Tödlicher Felssturz in Island: Sicherheitsbarrieren für die Ringstraße an Steinafjall geplant
Nach einem tödlichen Felssturz am Steinafjall rüstet Island die Ringstraße auf: Neue Schutzbarrieren sollen Touristen künftig vor Steinschlag schützen. Die Ausschreibungen für das Millionenprojekt starten in Kürze.
Die isländische Straßenverwaltung (Vegagerðin) reagiert auf die Forderungen der Unfallermittler: Nach einem tragischen Vorfall im vergangenen Jahr sollen massive Steinbarrieren die Ringstraße in Südisland sicherer machen.
Am 31. März 2025 kam eine ausländische Touristin am Steinafjall ums Leben, als ein herabfallender Felsbrocken das Dach ihres Wagens zertrümmerte. Ein heute veröffentlichter Bericht der isländischen Verkehrsunfalluntersuchungsbehörde macht deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Angesichts des stetig steigenden Verkehrsaufkommens sei das Risiko für ähnliche Unglücke in der Region unterhalb des Eyjafjöll-Gebirges massiv gestiegen.
Bereits in diesem Frühjahr soll der Bau einer massiven Schutzanlage am berüchtigten Holtsnúp-Hang beginnen. Die Daten der Straßenverwaltung verdeutlichen die Gefahr: Island zählt landesweit 86 bekannte Felssturzstellen. In den letzten 25 Jahren kam es zu fast 100 Kollisionen zwischen Fahrzeugen und Gestein. Dass die meisten dieser Unfälle glimpflich ausgingen, bezeichnen Experten als „großes Glück“. Am Holtsnúp, unterhalb des Eyjafjöll-Gebirges, endete dieses Glück im vergangenen Jahr tödlich.
Der rosa Kreis zeigt die Region des Steinfalls. Kartenausschnitt: map.is
300 Meter Schutzwall gegen die Gefahr
Das geplante Bauprojekt umfasst eine Investition von rund 80 Millionen isländischen Kronen. Um die Ringstraße dauerhaft zu sichern, wird eine spezielle Konstruktion realisiert:
Gabionen-Mauer: Auf einer Länge von 300 Metern wird zwischen Hang und Straße eine zwei Meter hohe Mauer aus mit Steinen gefüllten Eisenrahmen errichtet.
Geländeanpassung: In den Hang wird eine Art Fangbecken gegraben, um herabstürzende Felsen aufzufangen, bevor sie die Fahrbahn erreichen.
Die Ausschreibung für das Projekt startet in den kommenden Wochen. Eine alternative Verlegung der gesamten Straße wurde geprüft, aufgrund der massiv höheren Kosten jedoch zugunsten der Schutzmauer zurückgestellt.
Akuter Handlungsbedarf durch steigendes Verkehrsaufkommen
Dass die Maßnahme keinen Aufschub duldet, zeigen die Vorfälle seit dem Unglück im März: Zweimal stürzten seither erneut Felsen auf die Fahrbahn, zuletzt im Dezember 2025. Dabei kollidierte ein Autofahrer mit einem Felsbrocken, kam jedoch mit dem Schrecken davon.
Vegagerðin steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Während am Holtsnúp nun gebaut wird, lauern an anderen Stellen wie dem Reynisfjall (mit täglich 2.700 Fahrzeugen) ähnliche Gefahren. Die Behörde priorisiert Projekte nach einer Risiko-Skala, wobei der Holtsnúp nach dem tödlichen Vorfall nun ganz oben auf der Liste steht.
Titelbild Steinafjall an der südlichen Ringstraße / Mirjam Lassak
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