Ein internationales kriminelles Netzwerk, das Island mit Kokain beliefert haben soll, ist nach monatelangen Ermittlungen zerschlagen worden, berichtet Europol. An der koordinierten Aktion waren Behörden aus Island, Litauen und Spanien beteiligt, unterstützt von Europol und Eurojust. Nach Angaben der Ermittler erzielte die Gruppierung durch den Drogenhandel mutmaßliche Gewinne von rund vier Millionen Euro.
Koordinierter Zugriff in fünf Ländern
Der entscheidende Zugriff erfolgte am 4. Februar 2026 im Rahmen eines internationalen Aktionstags. Insgesamt wurden 24 Personen festgenommen: elf in Island, sechs in Litauen, vier in Spanien, zwei in Belgien und eine in Dänemark. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Organisation den Kokainschmuggel von Südamerika über Spanien und weitere europäische Länder bis nach Island koordinierte.
Wandelnde Schmuggelmethoden
Üblicherweise wird Kokain in ein Kilogramm schweren Paketen zwischen legalen Waren in Schiffscontainern versteckt. Laut Europol passt die organisierte Kriminalität ihre Methoden jedoch zunehmend an, um Kontrollen zu umgehen. Dazu zählen alternative Verstecke, die Scanner und Spürhunde täuschen sollen. Auch flüssiges Kokain kam in einzelnen Fällen zum Einsatz.
Einsatz von Drogenkurieren
Eine zentrale Rolle spielten Drogenkuriere, häufig Menschen in prekären Lebenslagen. Sie transportierten das Kokain im Gepäck, durch das Verschlucken von Drogenpäckchen oder in anderer unauffälliger Form. Nach der Ankunft in Island übernahm das dortige Netzwerk die Verteilung der Drogen.
Geldwäsche über Immobilien
Die Erlöse aus dem Kokainhandel wurden nach Einschätzung der Ermittler vor allem in Litauen gewaschen. Dabei sollen Immobilien und andere Vermögenswerte genutzt worden sein, um die illegalen Einnahmen zu verschleiern.
Enge Zusammenarbeit der Behörden
Zur Bekämpfung der internationalen Strukturen arbeiteten die isländischen und litauischen Behörden eng bei Europol zusammen. Später wurde bei Eurojust ein gemeinsames Ermittlungsteam eingerichtet. In mehreren Koordinierungstreffen in Den Haag bestätigten die beteiligten Stellen die Aktivitäten des Netzwerks in Belgien, Dänemark, Island, Litauen und Spanien.
Europol unterstützte die Ermittlungen durch den Austausch von Informationen und analytische Auswertungen, mit denen Verbindungen zwischen Verdächtigen sichtbar gemacht und die Struktur des Netzwerks rekonstruiert werden konnten.
Beteiligte Behörden
An den Maßnahmen beteiligt waren unter anderem die Polizei in Antwerpen, die dänische Nationalpolizei, die isländische Polizei und der Zoll, die Polizeibehörden im litauischen Klaipėda sowie spanische Ermittlungs- und Anti-Drogen-Einheiten.
Die Ermittlungen sind Teil des EMPACT-Programms, der Europäischen Multidisziplinären Plattform gegen kriminelle Bedrohungen. Sie bündelt die Zusammenarbeit der EU-Staaten im Kampf gegen schwere und organisierte internationale Kriminalität.
Titelbild: Europol