Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Universität Island hat neue Erkenntnisse über die vulkanische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes veröffentlicht. Die Studie zeigt, wie Erdbeben, Grabenbildung und Magmabewegungen an der tektonischen Plattengrenze Islands miteinander verknüpft sind. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht.
An der Studie beteiligt waren von der Universität Island Þorvaldur Þórðarson, Professor für Vulkanologie und Petrologie, Gregory De Pascale, außerordentlicher Professor für Strukturgeologie, und Halldór Geirsson, Professor für Vulkanologie. Die Forschung entstand in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Tschechien, Frankreich und den USA.
Grundlage der Untersuchung waren umfangreiche Messdaten aus den Jahren 2021 bis 2025. Mithilfe von Erdbebenaufzeichnungen, GPS-Messungen, Satellitendaten und Feldbeobachtungen konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, wie sich die Erdkruste auf Reykjanes innerhalb weniger Jahre um fast vier Meter ausdehnte.
Besonders bemerkenswert ist laut den Forschern die Reihenfolge der geologischen Prozesse. Demnach traten während der größten Unruhephase zunächst sogenannte Blattverschiebungsbeben auf, bei denen sich die tektonischen Platten horizontal gegeneinander bewegen. Erst anschließend kam es zu einer stärkeren Dehnung der Erdkruste, die wiederum großflächige Brüche und Bodensenkungen verursachte. Dies sei der bislang deutlichste Hinweis darauf, dass solche Erdbeben die spätere Grabenbildung auslösen können.
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass die Erdbebenschwärme im Verlauf der jüngsten Aktivitätsphase schwächer wurden und die Vorwarnzeiten vor Ausbrüchen immer kürzer ausfielen. Die Forscher führen dies darauf zurück, dass das Magma durch bereits bestehende Bruchsysteme zunehmend leichter zur Oberfläche aufsteigen konnte. Der stärkste Erdbebenschwarm wurde 2021 vor dem Ausbruch im Gebiet Geldingadalir registriert.
Im Herbst 2023 verlagerte sich die Aktivität in das Gebiet um Svartsengi und Grindavík. Dort wurde mit bis zu 2,5 Metern die größte Krustenausdehnung der gesamten Unruhephase gemessen. Dabei wurden sowohl die Sundhnúkur-Kraterreihe als auch das Verwerfungssystem von Grindavík erneut aktiviert.
Nach Einschätzung der Forscher bleibt die langfristige Bewegung der tektonischen Platten die wichtigste Ursache für die anhaltende Aktivität auf Reykjanes. Die neuen Erkenntnisse könnten künftig dabei helfen, Vulkanausbrüche und Erdbeben besser einzuschätzen und Gefahren für die Bevölkerung frühzeitiger zu erkennen.
Der vollständige Artikel kann hier abgerufen werden.
Titelfoto: Fließende Lava im Juli 2025 an den Sundhnukagigar / Mirjam Lassak
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