Ab dem 8. Juni wird die Fähre Baldur vorübergehend zwischen den Westmännerinseln und dem Festland eingesetzt, um die angeschlagene Fährverbindung der Herjólfur zu unterstützen, teilt die Straßenbehörde mit. Hintergrund ist ein schwerer Motorschaden an einem der beiden Hauptmotoren der Herjólfur, der bereits im April auftrat. Die Reparatur soll voraussichtlich Mitte Juni abgeschlossen werden.
Während dieser Zeit verkehren Baldur und Herjólfur gemeinsam auf der Strecke zwischen Heimaey und dem Festland. Die Fähre Særún übernimmt stattdessen die Verbindung nach Flatey im Breiðafjörður und soll die Versorgung der Inselgemeinschaft sicherstellen. Ein vorübergehender Fahrplan wird in Kürze veröffentlicht.
Die Entscheidung wurde getroffen, weil in den kommenden Wochen ein besonders hohes Verkehrsaufkommen zu den Westmännerinseln erwartet wird. Neben dem Sommerreiseverkehr sorgen mehrere Sportveranstaltungen für zusätzliche Nachfrage. Da die Herjólfur derzeit nur mit einem funktionierenden Motor fährt, ist sie zudem deutlich anfälliger für wetterbedingte Einschränkungen. Bereits bei Wellenhöhen über zwei Metern oder Windgeschwindigkeiten von mehr als zwölf Metern pro Sekunde kann Landeyjahöfn nicht angelaufen werden.
Infrastrukturminister Eyjólfur Ármannsson stellte die Änderungen bei einer Veranstaltung auf Heimaey vor. Dort wurden auch Bewohner der Westmännerinseln und des Breiðafjörður-Gebiets über die Auswirkungen des Motorschadens informiert.
Scharfe Kritik aus den Westfjorden
In den Westfjorden stößt die Entscheidung jedoch auf erheblichen Widerstand. Die Bürgermeisterin von Vesturbyggð, Gerður Björk Sveinsdóttir, bezeichnete das Vorgehen als „völlig inakzeptabel“ und kritisierte insbesondere die fehlende Einbindung der betroffenen Gemeinden.
Nach ihren Angaben sei die Gemeinde erst am Tag der Bekanntgabe per E-Mail informiert worden. Die Entscheidung zeige wenig Respekt gegenüber den Bewohnern der Westfjorde, den örtlichen Unternehmen und der Tourismusbranche.
Besonders betroffen ist die wichtige Verbindung zwischen Stykkishólmur und Brjánslækur. Mit dem vorübergehenden Abzug der Baldur entfällt die direkte Fährverbindung über den Breiðafjörður. Viele Reisende nutzen diese Strecke als zentrale Verbindung in die südlichen Westfjorde.
Auch Tourismusbetriebe melden bereits erste Auswirkungen. Reiseveranstalterin Gunnþórunn Bender aus Patreksfjörður berichtet von ersten Stornierungen. Der Sommer sei für die Region von entscheidender Bedeutung, da der Tourismus in den Wintermonaten nur eine geringe Rolle spiele. Aus ihrer Sicht werde die Wirtschaft einer Region geschwächt, um Probleme in einer anderen Region zu lösen.
Hoffnung auf bessere Bedingungen in Landeyjahöfn
Parallel dazu kündigte die isländische Straßenverwaltung Verbesserungen bei den Baggerarbeiten in Landeyjahöfn an. Ab Herbst soll das belgische Unternehmen Jan De Nul die Arbeiten übernehmen. Das Unternehmen gilt als einer der weltweit führenden Anbieter in diesem Bereich und soll mit leistungsfähigerer Ausrüstung für bessere Bedingungen im Hafen sorgen. Eine entsprechende Vereinbarung läuft bis 2029.
Titelbild Fähre Baldur im Hafen von Stykkisholmur
Vor der totalen Sonnenfinsternis im August verstärkt Island die Mobilfunkversorgung in Látrabjarg, um den erwarteten Besucheransturm und die Arbeit der…