Unter dem Vulkansystem Svartsengi baut sich weiterhin Magma auf – das Ausbruchsrisiko wächst. Neue Modellrechnungen zeigen, wie viel Magma seit Juli hinzukam und warum der nächste Ausbruch schwer zu prognostizieren ist.
Konstante Magmaakkumulation unter Svartsengi
Das Isländische Wetteramt hat seine aktuelle Einschätzung zur vulkanischen Aktivität auf der Reykjanes-Halbinsel veröffentlicht. Demnach setzt sich die Magmaansammlung unter dem Vulkansystem Svartsengi fort – in den vergangenen zwei Wochen mit einer konstanten Akkumulationsrate. Seit dem letzten Ausbruch im Juli kamen nach Modellberechnungen rund 16 bis 17 Millionen Kubikmeter Magma hinzu.
Zum Vergleich: Beim Ausbruch vom 16. Juli flossen etwa 11–13 Millionen Kubikmeter Magma aus Svartsengi in die Sundhnúk-Kraterreihe. Sobald ein ähnliches Volumen erneut aufgebaut ist, steigt das Risiko eines neuen Magmaflusses deutlich an – ein Muster, das die jüngsten Ereignisse mehrfach bestätigt haben.
Phase erhöhter Ausbruchsgefahr dauert an
Bereits Anfang Oktober erreichten die Modelle erneut rund 11 Millionen Kubikmeter Magma – ein Schwellenwert, ab dem das Wetteramt von einer Phase erhöhter Wahrscheinlichkeit für Magmafluss und Ausbruch ausgeht. Diese Phase setzt sich weiterhin fort und intensiviert sich mit der fortschreitenden Magmazufuhr.
Langsame Akkumulation erschwert die Prognose
Aktuell wird der Magmazufluss unter Svartsengi auf etwa 1 Kubikmeter pro Sekunde geschätzt. Allerdings zeigt sich, dass die Zuflussrate mit jedem Ausbruch abgenommen hat. Eine langsamere Akkumulation erhöht die Unsicherheit erheblich: Bereits geringe Veränderungen der Rate können den Zeitpunkt des nächsten möglichen Ausbruchs um Wochen verschieben.
Daher lässt sich ein Ausbruch derzeit nur mit einem groben Zeitfenster von „in einigen Monaten“ angeben. Die aktuelle Phase der Magmaakkumulation könnte sich entsprechend weiter verlängern.
Modellrechnungen deuten auf Februar 2026
Seit Beginn der Sundhnúk-Ausbruchsserie im März 2024 lag das durchschnittliche Magmavolumen der Ausbrüche bei rund 21–23 Millionen Kubikmetern. Sollte die derzeitige Rate stabil bleiben, könnte dieses Volumen Anfang Februar 2026 erreicht werden. Das Wetteramt veröffentlichte dazu eine Grafik, die die bisherige Entwicklung sowie die prognostizierten Werte zeigt. Grundlage der Berechnungen ist das Modell „Mogi“.
Die Grafik des Wetteramtes zeigt die Magmaakkumulation unter Svartsengi (4 km Tiefe) seit 17. Juli 2025. Schwarze Punkte: tägliche Modellwerte, schattierter Bereich: Prognose bei konstanter Akkumulationsrate, gelber Bereich: Volumengrenzen mit erhöhtem Ausbruchsrisiko. Modell „Mogi“.
Seismische Aktivität bleibt gering
Trotz der Magmaakkumulation bleibt die seismische Aktivität im Gebiet vergleichsweise niedrig. In Svartsengi und Grindavík werden weiterhin nur wenige schwache Beben gemessen. Auch in Krýsuvík geht die Aktivität zurück, und die Bodenabsenkung kommt weitgehend zum Stillstand.
Risikokarte bleibt bis zum 9. Dezember bestehen
Die aktualisierte Gefahrenkarte bleibt bis zur nächsten wissenschaftlichen Konsultation am 9. Dezember unverändert. Zwei grafische Anpassungen wurden vorgenommen: Die Beobachtungsgebiete tragen nun Ortsnamen statt Nummern, und ihre Grenzen sind gestrichelt dargestellt.
Auf der Karte der „Ausgewählten Beobachtungsgebiete“ werden nun Ortsnamen statt Nummern verwendet, und die Gebiete sind mit gestrichelten Linien statt durchgezogener Linien markiert.
Das Wetteramt betont, dass die Lage weiterhin engmaschig überwacht wird und bei veränderter Aktivität kurzfristige Neubewertungen erfolgen.
Titelbild: Lavafeld des letzten Vulkanausbruches im Juli 2025 / Mirjam Lassak