Islands Schwimmbadkultur ist jetzt immaterielles UNESCO-Weltkulturerbe! Eine traditionsreiche, warm dampfende Alltagskultur wurde offiziell anerkannt – von Hot Pots bis Whirlpools, von Kindheit bis Seniorenrunde.
Die UNESCO hat den Einreichungsantrag Islands zur Schwimmbadkultur angenommen und offiziell in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Die Entscheidung fiel auf der 20. Sitzung des Zwischenstaatlichen Komitees, die noch bis zum 13. Dezember 2025 in Neu-Delhi, Indien, andauert.
Ein warmes Herzstück des Alltags erhält globalen Status
Damit gehören Islands geothermische Schwimmbäder, Hot Pots, Dampfräume und die besondere soziale Kultur rund ums Baden nun offiziell zum global geschützten immateriellen Kulturerbe.
Eine Tradition, die Island verbindet
Die Schwimmbadkultur in Island ist weit mehr als Sport. Sie ist Treffpunkt, Diskussionsforum, Alltagsritual und generationsübergreifender sozialer Kitt. Sie beschreibt die weitverbreitete Nutzung geothermisch beheizter Freibäder und anderer Badeeinrichtungen in Island. Trotz kalter Außentemperaturen sind diese Orte ganzjährig beliebte Treffpunkte: Sport, Entspannung und gemeinschaftliches Beisammensein stehen im Mittelpunkt. Whirlpools und Hot Pots fungieren häufig als informelle Gesprächsrunden; Familien bringen kleine Kinder mit, Schulschwimmunterricht und Vereinsaktivitäten sichern die Weitergabe der Praxis von Generation zu Generation. Viele Bäder werden von Gemeinden für die Gemeinde betrieben und sind integraler Bestandteil des sozialen Lebens.
Warum die UNESCO Island aufgenommen hat
Die UNESCO hob vor allem hervor:
die einzigartige Rolle der Schwimmbäder als soziale Räume,
die gelebte Gemeinschaftspraxis, die buchstäblich von Generation zu Generation weitergegeben wird,
die Verwurzelung in Islands Geschichte, von mittelalterlichen Badeorten bis zur Schwimmrevolution des frühen 20. Jahrhunderts,
und die Bedeutung für Wohlbefinden, Gesundheit und Identität.
Islands Schwimmbäder – von traditionellen Naturbecken bis hin zu modernen Anlagen – spiegeln kollektive Werte wider: Offenheit, Gleichheit, Teilhabe.
Der lange Weg zur Aufnahme der Poolkultur zum UNESCO-Erbe
Der Aufnahmebeschluss krönt einen mehrjährigen Prozess, der landesweit Menschen, Gemeinden und Institutionen einband. Zur Chronologie:
2013: Der Funke
Das Nationalmuseum von Island und die Universität Reykjavík führten einen Fragebogen zur Schwimmbadkultur durch – über 300 Antworten. Das weckte großes öffentliches Interesse an der Alltagskultur der Bäder.
Frühes 2023: Offizieller Start
Island beginnt, die Schwimmbadkultur ins nationale Inventar einzutragen und parallel die UNESCO-Nominierung vorzubereiten. Von Anfang an wurde ein landesweiter Dialog mit Badegästen, Vereinen, Gemeinden und Organisationen geführt.
April 2023: Erstes Symposium
Ein Symposium im Nationalmuseum widmet sich der Bedeutung des immateriellen Kulturerbes und Island’s Poolkultur. Es wird live gestreamt, die Aufzeichnung online gestellt. Eine große Social-Media-Kampagne folgt.
April 2023 – März 2024: Die große Gesprächsrunde
16 öffentliche Veranstaltungen überall in Island – in Bibliotheken, Kulturzentren und direkt in Schwimmbädern. Ziel: Stimmen, Perspektiven, Wissen sammeln.
Oktober 2023: Premiere eines Kurzfilms
Ein 10-Minuten-Dokumentarfilm wird in Reykjavík vorgestellt. Gäste sind eingeladen, direkt Feedback für die Nominierungsunterlagen zu geben.
Offizieller Film zur Einreichung der Schwimmbadkultur Islands auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO
2023–2024: Landesweite Medienpräsenz
Die isländische Presse begleitet den Prozess intensiv. Das steigert das Verständnis, aber auch den Stolz auf die eigene Kultur.
Breite Unterstützung
Schwimmvereine, Jugendorganisationen, zahlreiche Gemeinden und sogar der Präsident von Island reichen Unterstützungserklärungen ein – insgesamt 53.
Unterstützungserklärung des damaligen Präsidenten Islands, Guðni Th. Jóhannesson und der Gemeinden kann hier abgerufen werden.
Auf der 20. Sitzung des UNESCO-Komitees wird Islands Einreichung bestätigt – und die Schwimmbadkultur offiziell in die repräsentative Liste aufgenommen.
Was die Aufnahme bedeutet
Mit der Anerkennung verpflichtet sich Island, diese lebendige Tradition langfristig zu schützen und weiterzugeben – ohne sie zu musealisieren. Sie bleibt das, was sie immer war: ein lebendiger, inklusiver öffentlicher Raum.
Gleichzeitig rückt die UNESCO-Aufnahme einen Alltagsschatz ins Rampenlicht, den viele Isländer als selbstverständlich betrachten, der aber in der Welt einzigartig ist.
Titelbild: Pool des Hotel Laugarhóll im Bjarnarfjörður / Mirjam Lassak