Reynisfjara in Südisland: Neue Sicherheitspläne, Sperrung bei akuter Gefahr nicht ausgeschlossen
Massive Erosion in Reynisfjara: Bis zu 60 Meter Küstenverlust. Die Regierung plant ein Sicherheitsgesetz – im Ernstfall könnte der berühmte Strand in Island komplett gesperrt werden.
Reynisfjara im Wandel: Bis zu 60 Meter Küstenverlust
An der Südküste Islands am beliebten Tourismusmagnet schwarzen Strand Reynisfjara wurden in den letzten Wochen erhebliche Veränderungen festgestellt, SaltyLava berichtete. Laut Jóhannes Marteinn Jóhannesson, Geologe im Katla Geopark, kam es zu massiven Bodensenkungen und Erosionen – stellenweise zwischen 50 und 60 Metern. Die Auswirkungen sind entlang der Küste deutlich sichtbar, wie eine Grafik der Universität Islands bei mbl.is zeigt.
Die aktuellen Messungen zeigen, wie dynamisch sich die Küstenlinie in diesem Bereich Islands verändert hat.
Der schwarze Sandstrand unterliegt starken natürlichen Verlagerungen. Üblicherweise sorgen Südwestwinde dafür, dass der östliche Abschnitt breiter ist. In den vergangenen Wochen dominierten jedoch Ostwinde. In Kombination mit hohen Gezeiten führte dies dazu, dass sich der Strand im Osten deutlich zurückzog. Sediment wurde nach Westen transportiert und lagerte sich teilweise bei Arnardrangar und Dyrhólaey ab.
Sicherheitsdebatte: Regierung kündigt Gesetz an
Die jüngsten Entwicklungen verschärfen die Sicherheitsdebatte rund um Reynisfjara, einen der bekanntesten und zugleich gefährlichsten Strände Islands.
Hanna Katrín Friðriksson, Ministerin für Industrie und Tourismus, kündigte an, im Herbst einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Sicherheit an touristischen Hotspots verbessern soll. Viele dieser Orte – darunter auch Reynisfjara – befinden sich in Privatbesitz. Deshalb sei eine enge Zusammenarbeit zwischen Behörden und Grundstückseigentümern erforderlich.
Die Ministerin machte bei RUV deutlich, dass im äußersten Fall auch eine vollständige Sperrung des Strandes möglich sei, wenn eine unmittelbare Gefahr bestehe. Eine solche Maßnahme würde jedoch nur in Abstimmung mit den Eigentümern erfolgen.
Collage zweier Fotos aus der ersten Januarwoche. Auch dort konnte man die Erosion schon deutlich sehen / Mirjam Lassak
Warnungen werden nicht immer ernst genommen
Teile der jüngsten Erosion ereigneten sich in unmittelbarer Nähe von Informationstafeln. Künftig könnten zusätzliche Maßnahmen folgen, darunter technologische Lösungen wie direkte Warnmeldungen auf Mobiltelefone. Ziel ist es, Besucher besser zu erreichen und schneller auf akute Gefahren hinzuweisen.
Das letzte Todesopfer war im vergangenen Jahr ein neunjähriges deutsches Mädchen, SaltyLava berichtete.
Reynisfjara steht seit Jahren wegen sogenannter Sneaker Waves und tödlicher Unfälle im Fokus. Die aktuelle Entwicklung zeigt erneut, wie unberechenbar die Natur Islands ist – und dass Sicherheit an stark frequentierten Naturattraktionen zunehmend zur politischen Aufgabe wird.
Titelbild: Basaltsäulen mit Blick bis nach Dyrholaey über Reynisfjara / Mirjam Lassak