächst
In Island wächst der Widerstand gegen einen EU-Beitritt. Eine aktuelle Umfrage zeigt eine klare Mehrheit dagegen – und deutliche Unterschiede zwischen den Parteien.
Die Stimmung in Island hinsichtlich einer Integration in die Europäische Union hat sich deutlich verschärft. Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage im Auftrag des Viðskiptablaðið ist die Ablehnung eines EU-Beitritts auf den höchsten Stand seit über 15 Jahren gestiegen. Während die Regierung die Weichen für eine Volksabstimmung stellt, formiert sich in der Bevölkerung deutlicher Widerstand.
Umfrageergebnisse: Klare Absage an Brüssel
Die neuen Daten von Gallup zeigen einen signifikanten Trend: 47 % der Isländer sprechen sich gegen einen EU-Beitritt aus, während lediglich 40 % dafür sind. Rund 13 % der Befragten sind noch unentschlossen.
Betrachtet man ausschließlich die Teilnehmer, die eine feste Meinung geäußert haben, wird das Bild noch deutlicher:
Gegen den EU-Beitritt: 54 %
Für den EU-Beitritt: 46 %
Damit hat die Ablehnung innerhalb der letzten zwölf Monate massiv zugenommen und erreicht Werte, die zuletzt im Jahr 2010 gemessen wurden.
Referendum am 29. August: Volk entscheidet über Verhandlungskurs
Trotz der skeptischen Umfragewerte treibt die Regierung unter Premierministerin Kristrún Frostadóttir den Prozess voran. Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir legte dem Parlament am 6. März eine Entschließung zur Fortsetzung der Beitrittsverhandlungen vor.
Überraschend wurde im Zuge dessen ein vorgezogenes Referendum angekündigt. Ursprünglich sah der Koalitionsvertrag eine Abstimmung bis spätestens 2027 vor, nun sollen die Bürger bereits am 29. August an die Urnen gerufen werden.
Die entscheidende Frage des Referendums
Sollen die Beitrittsverhandlungen Islands zur Europäischen Union fortgesetzt werden? Die Wähler haben die Wahl zwischen zwei Optionen:
Ja, die Beitrittsverhandlungen sollten fortgesetzt werden.
Nein, die Beitrittsverhandlungen sollten nicht fortgesetzt werden.
Politische Spaltung entlang der Parteilinien
Die Umfrage gewährt auch Einblick in die tiefen politischen Gräben innerhalb der isländischen Parteienlandschaft. Besonders stark ist die Ablehnung im konservativen und ländlich geprägten Lager:
Zentrumspartei: 90 % lehnen den Beitritt ab.
Fortschrittspartei: 85 % Ablehnung.
Unabhängigkeitspartei: 83 % Ablehnung.
Im Gegensatz dazu steht die Wählerschaft der Regierungsparteien und liberalen Kräfte. Bei der Koalitionspartei befürworten 83 % den Weg in die EU, gefolgt von Viðreisn mit 78 % Zustimmung. Die Wähler der Volkspartei (unter Ministerin Inga Sæland) zeigen sich gespalten, tendieren mit 49 % jedoch eher zum Beitritt.
Warum die Skepsis wächst
Experten führen den Anstieg der EU-Skepsis unter anderem auf die Sorge um die nationale Souveränität und die Kontrolle über die wichtigen Fischereigründe zurück – traditionell die Kernpunkte der isländischen Debatte. Mit der offiziellen Ankündigung des Referendums für den August 2026 steht dem Land nun ein intensiver Abstimmungskampf bevor, der über die geopolitische Ausrichtung Islands für das nächste Jahrzehnt entscheiden wird.