Im Fluss Skaftá hat ein Gletscherlauf begonnen, begleitet von Schwefelgeruch und erhöhter Leitfähigkeit. Wetteramt warnt vor Gas und unsicheren Gletscherbereichen.
Am Sonntagabend setzten die ersten Anzeichen eines neuen Skaftá-Gletscherlaufs ein, wie das Wetteramt mitteilt. Die Messstation in Sveinstindur registrierte einen steigenden Durchfluss, der sich seit Mitternacht bei etwa 200 Kubikmetern pro Sekunde stabilisiert hat. Dieser Wert entspricht einem kräftigen Sommerabfluss, bleibt aber deutlich unter größeren Gletscherläufen der Skaftá, die bis zu 3000 m³/s erreichen können.
Die Daten stammen vom Icelandic Met Office (Veðurstofa Íslands) und zeigen die hydrologische Daten des Flusses Skaftá und den Verlauf des Gletscherlaufs (Jökulhlaup), der um den 7. Dezember 2025 begann.
Erläuterung der Daten, aufgeteilt nach den beiden Messstationen: Bild 1: Skaftá við Sveinstindur – Die stromaufwärts gelegene Station. Diese Station liegt näher am Vatnajökull-Gletscher. Sie ist normalerweise die erste, die einen Gletscherlauf registriert. Rennsli (Durchfluss/Abfluss in m³/s): Man sieht einen Anstieg des Wasserabflusses. Am 7. Dezember stieg der Fluss von einem Basiswert (ca. 70-80 m³/s) auf fast 400 m³/s an. Das ist ein klassisches Zeichen für den Beginn eines Gletscherlaufs, bei dem sich Schmelzwasser aus den Geothermalkesseln unter dem Gletscher den Weg bahnt. Leiðni (Elektrische Leitfähigkeit in µS/cm): Dies ist einer der wichtigsten Indikatoren. Die Grafik oben rechts zeigt einen massiven Anstieg der Leitfähigkeit ab dem 7. Dezember. Bedeutung: Normales Regen- oder Schmelzwasser hat eine niedrige Leitfähigkeit. Wasser aus einem Gletscherlauf (aus einem subglazialen See) ist reich an gelösten Mineralien und Gasen aus dem Geothermalgebiet. Ein Anstieg der Leitfähigkeit parallel zum Anstieg des Wasserstands bestätigt, dass es sich um einen Gletscherlauf handelt und nicht nur um Regen. Vatnshæð (Wasserstand): Der Wasserstand stieg parallel zum Durchfluss steil an.
Bild 2: Skaftá, Kirkjubæjarklaustur – Die stromabwärts gelegene Station. Diese Station liegt weiter flussabwärts, in der Nähe der Ringstraße (Straße Nr. 1) und bewohntem Gebiet. Das Wasser benötigt Zeit, um von Sveinstindur hierher zu gelangen. Verzögerung: Während der Pegel in Sveinstindur (Bild 1) bereits am 7. Dezember massiv anstieg, zeigen die Kurven in Kirkjubæjarklaustur (Bild 2) erst ab dem 8. Dezember einen deutlichen Anstieg. Aktueller Status (laut Grafik): Die blaue Linie (Wasserstand) und die rote Linie (Durchfluss) zeigen, dass die Flutwelle nun (am 8. Dezember) diese Station erreicht. Der Durchfluss steigt an, liegt aber in der Grafik noch unter den historischen Hochwassermarken („Flóð (m³/s)“ – untere Grafik). Die lila Linie (aktueller Durchfluss) ist noch weit unter der braunen Linie (2-Jahres-Hochwasser). Das bedeutet, dass das Wasser zwar steigt, aber (zum Zeitpunkt dieser Momentaufnahme) noch keine unmittelbare Katastrophengefahr für die Infrastruktur bei Kirkjubæjarklaustur besteht, obwohl Wachsamkeit geboten ist.
Zusammenfassung des Ereignisses
Die Daten zeigen einen Skaftárhlaup (Gletscherlauf der Skaftá). Geothermales Wasser sammelte sich unter dem Vatnajökull. Am oder um den 7. Dezember brach dieses Wasser aus und passierte die Messstation Sveinstindur (hoher Durchfluss, hohe Leitfähigkeit). Etwa einen Tag später (am 8. Dezember) erreichte die Flutwelle die bewohnte Gegend bei Kirkjubæjarklaustur. Wichtiger Hinweis: Anwohner meldeten einen deutlichen Schwefelgeruch, und Messungen bestätigen eine erhöhte Leitfähigkeit des Wassers. Diese Hinweise sprechen für das Auftreten von Schwefelwasserstoff, der beim Austritt von Schmelzwasser aus geothermischen Bereichen unter dem Vatnajökull freigesetzt wird. Reisende sollten sich vom Flussufer fernhalten.
Verkehrslage und mögliche Überflutungen
Derzeit gibt es keine Auswirkungen auf die Hauptverkehrsstraßen der Region. Dennoch besteht aufgrund des Gletscherlaufs die Möglichkeit, dass Straßen in Flussnähe in den kommenden Tagen überflutet werden. Die Lage wird von den Behörden kontinuierlich überwacht.
Warnungen zu Gas und Rissbildung
Reisende und Besucher des Vatnajökull-Gebiets werden ausdrücklich gewarnt: – Den Fluss Skaftá oberhalb von Skaftárdalur bitte meiden. – Die Gletscherränder von Skaftárjökull, Tungnárjökull und Síðujökull gelten als gefährlich, da dort sowohl Gasbelastung als auch plötzlich austretende Sturzfluten auftreten können. – Um die ausbrechende Caldera herum können sich binnen kurzer Zeit Risse bilden. Ein Sicherheitsabstand zu den umliegenden Gletscherbereichen ist dringend angeraten.
Update 12.12.2025: Update zur Meldung: Erste Abflusswelle aus dem Vestari-Skaftárkatl seit über vier Jahren
Es ist nun bestätigt, dass der kleine Skaftár-Lauf, der am vergangenen Wochenende einsetzte, seinen Ursprung im Vestari-Skaftárkatl hat. Damit kommt es dort erstmals seit dem Herbst 2021 wieder zu einem sogenannten Skaftár-Lauf, teilt das Wetteramt mit.
Der Durchfluss der Skaftá ist in den vergangenen Tagen kontinuierlich zurückgegangen. Am heutigen Mittag wurden bei Sveinstindur rund 130 Kubikmeter pro Sekunde gemessen. Zu Wochenbeginn lag der Abfluss noch bei etwa 250 Kubikmetern pro Sekunde und damit etwas über dem sommerlichen Höchststand.
Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes hat die elektrische Leitfähigkeit des Wassers offenbar ihren Höhepunkt erreicht. In der Region ist jedoch weiterhin Schwefelgeruch wahrnehmbar.
Skaftár-Läufe treten unter dem Vatnajökull regelmäßig auf. Während die östliche Skaftár-Caldera (Eystri-Skaftárkatlar) nahezu jährlich aktiv ist, sind Abflüsse aus der westlichen Caldera (Vestari-Skaftárkatlar) deutlich seltener. Der nun bestätigte Lauf ist dort der erste seit mehr als vier Jahren.
Hintergrund: Ein Skaftár-Lauf entsteht, wenn geothermische Wärme unter dem Gletscher Eis von unten schmilzt. Das Schmelzwasser sammelt sich in subglazialen Kesseln und entlädt sich schließlich schlagartig unter dem Gletscher hindurch in den Fluss Skaftá. Solche Abflüsse können mit erhöhter Schwefelwasserstoff-Belastung einhergehen, die für Menschen gesundheitsschädlich sein kann.
Titelbild: Der Fluss Skaftá bei Kirkjubæjarklaustur / Mirjam Lassak