Die isländische Industrie- und Handelsministerin Hanna Katrín Friðriksson hält weiterhin daran fest, dass der kommerzielle Walfang in Island beendet werden sollte. Ein entsprechender Gesetzentwurf wird jedoch – entgegen früheren Ankündigungen – in dieser Sitzungsperiode nicht mehr vorgelegt. Das Thema sei komplex und erfordere sorgfältige rechtliche Prüfung, betont die Ministerin.
Nach dem starken öffentlichen Druck im vergangenen Jahr hatte die damalige Regierungschefin Katrín Jakobsdóttir eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese sollte den gesetzlichen Rahmen des Walfangs überprüfen und einen Bericht vorlegen, der die Grundlage für die zukünftige Organisation der Branche bilden sollte. Der Bericht wurde während der Koalitionsverhandlungen eingereicht und im Mai vom Ministerium auf dem Konsultationsportal veröffentlicht. Geplant war, dass ein Gesetzentwurf entweder in der laufenden oder kommenden Legislaturperiode ins Parlament eingebracht wird. Bislang fehlt er jedoch auf der Tagesordnung – das Thema liegt vorerst auf Eis.
„Nach aktuellem Stand gehen wir davon aus, dass es im nächsten Herbst so weit sein wird“, sagt Hanna Katrín Visir. Viele Regelungen müssten an Tierschutz- und weitere Standards angepasst werden. In einem großen Ministerium lasse sich nicht alles gleichzeitig erledigen – der Prozess sei erst am Anfang.
Für zusätzliche Komplexität sorgt eine Entscheidung des früheren Ministers Bjarni Benediktsson: Kurz vor dem Regierungswechsel im vergangenen Dezember erteilte er Hval hf. eine fünfjährige Fanglizenz. Ob dem Unternehmen Entschädigungen zustehen könnten, falls der Walfang gesetzlich verboten wird, ist derzeit unklar.
Hanna Katrín gehört seit Jahren zu den politischen Gegnern des Walfangs. Bereits in der Opposition erklärte sie, keine der drei Säulen der Nachhaltigkeit – weder ökonomisch noch sozial oder ökologisch – rechtfertige die Fortführung der Jagd. „Vielleicht ist es an der Zeit, die Interessen der Isländer und nicht die von Hval hf. zu berücksichtigen“, sagte sie damals.
An ihrer Haltung hat sich nichts geändert: „Diese Branche schafft keinen volkswirtschaftlichen Mehrwert, der ihre negativen Auswirkungen aufwiegt“, so die Ministerin. Gleichzeitig betont sie, dass die Arbeit der Beschäftigten in diesem Sektor Anerkennung verdiene – unabhängig davon, wie die politische Entscheidung am Ende ausfalle.
Titelfoto: Walfangschiff von Hval hv. am Steg im Hvalfjördur / Mirjam Lassak
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