In der Region Krýsuvík auf der Reykjanes-Halbinsel hat sich in den letzten Wochen eine erhöhte seismische Aktivität gezeigt. Nun wurde dort eine Absenkung des Bodens festgestellt – ein Hinweis, der laut Geophysik-Professor Magnús Tumi Guðmundsson von der Universität Island nichts mit aufsteigendem Magma zu tun hat.
Vor zwei Tagen registrierte der isländische Wetterdienst westlich des Sees Kleifarvatn ein Erdbeben der Stärke 3,3, gefolgt von mehreren Nachbeben.
Zusammenhang mit Bohrungen vermutet
Magnús Tumi erklärte, dass in Krýsuvík derzeit zahlreiche geothermische Bohrungen stattfinden. Es sei möglich, dass lokale Druckveränderungen im geothermischen System die Erdbeben verursacht haben.
„Nichts deutet darauf hin, dass dies irgendetwas mit Magma zu tun hat. Es gibt keine Landhebung, keinen Erdrutsch oder ähnliche Anzeichen“, so Guðmundsson in einem Interview mit Visir.
Stattdessen handle es sich wohl um eine Reaktion auf Druckabfälle in bestimmten Bereichen des Systems, was zu vermehrter seismischer Aktivität führe.
Entwicklung am Sundhnúk-Krater verlangsamt sich
Der isländische Wetterdienst hatte Ende September die Warnstufe für das Gebiet Sundhnúk erhöht, nachdem der Magmaspiegel dort die untere Grenze eines möglichen Ausbruchs erreicht hatte.
Magnús Tumi betont jedoch, dass sich die Aktivität deutlich verlangsamt habe:
„Das Magma sammelt sich weiterhin, aber der Prozess ist nun der langsamste, den wir bisher beobachtet haben. Es könnten noch ein oder zwei Ausbrüche folgen – oder auch gar keine mehr.“
Möglicherweise lange Ruhephase bevorstehend
Die derzeitige Magmamenge entspricht laut Guðmundsson etwa jener, die während der ersten Ausbruchsphase vor rund 1.200 Jahren auf Reykjanes gemessen wurde.
Wenn sich die gegenwärtige Aktivität ähnlich verhält wie in früheren Jahrhunderten, könne nach Abschluss der Ausbruchsserie am Sundhnúk-Krater eine mehrere Jahrzehnte andauernde Ruhephase folgen:
„In der Vergangenheit wechselten sich eruptive Phasen von 400 bis 600 Jahren mit etwa gleich langen Ruheperioden ab. Es ist gut möglich, dass wir am Ende einer solchen aktiven Phase stehen.“
Titelfoto: Lavafeld östlich des Djúpavatn, in dem die Erdbebenschwärme auftraten / © Mirjam Lassak
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