Seyðisfjörður im Osten von Island steht erneut im Fokus der Diskussion um die Auswirkungen des Kreuzfahrttourismus. Beschwerden über Lärm und sichtbare Luftverschmutzung haben die Gemeinde Múlaþing nun zum Handeln veranlasst.
Messgeräte vor Beginn der Saison geplant
Noch vor Beginn der Kreuzfahrtsaison im Mai sollen in Seyðisfjörður Geräte zur Messung von Lärm und Luftverschmutzung installiert werden. Ziel ist es, endlich belastbare und kontinuierliche Daten zur tatsächlichen Belastung durch Kreuzfahrtschiffe zu erhalten.
Der Vorstoß geht auf Ásrún Mjöll Stefánsdóttir zurück, Gemeinderätin in Múlaþing und Bewohnerin von Seyðisfjörður. Sie brachte das Thema in den Umwelt- und Entwicklungsrat ein und forderte konkrete Maßnahmen. „Es liegt im Interesse aller, aussagekräftige und genaue Informationen über die Luftqualität in Häfen mit hohem Schiffsverkehr zu erhalten“, erklärte sie gegenüber dem Branchenportal Fiskifréttir.
Wiederholte Belästigungen für Anwohner
Laut Stefánsdóttir habe der Einsatz von Bordlautsprechern wiederholt zu Unannehmlichkeiten für Anwohner geführt. Auch das Erlebnis von Touristen und Besuchern werde dadurch beeinträchtigt. Kreuzfahrtschiffe kämen nach Island, um Natur und Ruhe zu erleben. Diese Qualitäten müssten geschützt werden. Lärmbelastung könne zudem die öffentliche Gesundheit beeinträchtigen und die Lebensqualität in Hafennähe mindern.
„Partys über Lautsprecher am Pier“
Besonders kritisch sieht die Gemeinderätin die Nutzung der Lautsprecheranlagen auf den Schiffen. Diese würden teils ohne erkennbare Zurückhaltung eingesetzt. Nach ihren Angaben würden sogar Partys über die Lautsprecher am Pier veranstaltet. Zudem kämen Durchsagen – teils in fremden Sprachen – über den gesamten Fjord an. Aufgrund der engen und häufig windstillen Lage von Seyðisfjörður breite sich der Schall weit aus.
Unregelmäßige Messungen in der Vergangenheit
Ein begleitendes Memorandum hält fest, dass Luftqualitätsmessungen in den Häfen von Múlaþing in den vergangenen Jahren nur unregelmäßig durchgeführt wurden. Zudem seien frühere Messungen nicht immer zu optimalen Zeitpunkten erfolgt. Die Installation fester Messgeräte gilt als technisch unkompliziert und vergleichsweise kostengünstig.
Bestehende Lärmschutzverordnung anwenden
Laut dem Memorandum kann die Hafenbehörde Regeln zur Lärmbelästigung festlegen. Am sinnvollsten wäre es, die bestehende Lärmschutzverordnung konsequent anzuwenden, die auch Strafbestimmungen enthält, und diese der Kreuzfahrtbranche mit klarer Empfehlung vorzulegen.
Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass es Zielkonflikte geben kann – etwa wenn maritime Sicherheitsvorschriften den Einsatz von Nebelhörnern oder Übungssignalen vorschreiben.
Die Debatte zeigt erneut, wie sensibel das Thema Kreuzfahrttourismus in Island geworden ist. Während wirtschaftliche Impulse willkommen sind, wächst zugleich der Druck, Umwelt und Lebensqualität in kleinen Orten wie Seyðisfjörður zu schützen.
Mit der geplanten Installation von Messgeräten schafft Múlaþing zunächst eine Datengrundlage. Auf Basis dieser Ergebnisse dürfte entschieden werden, ob strengere Vorgaben für Kreuzfahrtschiffe folgen.
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