Die nordisländische Gemeinde Tjörneshreppur arbeitet an der Überarbeitung ihres Flächennutzungsplans. Der Entwurf liegt aktuell zur öffentlichen Einsichtnahme aus. Tjörneshreppur umfasst rund 199 km² und erstreckt sich über etwa 30 Kilometer Küste. Eine geschlossene Ortschaft mit eigenem Ortszentrum gibt es nicht. Die wichtigsten Dienstleistungen nutzen die Einwohner in Húsavík.
Tourismus soll gezielt ausgebaut werden
Der Tourismus hat in Tjörneshreppur in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Der neue Plan sieht deshalb vor, einige ausgewählte und besonders interessante Orte gezielt weiterzuentwickeln, statt touristische Infrastruktur über die gesamte Halbinsel zu verteilen.
Zu den genannten Zielen gehören unter anderem Voladalstorfa, Hallbjarnarstaðakambur, die Küste bei Skeifá, Höfðagerðissandur, Héðinshöfði, Lundey, Mánárbakki, Skeifárfoss, Tungulending und Sólvangur.
Bei der touristischen Entwicklung sollen Natur- und Kulturdenkmäler genutzt werden, ohne sie durch die zunehmende Besucherzahl zu beeinträchtigen. An touristischen Zielen können unter anderem Parkplätze, Informationstafeln, Wanderwege sowie Sitz- und Toilettenanlagen vorgesehen werden.
Mánárbakki: Museum, Dienstleistungen und Camping
Der Standort Mánárbakki bleibt der touristische Hauptknotenpunkt der Halbinsel. Hier befinden sich das Heimat- und Freilichtmuseum sowie der etablierte Campingplatz. Der Plan unterstützt den Erhalt und die geordnete Weiterentwicklung dieses Standorts.
Der neue Plan schafft zusätzliche Möglichkeiten für Gastronomie sowie für die Produktion und den Verkauf von Kunsthandwerk und anderen handwerklichen Produkten. Mit der erwarteten Entwicklung des Tourismus soll auch das Angebot an Dienstleistungen und Einkaufsmöglichkeiten am Mánárbakki gestärkt werden.
Sólvangur: Camping, Gemeinschaftshaus und touristischer Standort
Sólvangur bei Hallbjarnarstaðir ist das Gemeinschaftshaus der Gemeinde und bietet Raum für Versammlungen und Veranstaltungen. Der Plan soll eine vielseitigere Nutzung des Standorts ermöglichen. Das bisher als Handels- und Dienstleistungsfläche ausgewiesene Gebiet wird künftig als Freizeit- und Tourismusgebiet geführt. Damit soll Sólvangur stärker in die touristische Infrastruktur eingebunden werden.
Außerdem ein rund 0,8 Hektar großes Campingareal vorgesehen. Geplant sind Sanitäranlagen und die notwendige Infrastruktur. Der Campingplatz soll an die Wanderwege der Umgebung angebunden werden, ergänzt durch Beschilderungen und Informationen zu interessanten Zielen.
Eine weitere geplante Wanderverbindung soll von Tungulending oder Sólvangur entlang der Küste bis nach Mánárbakki führen. Dabei soll der Weg insbesondere Natur- und Kulturdenkmäler der Region erschließen.
Demografie, Besiedlung und Wohnungsbau
Die Gemeinde Tjörneshreppur erstreckt sich über ca. 199 km² entlang eines rund 30 km langen Küstenstreifens zwischen Héðinshöfði und Mánár am Rauðsgjá. Es gibt in Tjörneshreppur keine geschlossene Ortschaft und kein Ortszentrum; die Versorgung (Schule, Verwaltung, Gesundheitswesen) erfolgt über das nahegelegene Húsavík.
Nachdem die Einwohnerzahl von 73 Personen (Jahr 2000) auf 52 Personen (Jahr 2024) gesunken ist, hat sich die Lage in den letzten Jahren stabilisiert. Der neue Wohnungsplan rechnet mit einem moderaten Zuwachs von etwa 2 bis 5 Personen in den nächsten 5 bis 10 Jahren.
Um neuen Wohnraum zu ermöglichen, gelten folgende klare Regeln:
- Entkopplung von der Landwirtschaft: Neue Wohnhäuser müssen nicht mehr zwingend an einen landwirtschaftlichen Betrieb gebunden sein. Sie sollen primär im Nahbereich bestehender Hofstellen errichtet werden, um eine Zersiedlung der Landschaft zu verhindern.
- Freizeit- und Sommerhäuser: Auf bestehenden Grundstücken/Ländereien dürfen maximal bis zu 3 Freizeit- bzw. Sommerhäuser ausgewiesen werden, sofern dadurch keine wertvollen Landwirtschaftsflächen oder geschützten Naturräume beeinträchtigt werden.
Schutz von Geologie, Vogelwelt und unberührter Natur
Tjörnes ist geologisch von weltweiter Bedeutung. Die Gesteinsschichten enthalten seltene Fossilien- und Sedimentablagerungen, die Klimaveränderungen über Millionen Jahre hinweg dokumentieren.
- Naturschutz & Fossilienschutz: Die fossilienreichen Steilküsten an der Westküste (u. a. Tjörneslögin, Voladalstorfa) sowie geologische Formationen wie der Wasserfall Skeifárfoss stehen unter besonderem Gebietsschutz (Hverfisvernd). Fossiliensammeln und störende Eingriffe in diese Klippen sind untersagt.
- Vogelschutzgebiete: Die vorgelagerten Inseln Lundey und Mánáreyjar sind schutzwürdige Lebensräume für Seevögel (u. a. Papageientaucher) und bleiben als reine Schutzzonen ausgewiesen.
- Unberührte Wildnis: Das bergige Hinterland im Südosten rund um den Búrfell wird als unberührte Naturzone eingestuft. Hier dürfen keine Straßen, Bauten oder Masten errichtet werden, um die Weite, Stille und Urwüchsigkeit der Landschaft zu erhalten.
Anpassung an Naturgefahren und Klimawandel
Ein zentraler Bestandteil des neuen Plans ist der Umgang mit Risiken:
- Erdbebenrisiko: Tjörnes liegt direkt an einer aktiven tektonischen Störungszone. Der Plan verpflichtet bei allen neuen Bauvorhaben zur Berücksichtigung von Erdbebensicherheit und Baugrunduntersuchungen.
- Erosion und Hangrutsche: Durch den Meeresspiegelanstieg und verstärkte Stürme sind Teile der Steilküste von starker Küstenerosion betroffen. Bauten dürfen nur mit ausreichendem Sicherheitsabstand zur Klippenkante errichtet werden. Zudem werden steile Hangbereiche bezüglich Erdrutsch- und Lawinengefahr neu bewertet.
Infrastruktur: Straßen, Energie und Kommunikation
Erneuerbare Energien: Die Errichtung großer Windkraftanlagen oder industrieller Wasserkraftwerke ist im gesamten Gemeindegebiet nicht vorgesehen. Lediglich Kleinstanlagen zur Eigenversorgung von Höfen sind unter Auflagen denkbar.
Straßennetz: Die Küstenstraße Tjörnesvegur (Nr. 85) ist die Lebensader der Gemeinde. Der Plan betont den streckenweisen Ausbau, die Erhöhung der Verkehrssicherheit und die Verbesserung des Winterschienendienstes. Neue Zufahrten an die Hauptstraße werden streng reglementiert.
Energie & Versorgungsleitungen: Der Plan legt fest, dass neue Strom- und Kommunikationsleitungen bevorzugt als Erdkabel verlegt werden müssen, um das Landschaftsbild nicht durch Oberleitungen zu beeinträchtigen.
Stellungnahmen bis 1. Oktober möglich
Der neue Flächennutzungsplan befindet sich derzeit noch im Entwurfsstadium. Die öffentliche Beteiligung läuft bis zum 1. Oktober 2026. Bis dahin können Einwohner, Behörden und andere Interessierte Stellungnahmen zum Entwurf im Planungsportal abgeben. Anschließend wird der Plan unter Berücksichtigung der eingegangenen Rückmeldungen weiterbearbeitet und durchläuft das weitere Genehmigungsverfahren.
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