Papageitaucher in Island erleben
Kaum ein Tier steht so sehr für Island wie der Papageitaucher. Besucher hoffen fast immer darauf, ihn zu sehen – und Souvenirs mit seinem bunten Schnabel sind überall zu finden. Es ist ein Naturschauspiel der leisen Art, wenn Papageitaucher am Abend vom Meer zurückkehren und watschelnd in ihre Bruthöhlen in die Felsen verschwinden. Häufig tragen sie mehrere kleine Fische im Schnabel, die sie tauchend aus dem Meer gefangen haben, um ihre Jungen zu versorgen.

Für Fotografen bieten sich dabei einmalige Motive: das geschäftige Treiben an den Klippen, das unbeholfene Laufen und die farbenfrohen Schnäbel vor der rauen Küstenlandschaft Islands.
Laut Fluglavernd BirdLife Island brüten rund zwei Millionen Papageitaucher-Brutpaare, etwa 40 % des Weltbestands, in Island. Damit ist er Islands häufigster Vogel. Besonders bedeutsam sind 18 große Kolonien mit jeweils über 10.000 Paaren, darunter die Cluster der Westmännerinseln und des Breiðafjörður.
Papageitaucher sind gesellige Koloniebrüter und lassen sich an ihren Nistplätzen oft aus relativ kurzer Distanz beobachten – vorausgesetzt, man verhält sich rücksichtsvoll. Ihr aufrechter Gang, die pinguinartige Haltung und der farbenfrohe Schnabel machen sie unverwechselbar.
Wann siehst du Papageitaucher in Island?
Die beste Zeit ist von Mitte April bis Mitte August. In diesem Zeitraum halten sich die Vögel zur Brut an Land auf. Die genauen Ankunfts- und Abzugszeiten können je nach Witterung und Nahrungsangebot leicht variieren.
In der Regel treffen Papageitaucher ab Mitte April an Islands Küsten ein und verlassen das Land gegen Ende des Sommers. Der Legende nach sollen sie in Hafnarhólmi jedes Jahr am 8. April um 15 Uhr eintreffen.😉
Wo kannst du Papageitaucher in Island beobachten?
Papageitaucher brüten an Küsten, Steilklippen und auf vorgelagerten Inseln rund um Island. Viele Brutplätze sind nicht zugänglich und sollten nicht betreten werden.
Tipp: Borgarfjörður Eystri in Ostisland gilt als der beste, einfachste und sicherste Ort, um Papageitaucher aus nächster Nähe zu beobachten – ohne Boot und ohne Risiko.
Die beste Tageszeit für die Vogelbeobachtung
Die Elterntiere verbringen oft viele Stunden auf See bei der Nahrungssuche. Meist kehren sie am späten Nachmittag oder Abend zu den Bruthöhlen zurück. Wer Papageitaucher sehen möchte, sollte Zeit einplanen, ruhig beobachten und am besten abends kommen.
Nestbau & Familienleben der Puffins
Papageitaucher bauen keine Nester auf Felsvorsprüngen wie viele andere Seevögel. Stattdessen graben sie Bruthöhlen. Diese Höhlen sind etwa 1–1,2 Meter lang und bestehen aus zwei Bereichen: einer Nestkammer und einer separaten „Toilettenkammer“. Ein Paar zieht nur ein Küken pro Jahr groß. Beide Elternteile brüten, jagen und füttern gemeinsam.
Wichtige Verhaltensregeln: So schützt du die Tiere
Papageitaucher sind geschützt – und ihre Brutplätze empfindlich. Der Boden über den Bruthöhlen kann einstürzen, Klippenränder sind oft instabil, kein Betreten oder Stören von Nestern. Bleibe stets auf Abstand, halte dich an markierte Wege und vermeide laute Geräusche oder schnelle Bewegungen.

Die interaktive Karte & bekannteste Orte
Papageitaucher brüten an vielen Küsten Islands. Die folgende Karte zeigt dir die 18 wichtigsten und am besten zugänglichen Beobachtungsorte im ganzen Land. Daneben existieren zahlreiche weitere Brutplätze auf abgelegenen Inseln oder unzugänglichen Klippen abseits der Touristenpfade.
(Ideal für die Navigation vor Ort in Island)
Die bekanntesten Beobachtungsorte
1. Hafnarhólmi (Ostfjorde): Der wohl beste Ort für Nahaufnahmen. Dank der angelegten Treppen und Plattformen kannst du die Vögel beobachten, ohne ihre Bruthöhlen zu gefährden.
2. Vestmannaeyjar (Westmännerinseln): Die Heimat der größten Kolonie Islands. Besonders die Klippen am südlichen Ende von Heimaey (Stórhöfði) sind spektakulär.
3. Dyrhólaey (Südküste): Berühmt für den gigantischen Felsbogen. Hier nisten die Puffins oft direkt über den schwarzen Sandstränden. Parke am unteren Parkplatz.
4. Látrabjarg (Westfjorde): Europas größte Vogelklippe. Ein Muss für jeden Fotografen, da die Vögel hier oft sehr unbeeindruckt von Menschen sind.
5. Grímsey (Norden): Ein Abenteuer am Polarkreis. Die Insel ist ein wahres Vogelparadies.
Papageitaucher-Touren in Island
Neben frei zugänglichen Kolonien gibt es verschiedene geführte Touren, um Papageitaucher zu beobachten:
- Traktor- und Heuwagentour nach Ingólfshöfði
- Bootstour zur Insel Vigur ab Ísafjörður
- Bootstour zur Insel Grímsey ab Drangsnes
- Bootstour nach Drangey ab Sauðárkrókur
- Papageitaucher-Bootstour ab Reykjavik
- RIB-Boot-Express ab Húsavík
- Walbeobachtung mit Papageitauchern ab Húsavík
- Reiten und Papageitaucher ab Reykjavík
Gleichberechtigte Elternschaft bei Papageitauchern
Papageitaucherpaare teilen sich Brut und Aufzucht gleichberechtigt. Beide Elternteile bebrüten gemeinsam ihr einziges Ei und versorgen den Nachwuchs mit Sandaalen, kleinen Fischen und Krebstieren. Die Jungvögel, auch Lundis genannt, bleiben rund 40 Tage im Nest, bis sie flugfähig sind und selbstständig ins Meer ziehen.
Tradition & Artenschutz
Grundsätzlich sind Wildvögel in Island gesetzlich geschützt (Gesetz Nr. 64/1994). Einige Arten, darunter der Papageitaucher, sind von dieser Regel ausgenommen und dürfen während einer begrenzten Jagdsaison bejagt werden.
Die offizielle Jagdsaison dauert vom 1. Juli bis 15. August, wird jedoch regional eingeschränkt. Auf den Westmännerinseln war sie 2025 vom 25.7. bis 15.8. erlaubt.
Die Jagd auf Papageitaucher ist Teil der isländischen Kulturgeschichte, jedoch stark rückläufig. Naturschutzorganisationen wie Fuglavernd fordern ein vollständiges Jagd- oder zumindest Verkaufsverbot.

Papageitaucher auf der Speisekarte
Historisch waren Papageitaucher und ihre Eier eine wichtige Nahrungsquelle in Island. Heute wird die Jagd nur noch regional und eingeschränkt praktiziert. In wenigen Restaurants in Reykjavík oder vereinzelt andernorts wird Papageitaucher als Gericht angeboten.
Wo verbringen sie die kalte Jahreszeit?
Außerhalb der Brutzeit, von Ende August bis Anfang April, leben Papageitaucher auf dem offenen Meer. Ihr Winterverbreitungsgebiet reicht über den gesamten Nordatlantik bis nach Nordafrika und ins westliche Mittelmeer. Isländische Jungvögel wurden sogar an den Küsten Neufundlands nachgewiesen, was darauf hindeutet, dass sie weite Strecken nach Südwesten zurücklegen.
Schutzprojekt Hafnarhólmi
Fuglavernd ist eine NGO mit rund 1.300 Mitgliedern. Sie erhielt Hafnarhólmi als Erbe und plant dort ein Schutzgebiet für Papageitaucher und andere Seevögel. Ziel ist unter anderem die Einrichtung einer Ranger-Stelle, um den Lebensraum zu schützen und einen lokalen Arbeitsplatz zu schaffen. Der Papageitaucher steht seit Oktober 2025 auf der Roten Liste der Vögel Islands als vom Aussterben bedroht und weltweit als gefährdet auf der Roten Liste der IUCN.

Eine Live-Webcam in Borgarfjarðarhöfn zeigt die Kolonie in den Sommermonaten zeitweise (nicht dauerhaft aktiv):
Die Rettung der „Pufflings“
In späten Augustnächten und September verlassen die jungen Papageitaucher der Westmännerinseln erstmals ihre Felshöhlen, da ihnen die Eltern kein Futter mehr bringen. Und der Hunger treibt sie aus ihren Höhlen. Angelockt von den Lichtern der Stadt, landen viele der orientierungslosen Jungvögel gefährlich auf Straßen oder in Gärten.
Hier greift eine charmante Inseltradition: Lokale Kinder patrouillieren mit Pappkartons, um die verirrten „Pufflings“ einzusammeln und sie vor Katzen und dem Verkehr zu retten. Nach einer sicheren Übernachtung bei ihren Rettern werden die Vögel am nächsten Morgen an der Küste behutsam in die Freiheit entlassen, von wo aus sie ihren Weg zurück aufs offene Meer finden.
Im Video wird gut dokumentiert, wie die Rettung vonstatten geht. Schaut es euch an:
Fakten über den Atlantischen Papageitaucher
- Population: ca. 2 Mio. Brutpaare in Island
- Größe: 26–29 cm, Spannweite 45–65 cm
- Gewicht: etwa 500 g
- Lebenserwartung: 20–25 Jahre (Rekord: 38 Jahre)
- Beziehung: monogam, meist ein Leben lang
- Nahrung: Sandaale, Lodden, kleine Fische, Krabben
- Transport: bis zu 20 Fische gleichzeitig im Schnabel
Haben Papageitaucher Flügel oder Flossen?
Beides – fast. Papageitaucher nutzen ihre Flügel unter Wasser wie Flossen. Trotz kurzer Flügel sind sie gute Flieger, aber noch bessere Taucher. Bis zu 1,5 Minuten bleiben sie unter Wasser.
Sind Papageitaucher mit Pinguinen verwandt?
Nein. Trotz ähnlicher Optik gehören Papageientaucher zu den Alkenvögeln, Pinguine zu einer völlig anderen Familie. Die Ähnlichkeit ist das Ergebnis ähnlicher Lebensräume – nicht enger Verwandtschaft.
Wie klingen Papageitaucher?
Charmant ist anders. Papageitaucher geben ein knurrendes Geräusch von sich. Auch das Schnäbeln klingt einzigartig.
👉 Hier kannst du dir die Stimme der Papageitaucher anhören.
Puffins weltweit
Isländisch: Lundi (und wie du es aussprichst)
Deutsch: Papageitaucher
Englisch: Puffins
FAQ – Papageitaucher in Island
Wann ist die beste Zeit, um Papageitaucher in Island zu sehen?
Die beste Zeit ist von Mitte April bis Mitte August. In dieser Phase befinden sich Papageitaucher zur Brut an den Küsten Islands.

Wo kann man Papageitaucher in Island am besten beobachten?
Der beste Ort ist Borgarfjörður Eystri in Ostisland. Dort lassen sich Papageitaucher besonders nah, sicher und ohne Boot beobachten. WEiterhin Vestmannaeyjar, Látrabjarg, Dyrhólaey.
Gibt es Papageitaucher-Touren in Island?
Ja. Es gibt Bootstouren, RIB-Touren sowie Kombitouren mit Walbeobachtung oder Reiten, unter anderem ab Reykjavík, Húsavík und Ísafjörður.
Sind Papageitaucher in Island geschützt?
Papageitaucher sind grundsätzlich geschützt, dürfen jedoch in bestimmten Regionen während einer kurzen Jagdsaison bejagt werden. Naturschutzorganisationen fordern ein Jagdverbot. Ihre Nester dürfen nicht betreten oder gestört werden.
Warum gehen die Bestände zurück?
Hauptgrund sind veränderte Fischvorkommen.
Wo sind Papageitaucher im Winter?
Im Winter leben Papageitaucher auf dem offenen Meer im Nordatlantik. Ihr Verbreitungsgebiet reicht bis nach Nordafrika und ins westliche Mittelmeer.
Zum Abschluss gibt es noch ein Video für euch von Hafnarholmi. ↓

