Schlammbäder an der Skihütte Hveradalir: Fast 100 Jahre Geschichte im Geothermiegebiet
Die Schlammbäder im Hveradalir verbinden geothermischen Schlamm, ein preisgekröntes Geothermiegebiet und fast 100 Jahre Geschichte. Ein besonderer Stopp auf der Hellisheiði, nur rund 20 Minuten von Reykjavík entfernt.
Wer auf der Ringstraße von Reykjavík nach Südisland unterwegs ist, fährt oft direkt an Hveradalir vorbei. Rund um die historische Skihütte „Skíðaskálinn í Hveradölum“ erstreckt sich eines der am leichtesten zugänglichen Geothermiegebiete Islands. Auf der Hellisheiði-Hochebene gelegen und nur etwa 20 Minuten von Reykjavík sowie wenige Minuten vom Geothermiekraftwerk Hellisheiði entfernt, kommen viele Besucher für einen Spaziergang zwischen dampfenden Schlammtöpfen und heißen Quellen hierher. Doch nur wenige ahnen, dass die Geschichte der Schlammbäder und geothermischen Wellness an diesem Ort fast 100 Jahre zurückreicht.
Eine lange Tradition der Schlammbäder
Das heutige Schlammbad von Skíðaskálinn í Hveradölum ist keine moderne Erfindung. Bereits Ende der 1920er-Jahre wurden im Tal Heilerdebäder angeboten. Schon damals nutzten die Menschen die geothermische Wärme, den Dampf und den mineralreichen Schlamm für Erholung und Wohlbefinden.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Hveradalir zu einem beliebten Ausflugsziel. Neben der bekannten Skihütte entstanden eine Sauna und weitere Einrichtungen, die die natürlichen Ressourcen des Tals nutzten. Zeitungsberichte aus den 1930er- und 1950er-Jahren zeigen, dass man hier schon früh mit Schlammbädern experimentierte und die besonderen Eigenschaften des örtlichen Tons schätzte.
Damit gehört Hveradalir zu den Orten, an denen die Idee geothermischer Wellness in Island deutlich älter ist als der heutige Boom rund um Thermalbäder und Spas.
Das moderne Schlammbad
Diese Tradition lebt heute wieder auf. Das moderne Schlammbad befindet sich direkt neben der historischen Skihütte und wird von einer Familie Schritt für Schritt weiterentwickelt. Statt großer Investoren steht hier persönlicher Einsatz im Mittelpunkt.
Aktuell zahlen Besucher lediglich 1.000 ISK Parkgebühr über Parka. Ein zusätzlicher Eintritt wird derzeit nicht erhoben. In der Parkgebühr enthalten sind die Nutzung des Geothermiegebiets, der Schlammbäder sowie die Toiletten am Parkplatz.
Der mineralreiche Schlamm stammt direkt aus dem Geothermiegebiet hinter den Becken. Er kann vom Boden der Becken entnommen, aufgetragen und anschließend im warmen Wasser wieder abgewaschen werden. Wer möchte, kann sich dabei von Kopf bis Fuß mit dem dunklen Schlamm einreiben.
Das Geothermiegebiet hinter den Schlammbädern
Mindestens genauso sehenswert ist das Geothermiegebiet selbst. Direkt hinter den Schlammbädern führen moderne Stege durch eine Landschaft voller dampfender Schlammtöpfe, heißer Quellen und farbenreicher Mineralablagerungen.
Die Wege wurden barrierefrei und rollstuhlgerecht angelegt und ermöglichen es auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität, einen großen Teil des Gebiets zu erkunden. Für das Wegenetz erhielt Hveradalir sogar einen Umweltpreis, da bei der Planung besonderer Wert auf Barrierefreiheit und den Schutz der empfindlichen Geothermielandschaft gelegt wurde.
Entlang des Rundwegs informieren Tafeln über die Geologie, die Geschichte des Ortes und die geothermischen Besonderheiten des Tals. Wer sich Zeit nimmt, erfährt dabei weit mehr als nur die Namen einzelner Quellen und Schlammtöpfe.
Stege durch das Geothermiegebiet Hveradalir auf der HellisheiðiDampfende Schlammtöpfe prägen das Geothermiegebiet Hveradalir nahe Reykjavík.
Schlammbäder noch im Aufbau, aber mit viel Charme
Wer hierherkommt, sollte keine luxuriöse Wellnessanlage erwarten. Das Projekt befindet sich noch im Aufbau und vieles wirkt bewusst unkompliziert. Die derzeitige Umkleide und Dusche ist im Maschinen- und Heizungsraum untergebracht – gleichzeitig entsteht bereits ein neues Umkleidegebäude mit Spinden.
Wer Perfektion sucht, wird hier vielleicht nicht glücklich. Wer jedoch Freude daran hat, ein Projekt in seiner Entstehungsphase zu erleben, dürfte genau das schätzen. Gerade dieser ursprüngliche Charakter macht den Reiz aus. Statt Hochglanz und Perfektion erlebst du einen Ort, der sich noch entwickelt und dessen Geschichte gerade um ein neues Kapitel erweitert wird.
Das ist die Umkleide mit der Dusche
Hier entsteht die neue Umkleide, der Badebetrieb geht während der Bauarbeiten nebenan weiter.
Warum sich ein Stopp lohnt
Vielleicht macht genau das Hveradalir es so besonders. Während vielerorts neue Thermalbäder entstehen, wird hier eine Tradition fortgeführt, die fast ein Jahrhundert zurückreicht. Die Menschen kommen noch immer wegen derselben Dinge hierher: wegen der Wärme aus dem Boden, des Dampfes, des Schlamms und der einzigartigen Atmosphäre dieses geothermischen Tals.
Besucher unterstützen mit ihrer Parkgebühr gleichzeitig ein Familienprojekt, das sich Schritt für Schritt weiterentwickelt. Es wird nur soviel weitergebaut, wie die Finanzen es gerade hergeben. Wer mag, kann die Betreiber zusätzlich unterstützen, indem er Fotos und seine Eindrücke bei Google teilt – das wünschen sie sich.
Wer auf der Ringstraße unterwegs ist und nach einem Ort sucht, der Geschichte, Natur und ein ungewöhnliches Badeerlebnis miteinander verbindet, sollte Skíðaskálinn í Hveradölum nicht einfach links liegen lassen.
SaltyLava-Tipp
Plant nicht nur Zeit für das Schlammbad ein. Das Geothermiegebiet hinter den Becken gehört unbedingt dazu. Nehmt euch Zeit für den Rundweg, lest die Informationstafeln und genießt die dampfende Landschaft. Erst die Kombination aus Geschichte, Geothermiegebiet und Schlammbad macht Skíðaskálinn í Hveradölum zu einem der interessantesten Stopps entlang der Ringstraße auf der Hellisheiði.