4 Deutsche mit Duster ins gesperrte Hochland – vermeidbarer Rettungseinsatz?
Vier deutsche Reisende bleiben im verschneiten Mælifellsdalur stecken. Rettungskräfte müssen bei minus 18 Grad ausrücken. Geplant war offenbar die Querung der Hochlandstrecke Kjölur – mitten im Winter.
Wie der isländische Rundfunksender RÚV berichtet, mussten Rettungskräfte am Dienstagabend vier deutschen Reisenden in Mælifellsdalur im Skagafjörður zu Hilfe eilen. Ihr Fahrzeug war im tiefen Schnee stecken geblieben. Offenbar planten die Touristen, auf dem Weg nach Süden den Kjölur-Pass zu überqueren – eine Hochlandroute, die im Winter als unpassierbar gilt.
Im Einsatz waren die Luftrettungsstaffel Varmahlíð sowie die Rettungseinheit aus Sauðárkrókur. Der Notruf erreichte die Einsatzkräfte am Abend, rund zwei Stunden später waren die Reisenden geborgen, das Fahrzeug befreit und die Situation unter Kontrolle. Nach Angaben der Retter waren die Insassen stark durchgefroren, blieben jedoch unverletzt.
Bild: Flugbjörgunarsveitin í Varmahlíð bei RUV
Besonders problematisch: In Mælifellsdalur gibt es keinen Mobilfunkempfang. Um Hilfe rufen zu können, musste ein Teil der Gruppe rund fünf Kilometer durch tiefen Schnee und bei Temperaturen von bis zu minus 18 Grad Celsius laufen, bis eine Verbindung möglich war. Nach dem Notruf wurden sie angewiesen, zum Fahrzeug zurückzukehren, um dort Schutz zu suchen. Insgesamt legten sie etwa zehn Kilometer zu Fuß zurück.
Nach Einschätzung der Rettungskräfte waren die Reisenden erstaunlich weit ins Tal vorgedrungen. Die Strecke gilt bereits im Sommer als einfache Hochlandpiste. Im Winter ist sie faktisch nicht befahrbar – schon gar nicht mit einem normalen Pkw.
Der Vorfall wirft erneut Fragen zur Vorbereitung mancher Winterreisender auf. Die Kjölur ist eine Hochlandroute, die saisonal gesperrt wird. Wer bei winterlichen Bedingungen mit einem herkömmlichen Fahrzeug wie einem Duster ins isländische Hochland aufbricht, setzt nicht nur sich selbst erheblichen Risiken aus, sondern bringt im Ernstfall auch Rettungskräfte in Gefahr. Einsätze bei Dunkelheit, starkem Frost und schwieriger Geländelage sind für freiwillige Helfer keine Routinefahrt, sondern ein reales Sicherheitsrisiko.
Die Rettungsaktion verlief letztlich glimpflich. Doch der Einsatz zeigt einmal mehr, wie schnell aus einer Fehlentscheidung im isländischen Winter eine ernste Lage werden kann.
Das Titelbild ist aus dem Archiv von Salty.Lava, aber nicht am Ort des Geshehens aufgenommen.