Der isländische Vulkanologe Ármann Höskuldsson geht davon aus, dass der aktuelle vulkanische Aktivitätszyklus auf der Reykjanes-Halbinsel in Island erst am Anfang steht. Nach seinen Berechnungen liegt die notwendige kumulative Spannungsentlastung in der Erdkruste zwischen 14 und 16 Metern. Bisher seien jedoch lediglich zwei bis drei Meter an den Plattengrenzen des Sundhnúkar-Systems freigesetzt worden.
Zwölf Ausbrüche seit dem Wiedererwachen der Reykjanes-Feuer
Seit dem Wiederaufflammen der „Reykjanes-Feuer“ nach rund 800 Jahren Ruhe kam es auf der Halbinsel zu insgesamt zwölf Vulkanausbrüchen. Neun davon ereigneten sich im Sundhnúkar-System. Gleichzeitig betont Ármann, dass Reykjanes aus mehreren aktiven Vulkansystemen besteht und die bisherigen Ausbrüche nur einen begrenzten Teil des gesamten geologischen Prozesses abdecken.
Spannungen betreffen die gesamte Halbinsel
Im Interview bei Dagmála Morgunblaðið erklärt der Vulkanologe, dass sich der angenommene Spannungsbedarf auf die gesamte Halbinsel Reykjanes bezieht – vom Hengill-System im Osten bis zur äußersten Landspitze bei Reykjanestá im Westen. Derzeit werde die Spannung nahezu ausschließlich im Bereich von Sundhnúkar abgebaut, während andere Regionen weiterhin unter Druck stünden.
Erdbebenschwarm in den Bláfjöll als Teil des Prozesses
Als Teil dieses großräumigen Spannungsabbaus wertet Ármann auch den jüngsten starken Erdbebenschwarm in den Bláfjöll südöstlich von Reykjavík. Solche Schwärme zeigten, dass sich bei intensiver seismischer Aktivität ganze Plattengrenzen gleichzeitig lösen können.
Welche Vulkansysteme als Nächstes aktiv werden könnten
Nach Einschätzung des Vulkanologen könnte das Sundhnúkar-System inzwischen am Ende seiner aktiven Phase stehen. Die dort gespeicherten Spannungen seien weitgehend abgebaut. Als mögliche nächste Schauplätze nennt er mehrere Vulkansysteme, darunter Bláfjöll bis hin zum Hengill-Gebiet, das Krýsuvík-System mit Móhálsadalur und Kleifarvatn sowie die weiter westlich gelegenen Regionen Eldvörp und Reykjanestá.
Auch Unterwasserausbrüche möglich
Darüber hinaus dürfe der Reykjanes-Rücken auf dem Meeresboden südwestlich der Halbinsel nicht außer Acht gelassen werden. Auch dort könne es künftig zu Unterwasserausbrüchen kommen, die Teil desselben tektonischen Gesamtprozesses sind.
Langfristige vulkanische Aktivität im Südwesten Islands
Aus den Einschätzungen Höskuldssons wird deutlich, dass Island – insbesondere der dicht besiedelte Südwesten – über viele Generationen hinweg mit wiederkehrendem Vulkanismus rechnen muss. Auch wenn einige mögliche Szenarien derzeit noch als unrealistisch gelten, sei der langfristige Verlauf klar erkennbar.
Titelbild: Teil des Krýsuvík-Vulkansystems Móhálsadalur am Djúpavatn / Mirjam Lassak
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