Tunnel, Brücken, Flughäfen, Straßen, Häfen: Welche Projekte kommen? Verkehrsplan 2026–2040 von Islands Regierung vorgestellt
Der neue Verkehrsplan setzt klare Prioritäten beim Tunnelbau, Straßeninstandhaltung, fördert Flughäfen und Häfen und etabliert eine Infrastrukturgesellschaft zur schnelleren Umsetzung großer Projekte.
Infrastrukturminister Eyjólfur Ármannsson hat dem Parlament einen Entwurf für den Verkehrsplan 2026–2040 samt zugehörigem Fünfjahres-Aktionsplan 2026-2030 vorgelegt. Der Plan zielt darauf ab, Verkehrssicherheit, Verbindungen zwischen Siedlungen und Industriegebieten sowie die wirtschaftliche und regionale Entwicklung zu stärken. Im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen die neu gesetzten Prioritäten beim Tunnelbau: vier Projekte wurden unmittelbar priorisiert, weitere elf Optionen sollen vertieft geprüft werden. Die Planphase sieht Vorbereitungen 2026 und Baubeginn ab Anfang 2027 vor.
Tunnelprioritäten: welche Projekte jetzt Vorrang haben
Der neue Plan bricht den bisherigen Stillstand beim Tunnelbau und nennt vier Projekte als Priorität. Die wichtigsten Punkte:
1. Fljótagöng (ca. 5,2 km) – Nordisland Fljótagöng steht wegen hoher Naturgefahren an erster Stelle. Der Tunnel würde Siglufjörður mit Fljot verbinden und den bestehenden Strákagöng ersetzen.
2./3. Fjarðagöng (zwei Abschnitte: 5,4 km und ca. 7 km) – Ostisland Zwei Tunnelfragmente sollen Seyðisfjörður mit Mjóifjörður und Mjóifjörður mit Norðfjörður verbinden. Der Plan betont, dass dadurch die winterliche Isolation von Seyðisfjörður aufgehoben und die regionale Vernetzung in Ostisland deutlich gestärkt wird.
2./3. Súðavík-Tunnel (mehrere Varianten) – Westfjorde Ziel ist die sichere Anbindung zwischen Súðavík und Ísafjörður; die vorhandene Route ist durch Steinschlag- und Lawinenrisiken gefährdet.
4. Miklidalur und Hálfdán (verschiedene Optionen) – Westfjorde Diese Projekte sollen die Verbindungen zwischen Patreksfjörður, Tálknafjörður und Bildudalur verbessern.
Weitere elf Tunneloptionen müssen noch weiter untersucht werden: Fjarðarheiðargöng (ab Seyðisfjörður), Hvalfjarður-Tunnel II, Tunnel zwischen Ólafsfjörður und Dalvík, Breiðadalsleggur (Erweiterung), Klettsháls, Gemlufallsheiði, Öxnadalsheiði, Reynisfjall, Lónsheiði, Hellisheiði, Berufjörður-Tunnel und Breiðdalsheiðargöng.
Die Vorbereitungen für die als prioritär gekennzeichneten Tunnel sollen 2026 starten, Baubeginn ist für Anfang 2027 vorgesehen.
Warum Tunnel soziale und wirtschaftliche Wirkungen haben
Der Verkehrsplan stützt die Tunnelpriorisierung auf Analysen, unter anderem eine vergleichende Analyse für Ostisland. Demnach haben Projekte wie die Fjarðagöng erhebliche sozioökonomische Vorteile: kürzere Reisezeiten zwischen Ortschaften, zuverlässiger ganzjähriger Zugang (wichtig für Bewohner, Wirtschaft und medizinische Versorgung) und eine insgesamt stärkere regionale Integration. Konkret wird im Entwurf hervorgehoben, dass der Zugang zum Krankenhaus Neskaupstaður schneller und verlässlicher wird und Mjóifjörður für ganzjährigen Transport geöffnet wird.
Flughäfen: regionale Stärkung und Ausweichkapazitäten
Der Plan sieht neben der weiteren Stärkung von Keflavík auch Investitionen in Inlandsflughäfen vor, die als Ausweichhäfen für internationale Flüge dienen sollen. Konkrete Punkte:
Akureyri: Terminalerweiterung abgeschlossen; Verbesserungen an der Anflugbefeuerung. Egilsstaðir: Großprojekte geplant — über 2,5 Milliarden ISK in Start- und Landebahn sowie neues Flugfeld (Erdarbeiten beginnen voraussichtlich 2026). Keflavík: Sicherung von Flächen für mögliche Start- und Landebahnerweiterungen; bessere ÖPNV-Anbindung notwendig. Reykjavík: Neues Terminal als Gemeinschaftsprojekt; verbesserte Anflugbefeuerung und ferngesteuerter Kontrollturm.
Straßeninstandhaltung: deutlich mehr Mittel
Ein zentraler finanzieller Pfeiler des Plans ist die substanzielle Aufstockung der Mittel für Straßeninstandhaltung. Die jährlichen Beiträge lagen in den letzten Jahren bei rund 12–13 Milliarden ISK; der Entwurf sieht vor, diese Beiträge bis 2026 auf 17,5 Milliarden ISK und ab 2027 auf 20 Milliarden ISK pro Jahr zu erhöhen. Ziel ist, die Instandhaltungsrückstände zu verringern und die langfristige Belastung des Straßennetzes zu stoppen. Bereits in diesem Sommer hatte die Regierung zusätzliche drei Milliarden ISK gezielt in die Erhaltung ländlicher Straßen bereitgestellt — ein Zuwachs von etwa 25 Prozent — mit ersten sichtbaren Erfolgen.
Sicherheit und Brückenbeseitigung
Sicherheit ist Leitprinzip des Plans. Der Druck auf das Straßennetz und die Zahl schwerer Verkehrsunfälle sind hoch; nach Planberechnungen verursacht der Verkehr jährlich enorme wirtschaftliche Kosten. Maßnahmen umfassen unter anderem die Beseitigung einspuriger Brücken entlang der Ringstraße, wobei die Eröffnung der Brücke über den Hornafjarðarfljót Anfang 2026 zu einer sofortigen Reduktion um drei einspurige Brücken führen soll. Priorität hat außerdem die Trennung von Verkehrsrichtungen auf stark belasteten Strecken, insbesondere aus dem Großraum der Hauptstadt.
Großprojekte in der Hauptstadtregion und Sundabraut
Die Umsetzung der Verkehrscharta der Hauptstadtregion wird fortgesetzt: Ausbau der Borgarlína-Infrastruktur, Miklubraut-Tunnel, Maßnahmen an Sæbraut und in Garðabær sowie die Reykjanesbraut zwischen Setberg und Álftanesvegur. Der Bau von Sundabraut soll bereits in dieser Wahlperiode beginnen.
Häfen: Priorität für kleinere Häfen und Arbeitsplätze
Für Hafeninvestitionen sind im Plan für 2026–2040 Mittel in Höhe von fast 21 Milliarden ISK vorgesehen. Schwerpunkt sind kleinere Häfen mit hohem Bedarf an Sicherheit und Beschäftigungseffekten. Größere Projekte (über 1 Mrd. ISK) in der ersten Phase umfassen unter anderem Arbeiten in Ísafjörður, Sauðárkrókur, Húsavík, Seyðisfjörður und Þorlákshöfn. Gleichzeitig wird geprüft, wie Schwerlastverkehr vom Land auf die Küstenschifffahrt verlagert werden kann, um Straßenschäden und Instandhaltungskosten zu verringern.
Die wichtigsten Hafenprojekte (über 1 Milliarde ISK), die für die erste Phase des Verkehrsplans (2026–2030) in Betracht gezogen werden, sind:
Ísafjörður : Neue Einrandung von Sundabakki.
Sauðárkrókur : Nebengebäude und Brandungsschutz.
Húsavík : Neuer 600 m großer Steinmauer.
Seyðisfjörður : Verlängerung der Küstenlinie um etwa 280 Meter.
Þorlákshöfn : Erweiterung von Suðurvararmauer und Vertiefung von Suðurvararbryggja und Rotation von Skarfaskerbryggja.
Projekte an folgenden Orten können ebenfalls erwähnt werden: Ólafsvík , Þingeyri , Reykhólar , Vopnafjörður , Hornafjörður , Vestmannaeyjar und Landeyjahöfn .
Winterdienst und Asphaltierung von Schotterstraßen
Der Verkehrsplan erhöht die Finanzierung für Winterdienst deutlich — gegenüber dem Vorschlag aus dem Herbst 2023 um fast 14 Milliarden ISK in der ersten Planphase. Parallel dazu werden Mittel bereitgestellt, um die Anzahl der Schotterstraßen weiter zu reduzieren: Rund 460 km zusätzlich sollen im Planzeitraum asphaltiert werden. Dadurch steigt die Länge der asphaltierten Verbindungsstraßen in den nächsten fünf Jahren von geschätzten 1.391 km auf 1.545 km; das stärkt insbesondere die Sicherheit auf Schulbusstrecken und die wirtschaftliche Zugänglichkeit dünn besiedelter Regionen.
Mobilfunk, Resilienz und Doppelnutzung der Infrastruktur
Der Plan hebt die Bedeutung eines zuverlässigen Mobilfunkempfangs auf Fernstraßen hervor — Voraussetzung sowohl für Sicherheit als auch für technologische Innovationen im Verkehr. Ferner betont er die Resilienz kritischer Infrastruktur und die Idee der Doppelnutzung: zivile Infrastruktur soll so geplant werden, dass sie im Notfall auch für Katastrophenschutz und staatliche Aufgaben verwendet werden kann.
Finanzrahmen und Infrastrukturgesellschaft
Gesamt werden für die 15-jährige Laufzeit des Plans Beiträge von rund 1.010 Milliarden ISK erwartet; für die erste Fünfjahresphase 2026–2030 sind rund 361 Milliarden ISK vorgesehen, abgesichert durch einen Finanzplan. Ein zentrales Element zur Beschleunigung großer Projekte ist die Einrichtung einer staatlichen Infrastrukturgesellschaft: ein unabhängiges, vollständig im Staatsbesitz befindliches Unternehmen, das Finanzierung und Betrieb größerer Verkehrsprojekte auf Vereinbarungsbasis übernehmen kann. Finanzierungsinstrumente sollen Staatskapitalzuführungen, Mauteinnahmen, staatlich garantierte Fremdfinanzierung und mögliche Beiträge von Pensionsfonds umfassen. Erste Projekte, die dem Unternehmen übertragen werden könnten, sind die Ölfusár-Brücke, Sundabraut, Fljótagöng und die nächsten Tunnel.
Was ist der isländische Verkehrsplan und weshalb sorgte er bereits im Vorfeld für Aufsehen?
Der Verkehrsplan ist ein umfassendes Konzept, das alle Bereiche des Transportwesens abdeckt – Straßenverkehr, Schifffahrt und Luftverkehr. Er bewertet den aktuellen Zustand der Infrastruktur, zeigt künftige Entwicklungen auf und legt fest, welche Projekte Priorität haben. Ziel ist ein sicheres, wirtschaftliches und umweltverträgliches Verkehrssystem. Dazu enthält der Plan auch konkrete Bauvorhaben.
Der neue Verkehrsplan sorgt für besondere Aufmerksamkeit, weil:
der letzte gültige Plan von 2020 stammt und längst überfällig ist,
ein vorgeschlagener Plan von 2023 keine Parlamentsmehrheit fand,
der Minister Änderungen bei Tunnelbau-Prioritäten angekündigt hatte,
es der erste Verkehrsplan der Regierung Kristrún Frostadóttirs ist.
Der Verkehrsplan ist kein Gesetz, sondern eine politische Leitlinie. Er wird dem Parlament zur Zustimmung vorgelegt, kann aber jederzeit geändert werden – etwa durch ein neues Budget oder Regierungswechsel. Auch bisherige Pläne wurden nicht vollständig umgesetzt, wie der nicht realisierte Baubeginn des Fjarðarheiðar-Tunnels zeigt. Der vorgelegte Entwurf beinhaltet zudem ausführliche Begleitdokumente wie Umwelt- und Verkehrssicherheitsberichte.
Ausblick
Der vorgelegte Verkehrsplan verbindet ambitionierte Tunnelprojekte mit Maßnahmen zur Instandhaltung, Verkehrssicherheit, regionalen Entwicklung und Resilienz. Er setzt finanzielle Prioritäten, legt Zeitpläne für Vorbereitungen und Baubeginne fest und etabliert organisatorische Neuerungen wie eine Infrastrukturgesellschaft, um Umsetzung und Finanzierung planbarer zu machen. Kritische Fragen bleiben: die politische Zustimmung im Parlament, die Absicherung langfristiger Finanzierungen und die konkret geplante Folgenabschätzung für Umwelt und lokale Gemeinschaften. Für viele Regionen Island bedeutet der Plan jedoch eine klare Perspektive — insbesondere dort, wo Tunnelprojekte jahrelang blockiert waren und jetzt wieder Fahrt aufnehmen sollen.
Der ausführliche Verkehrsplan kann hier abgerufen werden.
Die parlamentarische Entschließung mit Einzelheiten hier.
Zur Beachtung: Hierbei handelt es sich um eine Google-Übersetzung, die zu 95% richtig ist. Manchmal haben sich allerdings Fehler eingeschlichen wie, zB wird von U-Bahn anstatt Tunnel gesprochen.
Titelbild: Der kürzeste Tunnel Islands – Arnarnesgöng – zwischen Sudavik und Isafjördur. Hier in der Nähe soll nun ein neuer gebohrt werden. / Mirjam Lassak
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