Ein diplomatischer Eklat erschüttert das Verhältnis zwischen Island und den USA: Der designierte US-Botschafter Billy Long hat mit Äußerungen über eine mögliche Eingliederung Islands als 52. Bundesstaat für massive Empörung in Reykjavik gesorgt. Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir reagierte prompt und bestellte einen Vertreter der US-Botschaft ein.
Der Auslöser: Ein „Witz“ über die Souveränität
Hintergrund des Konflikts sind Aussagen von Billy Long, dem von US-Präsident Donald Trump nominierten Botschafterkandidaten. Long soll gegenüber US-Abgeordneten scherzhaft erklärt haben, Island könne der 52. Bundesstaat der Vereinigten Staaten werden – und er selbst dessen Gouverneur, berichtet Politico.
Harte Reaktion der Außenministerin
Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir bestellte daraufhin am Donnerstag einen Vertreter der US-Botschaft ins Ministerium ein. In Interviews mit Bylgjan und Sýn betonte sie, dass die isländische Regierung ein klares Bild der Situation erwarte:
„In der heutigen Zeit ist es empörend, sich über die Souveränität von Staaten lustig zu machen oder sie zu verhöhnen. Mich amüsiert diese Art von Scherz keineswegs“, sagte Þorgerður Katrín.
Isländer haben Petition zur Ablehnung des Botschafters gestartet
Der Widerstand in der Bevölkerung wächst rasant. Auf der Plattform island.is wurde eine Petition gestartet, die die Außenministerin auffordert, Billy Long als Botschafter offiziell abzulehnen. Stand 17.01.2026 sammelte der Aufruf bereits über 5.047 Unterschriften. Die Initiatoren betonen, dass solche Aussagen – selbst wenn sie als Scherz getarnt sind – das isländische Volk beleidigen, das lange für seine Unabhängigkeit gekämpft hat.
Long bittet um Entschuldigung
Angesichts der heftigen Wellen, die seine Worte schlugen, reagierte Billy Long inzwischen mit einer öffentlichen Entschuldigung:
„Meine Worte über Island als 52. Bundesstaat waren nur als Scherz gemeint. Es tut mir leid, wenn dies beleidigend oder missverständlich aufgefasst wurde“, so der designierte Botschafter Billy Long.
Kritik aus dem Parlament und Bezug zu Grönland
Auch im Parlament ist die Empörung groß. Sigmar Guðmundsson (Viðreisn), Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses, nannte den Scherz „nicht besonders lustig“ und kritisierte eine wachsende Respektlosigkeit gegenüber kleinen Staaten.
Die Debatte weckt in Island Erinnerungen an US-Begehrlichkeiten gegenüber Grönland. Þorgerður Katrín betonte die Solidarität Islands mit Grönland und Dänemark. Die Souveränität im Nordatlantik sei kein Verhandlungsobjekt für Witze.
Wie es weitergeht: Das Außenministerium will nach dem Treffen mit der US-Seite eine abschließende offizielle Position beziehen. Da Longs Nominierung noch vom US-Senat bestätigt werden muss, ist völlig offen, ob er seinen Posten in Reykjavik unter diesen Vorzeichen überhaupt noch antreten kann.
Das Titelbild zeigt Billy Long zwischen der isländischen und der amerikansichen Flagge. Die Collage wurde mit KI mittels des Fotos aus Wikipedia Commons (US House of Representatives) erstellt und dient der Veranschaulichung des Sachverhaltes.
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