Der Gletscherlauf des Hafrafellslón westlich des Langjökull ist größtenteils abgeklungen. Der Flusspegel stieg am vergangenen Wochenende knapp oberhalb von Húsafell, jedoch deutlich langsamer als bei der letzten großen Flut in der Region im Jahr 2020. Das Gebiet wird weiterhin engmaschig überwacht.
Der Wasserstand an der Brücke über den Fluss Hvítá ist inzwischen wieder auf das Ausgangsniveau gesunken. Nach Angaben von Bergur Einarsson, Leiter der Wasserforschung beim Isländischen Wetterdienst, sinkt der Pegel stetig. Die Messungen an der Hvítá-Brücke würden dennoch weiterhin rund um die Uhr fortgesetzt.
„Das war ein ungewöhnlicher Lauf und ein ungewöhnliches Strömungsmuster“, erklärte Bergur bei Visir. „Im Vergleich zur großen Flut von 2020 war das aktuelle Ereignis zwar anders, aber deutlich größer. Besonders auffällig war, dass in der Nacht zum Sonntag zwei Pulse auftraten – ein seltenes und interessantes Phänomen.“
Offen bleibt nun die Frage, ob sich der Stausee erneut füllen kann oder ob der natürliche Damm am Gletscher beginnt, Wasser zurück in den See zu leiten. Nach der großen Flut 2020 und einem kleineren Hochwasser 2021 blieb es in den darauffolgenden Jahren ruhig. „Das ist ein komplexes Bild mit vielen Variablen, die beeinflussen, ob ein Stausee überläuft und welche Art von Fluss daraus entsteht“, so Bergur weiter.
Zur aktuellen Lage sagte er: „Das Hauptereignis ist vorbei, der Rückgang ist deutlich. Doch es bleibt abzuwarten, ob noch weitere Nachläufe folgen.“
Titelbild Hafrafellslon / Loftmyndir ehf.
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22.08.2025
Am westlichen Rand des Langjökull hat im Hafrafellslón ein Gletscherlauf (oder Gletschersturzflut) eingesetzt. Der Abfluss ergießt sich über den Svartá-Kanal in den Fluss Hvítá in Borgarfjörður. Seit gestern Abend wird dort ein deutlicher Anstieg des Wasserstandes gemessen.
Wasserstand höher als 2020
Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes ist der Wasserstand im Hafrafellslón so hoch wie nie zuvor. Hafrafellslón ist ein Randstausee, in dem sich im Sommer Schmelzwasser des Gletschers ansammelt. Da sich der See mit dem Rückzug des Gletscherrandes in den letzten Jahren deutlich vergrößert hat, besteht die Möglichkeit, dass die aktuelle Flut umfangreicher ausfällt als im August 2020. Damals wurde unter anderem die Brücke am Hálsasveitarvegur bei Kaldadalsvegur überflutet.
Beobachtungen per Satellit und aus der Region
Satellitenbilder vom 20. August deuteten bereits an, dass der Stausee zu leeren begann. Gestern bestätigten Anwohner, dass Wasser über den Gletscherrand in den Fluss Svartá abfloss. Seitdem steigt der Pegel der Hvítá oberhalb von Húsafell deutlich. Derzeit bewegen sich die Werte noch im Rahmen starker Regenabflüsse, doch die Behörden rechnen mit weiterem Anstieg.
Unsicherheit über Verlauf
Wie stark die Gletscherflut tatsächlich ausfallen wird, hängt von der Geschwindigkeit des Abflusswachstums ab. Sie entscheidet darüber, wann und auf welchem Niveau der Höchststand erreicht wird – und ob die Flut das Ausmaß von 2020 übertrifft.
Warnung an Anwohner
Anwohnern entlang der Hvítá wird geraten, mögliche Auswirkungen auf Eigentum und Viehbestand an den Ufern zu berücksichtigen. Schon in der Vergangenheit kam es im Flussgebiet zu Überschwemmungen von Wiesen und Infrastrukturschäden.
👉 Den Bericht des isländischen Wetterdienstes zur Flut 2020 finden Sie hier (PDF).
