Ein Gericht in Island hat eine Frau freigesprochen, die einen Hund erschossen hatte, um ein Eiderenten-Nistgebiet zu verteidigen. Das Urteil wurde vergangene Woche am Bezirksgericht Nordwestisland gefällt.
Freispruch wegen rechtlichen Notstands
Die Frau war wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt worden, nachdem sie mit einer Schrotflinte einen isländischen Schäferhund getötet hatte. Der Richter kam jedoch zu dem Schluss, dass sie im rechtlichen Notstand gehandelt habe und deshalb freizusprechen sei, berichtet RUV.
Schutz eines langjährig aufgebauten Eiderenten-Nistplatzes
Nach Angaben der Angeklagten bewachte sie ein Eiderenten-Nistgebiet an einem nicht näher genannten Ort im Nordwesten Islands. Die Eigentümer hätten rund zehn Jahre benötigt, um den Bestand zu verdoppeln, indem sie das Gebiet jeden Sommer über acht Wochen hinweg schützten. Ziel sei es gewesen, den Enten vollständige Ruhe vor Menschen und Tieren zu gewährleisten.
Vorfall mit zwei Hunden im Juni 2024
Im Juni 2024 bemerkte die Frau zwei Hunde, die sich dem Nistplatz näherten. Sie versuchte zunächst, beide Tiere zu vertreiben. Einer der Hunde kehrte um, der andere lief jedoch weiter auf das Brutgebiet zu. Nach eigenen Angaben sah sie keine andere Möglichkeit mehr, als auf den Hund zu schießen, um das Eiderenten-Gelege zu schützen.
Abgelaufene Waffenbesitzerlaubnis
Zum Zeitpunkt des Vorfalls war die Waffenbesitzerlaubnis der Frau bereits seit fünf Monaten abgelaufen. Dennoch sah das Gericht darin keinen Grund für eine Verurteilung, da die Handlung durch Notstand gerechtfertigt gewesen sei.
Reaktion der Hundebesitzer
Die Frau übergab den Hundekadaver den Besitzern in einem schwarzen Plastiksack. Diese zeigten sich empört und meldeten den Vorfall der Polizei. Die Hundebesitzer leben auf einem Hof in der Nähe des Nistplatzes, der Hund war ihr Haustier.
Gericht bewertet wirtschaftlichen Schaden
Vor Gericht erklärte die Angeklagte, sie habe zuvor versucht, den Hund mit milderen Mitteln aufzuhalten. Im Jahr zuvor hätten Hunde die Umzäunung des Nistplatzes zerstört und das gesamte Brutgebiet verwüstet. Zudem habe sie vor Beginn der Brutsaison mit den Hundebesitzern gesprochen und sie eindringlich gebeten, ihre Tiere vom Nistplatz fernzuhalten.
Der Richter verwies in seiner Urteilsbegründung unter anderem auf den wirtschaftlichen Wert des Eiderenten-Nistplatzes. Die Einnahmen aus dem Eiderdaunengewinn hätten sich im betreffenden Sommer auf umgerechnet rund 81.500 Euro belaufen, etwa zwölf Millionen isländische Kronen. Zum Vergleich koste ein Welpe eines isländischen Schäferhundes rund 350.000 Kronen.
Keine milderen Mittel ausreichend
Nach Auffassung des Gerichts wurde ausreichend dargelegt, dass in dieser konkreten Situation keine milderen Maßnahmen mehr geeignet gewesen seien, um den Nistplatz zu schützen. Daher sei die Tötung des Hundes im Rahmen des Notstands rechtlich zulässig gewesen.
Das Titelbild wurde mithilfe von KI generiert.
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