Die aktuellen Umsatzdaten für November und Dezember 2025 zeigen eine klare strukturelle Verschiebung innerhalb der isländischen Wirtschaft. Während einige Sektoren kräftig wachsen, geraten andere spürbar unter Druck. Die Teuerungsrate (Inflationsrate) lag im Vergleichszeitraum bei 4,1 Prozent – real fällt das Wachstum in mehreren Bereichen damit deutlich schwächer aus als es nominal erscheint. Das geht aus einer Pressemitteilung des isländischen Statistikamtes Hagstofa hervor.
Größte Gewinner und Verlierer im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt klar: Island befindet sich in einer Phase wirtschaftlicher Neujustierung. Technologie, IT und Automobil gewinnen stark an Dynamik, während traditionelle Exportindustrien und breite Tourismussegmente unter Druck stehen.
Nominal betrachtet wirken viele Werte solide. Real – unter Berücksichtigung der Teuerungsrate (Inflationsrate) von 4,1 Prozent – schrumpfen jedoch einige Branchen bereits oder stagnieren. Die starke Entwicklung im IT-Sektor kompensiert die Schwächen in Metallproduktion und Tourismus nur teilweise.
Top-Gewinner (Umsatzwachstum Nov–Dez 2025)
- Informationstechnologie und Telekommunikation
+62 % (58 → 95 Mrd. ISK)
- Verkauf, Reparatur und Wartung von Kraftfahrzeugen
+42 % (41 → 59 Mrd. ISK)
- Technologie- und IP-Branche (ohne Arzneimittelproduktion)
+34 % (115 → 154 Mrd. ISK)
- Lebensmittelproduktion (ohne Fischverarbeitung)
+13 %
- Baugewerbe
+11 %
Wachstum entsteht aktuell klar im technologiegetriebenen Bereich sowie im Automobilsektor. Klassische Industrie- oder Massensegmente dominieren das Plus nicht.
Größte Verlierer
- Metallproduktion
−19 % (65 → 52 Mrd. ISK)
- Typische Tourismussektoren
−7 % (140 → 131 Mrd. ISK)
- Strom-, Gas- und Wärmeversorgung
−1 %
Besonders die Metallproduktion gerät unter Druck. Auch der Tourismus verliert an Breite – trotz starker Entwicklung einzelner Segmente wie der Kurorte (Lagunen).
IT- und Technologiebereich wächst überdurchschnittlich
Die Technologie- und IP-Branche (ohne Arzneimittelproduktion) steigerte ihren Umsatz von 115 auf 154 Milliarden ISK – ein Plus von 34 Prozent entgegen dem Vorjahreszeitraum. Noch dynamischer entwickelte sich der Bereich Informationstechnologie und Telekommunikation, der von 58 auf 95 Milliarden ISK zulegte. Das entspricht einem Anstieg von 62 Prozent.
Diese Zahlen unterstreichen die wachsende Bedeutung digitaler Infrastruktur, insbesondere von Rechenzentren und datenbasierten Dienstleistungen. Während klassische Industriebranchen stagnieren oder schrumpfen, gewinnt die wissens- und technologiegetriebene Wertschöpfung klar an Gewicht.
Automobilsektor mit starkem Wachstum
Auch der Bereich Verkauf, Reparatur und Wartung von Kraftfahrzeugen entwickelte sich auffällig stark. Der Umsatz stieg von 41 auf 59 Milliarden ISK – ein Plus von 42 Prozent. Der Pkw-Absatz legte dabei sogar um 57 Prozent zu.
Hier zeigt sich eine Nachholeffekt-Dynamik, die möglicherweise auf zuvor verschobene Kaufentscheidungen, veränderte Finanzierungsbedingungen oder eine stärkere Nachfrage nach bestimmten Fahrzeugtypen zurückzuführen ist.
Tourismus verliert an Breite
Die typischen Tourismussektoren verzeichneten einen Umsatzrückgang von 140 auf 131 Milliarden ISK – minus 7 Prozent. Das ist nominal bereits deutlich, real – also unter Berücksichtigung der Teuerungsrate (Inflationsrate) – fällt das Minus noch stärker aus.
Besonders betroffen waren Luftfahrt, Reisebüros und Beherbergung. Das spricht für eine geringere Reisetätigkeit oder sinkende Ausgaben pro Gast. Gleichzeitig zeigt sich innerhalb des Tourismussektors eine Differenzierung: Kurorte entwickelten sich stark positiv, während klassische Reiseinfrastruktur schwächelte. Der Markt verschiebt sich offenbar hin zu höherpreisigen, spezialisierten Angeboten.
Kurorte als Stabilitätsanker im Tourismussektor
Eine klare Ausnahme im rückläufigen Tourismussektor bilden die Kurorte. Ihr Umsatz stieg im Vergleichszeitraum um 56 Prozent – ein außergewöhnlich starkes Wachstum. Das deutet darauf hin, dass sich die Nachfrage stärker in Richtung hochwertiger Wellness-, Spa- und Thermalanlagen verschiebt. Während klassische Reisebestandteile wie Flüge und Pauschalangebote schwächeln, profitieren Kurorte offenbar von einer zahlungskräftigeren Zielgruppe, die gezielt Erholung und exklusive Aufenthalte sucht. Dieses Segment wirkt damit derzeit wie ein Stabilitätsanker innerhalb eines ansonsten unter Druck stehenden Tourismusmarktes in Island.
Metallproduktion deutlich im Minus
Die Metallproduktion sank von 65 auf 52 Milliarden ISK – ein Rückgang um 19 Prozent. Trotz gestiegener Aluminiumpreise wirkten sich rückläufige Exporte und die Aufwertung der isländischen Krone negativ aus.
Auch die Strom-, Gas- und Wärmeversorgung ging leicht um 1 Prozent zurück. Diese Entwicklung ist insofern bemerkenswert, als energieintensive Industrien traditionell eine wichtige Rolle in der Exportstruktur spielen.
Stabile und moderate Entwicklungen
Fischerei und Aquakultur blieben mit 105 Milliarden ISK stabil (0 Prozent Veränderung). Der Großhandel (ohne Kraftfahrzeuge) stieg moderat um 5 Prozent auf 199 Milliarden ISK. Der Einzelhandel legte um 4 Prozent auf 147 Milliarden ISK zu und bewegte sich damit weitgehend im Rahmen der Preisentwicklung.
Das Baugewerbe wuchs von 121 auf 135 Milliarden ISK (+11 Prozent), während Immobiliengeschäfte mit 1 Prozent Zuwachs nahezu stabil blieben.
Ausblick
Für 2026 wird entscheidend sein, ob sich der Tourismussektor stabilisieren kann und ob die Exportindustrien wieder an Dynamik gewinnen. Gleichzeitig dürfte der Ausbau digitaler Infrastruktur Islands wirtschaftliche Struktur langfristig weiter verändern.
Weitere Wirtschaftsnachrichten zur aktuellen Entwicklung in Island findest du regelmäßig hier auf der Website.
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