Im Süden Islands, nahe Hlíðarendakot, liegt ein kleiner Waldhain, der dem Dichter und Schriftsteller Þorsteinn Erlingsson gewidmet ist. Der Park wurde 1958 eingeweiht – genau hundert Jahre nach seiner Geburt – und zählt heute zu den stillen, fast vergessenen Orten der Region.

Am Eingang des gepflegten Waldstücks steht eine Statue Erlingssons. Sie wurde 1958 von Nína Sæmundsson enthüllt, der ersten akademisch ausgebildeten Bildhauerin Islands. Das Werk stammt aus Nikulásarhús und erinnert an einen Autor, der die isländische Literatur nachhaltig geprägt hat.

Þorsteinn Erlingsson wurde am 27. September 1858 in Stóra-Mörk geboren. Aufgrund der Armut seiner Familie wuchs er bei seiner Großmutter auf dem Hof Hlíðarendakot auf. Die Landschaft und das einfache Leben dieser Jahre spiegeln sich später deutlich in seinen Texten wider.
Sein dichterisches Talent wurde früh erkannt. Er besuchte eine Schule in Reykjavík und ging anschließend nach Kopenhagen, um Jura zu studieren. Das Studium brach er jedoch ab und widmete sich ganz der Literatur, ergänzt durch Arbeit als Aushilfslehrer.
Finanzielle Not prägte sein Leben dauerhaft. Die Erfahrung von Armut beeinflusste sowohl seine Gesundheit als auch seine politische Haltung. Erlingsson wandte sich dem Sozialismus zu, war überzeugter Atheist und zugleich tief mit Natur und isländischer Tradition verbunden. Dieses Spannungsfeld findet sich in vielen seiner Gedichte wieder.
Nach zwölf Jahren in Kopenhagen kehrte er nach Island zurück und arbeitete als Redakteur für mehrere Zeitungen. Er starb im Alter von 56 Jahren in Reykjavík. Ein weiteres Denkmal erinnert dort im Park Klambratún an ihn.

Idylle und Ruhe pur
Þorsteinslundur ist heute vor allem ein Ort der Ruhe. Durch seine geschützte Lage herrscht hier oft überraschend mildes Wetter. Familien kommen zum Picknick, Kinder spielen im Bachlauf, Wanderer gehen hinauf zum Wasserfall Drifandi.


Westlich davon liegt die kleine Höhle Gluggahellir. Wer durch die sogenannte Fensterhöhle klettert, steigt auf der anderen Seite wieder ins Freie – ein kurzer, spielerischer Abstecher, besonders beliebt bei Kindern.




Der Wald gilt als Rückzugsort – auch in der isländischen Folklore. Wer hier unterwegs ist, sollte respektvoll bleiben. Manche sagen, auch Elfen hätten diesen Ort für sich entdeckt. Mit etwas Glück lässt sich sogar ein versteckter Geocache finden.


Wie kommst du hin?
Þorsteinslundur liegt am Fljótshlíðarvegur, der Straße 261, rund 20 Kilometer von Hvolsvöllur entfernt. Wenige Kilometer weiter geht die Straße in die F261 (Emstruleið) über. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Wasserfall Gluggafoss.


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