Seit der vergangenen Nacht wird westlich von Lambafell ein anhaltender Erdbebenschwarm registriert. Das betroffene Gebiet liegt zwischen Syðri-Eldborg und Nyrðri Eldborg.
Nach bisherigen Angaben wurden bereits mehr als 200 einzelne Erdbeben aufgezeichnet. Die Aktivität hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung weiterhin an.
Die Erdbeben können bei vafri.is verfolgt werden. Hier ein Kartenausschnitt von Vafri.


Update 15:00 Uhr des Wetterdienstes.
In der Nacht hat das isländische Wetteramt (Veðurstofa Íslands) Glasfaserkabel zur Beobachtung der seismischen Aktivität genutzt. Mit spezieller Messtechnik lassen sich herkömmliche Telekommunikationsleitungen dabei wie sehr lange und empfindliche Erdbebenmessgeräte einsetzen. Selbst geringe Bewegungen in der Erdkruste verändern das Lichtsignal im Kabel und können so zeitlich genau erfasst werden.
Ein auf der Facebookseite des MET-Office veröffentlichter Zeitraffer zeigt die Messdaten von Mitternacht bis in die Morgenstunden, ausgewertet in Zehn-Minuten-Schritten. Blaue Bereiche stehen für ruhige Verhältnisse, gelbe Farben markieren zunehmende Störungen im Untergrund. Jeder Bildabschnitt entspricht dabei etwas mehr als 30 Minuten.
Erfasst wurden unter anderem Glasfaserstrecken von Ásbrú entlang der Reykjanesbraut nach Hafnarfjörður sowie weiter über den Krýsuvíkurvegur bis in das Gebiet bei Háuhnúkar. Eine zweite Strecke verläuft von Ásbrú südwärts entlang der Suðurstrandarvegur bis nach Þorlákshöfn. In einzelnen Abschnitten zeigen sich dauerhaft hellere Signale, die laut Wetteramt nicht auf Erdbeben zurückzuführen sind, sondern auf Umwelteinflüsse wie Wind, oberirdisch verlegte Kabel oder Nähe zu lärmintensiven Bereichen.
Schräg verlaufende Linien im Messbild stehen für Fahrzeuge entlang der Kabeltrassen und zeigen, wie der Verkehr in den Morgenstunden deutlich zunimmt.
Gegen 2 Uhr nachts ist im Datensatz klar der Beginn der Erdbebenserie bei Lambafell in der Nähe der Bláfjöll zu erkennen. Stärkere Beben erscheinen als durchgehende horizontale Linien über das gesamte Messfeld hinweg, während schwächere Erschütterungen nur im östlichen Teil der Messstrecke sichtbar sind – nahe dem Ursprungsgebiet. Die Glasfaser-Messungen bestätigen damit den zeitlichen Ablauf und die räumliche Einordnung des anhaltenden Erdbebenschwarms.
Titelbild: Lambafell / Mirjam Lassak
