Die Regionalentwicklungsagentur Vestfjarðastofa veröffentlichte im Januar 2026 die Studie „Verteidigungsinfrastruktur in den Westfjorden im Lichte ziviler Bedürfnisse“. Sie untersucht, wie sich zivile Infrastruktur und Projekte mit Verteidigungswert verbinden lassen, damit wichtige Einrichtungen auch bei Spannungen oder Konflikten funktionieren. Verfasst wurde die Studie von der Sicherheits- und Verteidigungswissenschaftlerin Brynja Huld Óskarsdóttir, Aðalsteinn Óskarsson, Bereichsleiter Regionalentwicklung bei Vestfjarðastofa, und Gylfi Ólafsson, Bürgermeister von Ísafjarðarbær und Vorstandsvorsitzender der Agentur.
Seminar zu Infrastruktur und Resilienz
Am 12. Oktober 2026 berichtete der Fortschrittsverein der Westfjorde über ein gemeinsam mit Vestfjarðastofa veranstaltetes Seminar in der Harpa: „Infrastruktur mit doppelter Nutzung und Resilienz in der Arktis“. Es fand im Rahmen der jährlichen Arctic-Circle-Versammlung statt, die vom 8. bis 10. Oktober 2026 als größtes internationales Arktis-Treffen in der Harpa ausgerichtet wurde. Der Arctic Circle ist ein gemeinnütziges, überparteiliches Netzwerk für internationalen Dialog und Zusammenarbeit zur Zukunft der Arktis.
Zu Beginn sprach Gylfi Ólafsson, Bürgermeister von Ísafjarðarbær und Vorstandsvorsitzender von Vestfjarðastofa. Die Westfjorde seien dünn besiedelt, ihre Bewohner hätten aber dieselben Ansprüche an eine zuverlässige Infrastruktur wie der Rest des Landes. Gleichzeitig habe sich die Bedeutung der Arktis für Sicherheit und Verteidigung deutlich verändert.
Vestfjarðastofa untersuchte deshalb, wie die traditionellen Infrastrukturbedürfnisse der Region in das veränderte Sicherheitsumfeld passen. Brynja Huld Óskarsdóttir, gebürtig aus Ísafjörður und für die NATO-Generalversammlung tätig, sollte diese Bedürfnisse international einordnen.
Ziel sei kein besonderer militärischer Aufmarsch, sondern Infrastruktur, die die Westfjorde ohnehin benötigen und die zugleich die Widerstandsfähigkeit Islands stärkt.
Die zehn höchstbewerteten Infrastrukturprojekte
Die Studie bewertet Vorhaben nach Kosten, zivilem Nutzen, Verteidigungswert und Umsetzbarkeit mit jeweils 1 bis 3 Punkten. Die Liste umfasst nur Projekte mit dringendem Verbesserungsbedarf und sowohl ziviler als auch verteidigungsbezogener Bedeutung. Die Kosten sind nicht exakt kalkuliert; die Einschätzung des zivilen und militärischen Nutzens stammt von den Autoren.
- Ausrüstung der Rettungsteams: 12 Punkte
- Mobilfunk an den Straßen: 11 Punkte
- Erneuerung des Glasfaserrings: 10 Punkte
- Hvalá-Kraftwerk einschließlich Anschluss: 10 Punkte
- Flughafenunterhalt: 10 Punkte
- Navigationsinfrastruktur für Luft- und Schifffahrt: 9 Punkte
- Verdopplung der Westleitung (Vesturlína): 9 Punkte
- Tunnel: 8 Punkte
- Bíldudalsvegur: 7 Punkte
- Innstrandavegur: 7 Punkte
Rettungsteams: Ausrüstung und Gebäude
Bei großen Katastrophen waren die Rettungsteams laut Studie in den vergangenen Jahrzehnten an nahezu allen Aufgaben der Grundversorgung beteiligt: von der Verteilung von Lebensmitteln und Ausrüstung bis zur Behandlung und zum Transport Verletzter. Sie arbeiten mit den gesetzlich zuständigen Katastrophenschutzstellen zusammen. Landsbjörg verzeichnet 20 Einheiten in den Westfjorden.
Der Staat finanziert einen großen Teil der laufenden Erneuerung der Rettungsschiffflotte. Fahrzeuge, Schneefahrzeuge und andere Anschaffungen müssen die Einheiten hingegen selbst finanzieren. Viele Gemeinden unterstützen sie mit Zuschüssen und Steuererleichterungen.
Die Studie hält zusätzliche staatliche Unterstützung für Ausrüstung und Gebäude für sinnvoll. Gut ausgestattete Teams könnten ihre freiwillige Arbeit stärker für Training statt für Spendensammeln einsetzen. Gebäude könnten zudem Vorräte lagern und kleineren Spezialeinheiten oder Verteidigungskräften als Notunterkunft dienen. Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir schrieb in Vísir, die Sicherheit Islands beginne zu Hause.
Auch beim Seminar hob Gylfi die Bedeutung der überwiegend ehrenamtlichen Teams hervor, die wichtige Ausrüstung durch Spenden von Unternehmen und Bevölkerung finanzieren. Das im Vorjahr in Ísafjörður eingetroffene Rettungsboot wurde von der Gemeinde bezahlt. Eine staatliche Investition in die Rettungskräfte wäre laut Gylfi ein Beispiel für echte Doppelnutzung: Die Ausrüstung hilft im Alltag und kann bei schweren Krisen entscheidend sein.
Mobilfunk und Notfunk
Die Mobilfunkabdeckung entlang der Hauptstraßen der Westfjorde ist lückenhaft. Auch der Notfunk der Einsatzkräfte, das Tetra-System, verfügt über zu wenige Sender. Analysen und Prioritäten finden sich in Memoranden der Fernmeldebehörde Fjarskiptastofa und im Fernmeldeplan der Westfjorde.
Die Regierung legte in der ersten Hälfte 2023 gemeinsam mit der Neuvergabe der 2G- und 3G-Frequenzen einen Ausbauplan vor. Telekommunikationsunternehmen sollten den Ausbau zusammen mit Öryggisfjarskipti ehf. bis 2026 abschließen. Wegen fehlender Mittel für den Anteil von Öryggisfjarskipti verzögert sich das Projekt jedoch um zwei bis drei Jahre. Ein überarbeiteter Plan wird auf Grundlage von Vorschlägen der Fjarskiptastofa erarbeitet. Der Entwurf des Verkehrsplans 2026–2040 betont ebenfalls den Mobilfunkausbau auf Haupt- und wichtigen Verbindungsstraßen.
Laut einer Antwort des Infrastrukturministers auf eine Anfrage von María Rut Kristinsdóttir kostet eine Abdeckung mit 10 Mbit/s auf Straßen der Kategorien A bis D landesweit rund 850 Millionen Kronen, davon etwa 450 Millionen in den Westfjorden.
Glasfaser: Ein alternder Ring
Das Glasfaserkabel zwischen Staðarskáli und Súðavík wurde 2013 verlegt und 2014 angeschlossen. Zusammen mit dem sogenannten NATO-Kabel von 1986 zwischen Búðardalur und der Radarstation auf dem Bolafjall bildet es einen Glasfaserring. Ein Teil der Fasern des NATO-Kabels wird zivil genutzt. Laut Studie beträgt die Lebensdauer von Glasfaserkabeln etwa 20 Jahre; das NATO-Kabel ist inzwischen fast 40 Jahre alt.
Zwischen Súðavík und Ísafjörður besteht ein Kabel mit begrenzter Kapazität, das die Zuverlässigkeit des Rings beeinträchtigt. Beim Bau des Stromkabels für die entstehende Kalkalgenfabrik in Súðavík wird neue Glasfaser verlegt. Im Februar 2025 beschloss die Regierung außerdem, eine satellitengestützte Ausweichverbindung für grundlegende Infrastruktur zu finanzieren, falls die Glasfaserverbindung ins Ausland vollständig ausfällt.
Laut einer Karte von Míla führen einfache Kabelstränge vom Ring unter anderem nach Patreksfjörður, Flateyri, Suðureyri und Bolungarvík. Suðureyri und Bolungarvík haben die längsten einfachen Abschnitte.
Hvalá-Kraftwerk: Mehr Energiesicherheit
Das geplante Hvalá-Kraftwerk soll Lastspitzen abdecken und mit einem großen Wasserspeicher die Stromversorgung unabhängiger von Erzeugung und Transport aus anderen Landesteilen machen. Das Projekt steht seit 2013 im Rahmenplan: zunächst mit 35 MW, seit der Neuplanung 2017 mit 55 MW und 320 GWh. Der Speicher ermöglicht eine Stromproduktion im Winter. Die Leistung entspricht dem Energiebedarf von Wirtschaft und Gemeinden für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Damit könnten die Westfjorde zumindest kurzfristig stromautark werden und als vom isländischen Hauptübertragungsnetz getrennte Strominsel funktionieren. Hvalá liegt zudem außerhalb eines vulkanisch aktiven Gebiets.
Die Stromerzeugung in den Westfjorden deckt bislang durchschnittlich etwa ein Drittel des Bedarfs. Der Anteil der Prioritätsenergie ist wegen der verbreiteten elektrischen Heizung hoch. Bei Störungen im Übertragungsnetz sichern Notstromanlagen in allen Ortskernen zusammen rund 30 MW; hinzu kommen etwa 15 MW bestehender Wasserkraft.
Landsnet zufolge verbessert sich die Netzstärke nur durch Kraftwerke mit mindestens 25 MW Leistung. Hvalá ist die einzige entsprechende Option im Rahmenplan. Kraftwerk und Netzanschluss könnten laut Landsnet die Liefergüte um 90 Prozent verbessern und die Übertragungskapazität in die Westfjorde von gut 50 auf etwa 150 MW erhöhen.
Zusammen mit dem Ausbau des Übertragungsnetzes und zusätzlichen Ringverbindungen könnte Hvalá die Notwendigkeit von Notstromanlagen in jedem Ortskern verringern. Ob diese vollständig entfallen oder teilweise erhalten bleiben, ist offen. Dafür müssten Risiken und Auswirkungen auf die Ölvorräte von Orkubú Vestfjarða und Landsnet geprüft werden.
Eine große Hürde ist die Anschlussgebühr an Landsnet, die laut öffentlichen Berichten 6 bis 7 Milliarden Kronen beträgt. Die Studie nennt zwei Möglichkeiten: Landsnet senkt die Gebühr, weil andernfalls andere Maßnahmen zur Versorgungssicherheit nötig wären, oder der Staat subventioniert den Anschluss. Gegen Kritik wegen unzulässiger Staatsbeihilfen ließen sich die gesamtwirtschaftliche Bedeutung und die höhere Resilienz anführen. Zusätzlich sind Verbesserungen und Neubauten an der Strandavegur nach Árneshreppur erforderlich.
Gylfi betonte beim Seminar, die Bevölkerung fordere seit Langem mehr Stromerzeugung in der Region. Eine stärkere Versorgung würde die Abhängigkeit vom Stromtransport reduzieren. Projekte mit doppeltem Nutzen sollten deshalb nicht auf neue Verteidigungsbauten beschränkt bleiben, sondern auch langjährige Wünsche von Einwohnern und Unternehmen voranbringen.
Flughäfen: Unterhalt und Navigationsausrüstung
Linienverkehr gibt es in Ísafjörður, Bíldudalur und Gjögur. Die Flugplätze in Patreksfjörður, Holt im Önundarfjörður und Suðureyri wurden aufgegeben. Landeplätze bestehen in Hólmavík, Þingeyri, Reykhólar und Reykjanes im Ísafjarðardjúp.
Ein Bericht einer Arbeitsgruppe des Infrastrukturministeriums hob den Unterhalt des Flugplatzes Hólmavík und einen verbesserten Anflug nach Bíldudalur für Notfalleinsätze hervor. Letzterer wurde teilweise umgesetzt. Die Studie fordert, alle drei Linienflughäfen mit Navigations- und Löschausrüstung sowie geschultem Personal betriebsfähig zu halten. Für Hubschraubereinsätze der Küstenwache nördlich des Landes sind außerdem Treibstofflager, etwa in Ísafjörður, nötig.
Ein neuer GPS-Anflug nach Bíldudalur sollte Anfang 2026 eingeführt werden. Zusätzliche Hindernisfeuer würden Flüge bei Dunkelheit deutlich erleichtern. Der Infrastrukturverein der Westfjorde schlug im März 2025 vor, eine Standortanalyse für einen neuen Flughafen erneut aufzugreifen. Ein entsprechender Parlamentsantrag von 2018 war gescheitert.
Nachdem Icelandair angekündigt hatte, die Flüge nach Ísafjörður Ende des Sommers 2026 einzustellen, startete die Straßenverwaltung Vegagerðin eine Marktanalyse. Erste Entwürfe wurden Ende September 2025 vorgestellt. Demnach werden kaum noch geeignete Flugzeuge für Ísafjörður gebaut; eine Ausnahme sind die derzeit eingesetzten Dash Q-200. Wegen der hohen Anschaffungskosten für Flugzeuge mit mindestens 20 Sitzen hält die Studie öffentliche Unterstützung für den Betrieb für nötig. Elektroflugzeuge und Flugzeuge mit gemischtem Kraftstoff kommen später als erwartet. Die Flugverbindung nach Ísafjörður ist inzwischen gesichert.
Der Infrastrukturminister erklärte auf eine Anfrage von Njáll Trausti Friðbertsson, einem Parlamentsabgeordneten der Unabhängigkeitspartei, dass kein Flughafenausbau in den Westfjorden zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit vorgesehen sei. Er sehe allerdings nichts dagegen, entsprechende Ausgaben als verteidigungsrelevante Investitionen einzuordnen.
EGNOS: Genauere Navigation für Luft- und Schifffahrt
EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service) ist ein europäisches Satellitennavigationssystem, das mit Galileo zusammenarbeitet und ähnlich wie GPS funktioniert. Es verbessert die Positionsgenauigkeit von Flugzeugen und Schiffen durch Korrektursignale von Bodenstationen. Laut Studie deckt es derzeit die Hälfte Islands ab; die Grenze verläuft von Norden nach Süden durch das Land. Bodenstationen befinden sich in Reykjavík und Egilsstaðir, letztere wurde 2010 gebaut.
Die EU-Weltraumagentur EUSPA steuert den Aufbau und die Mittelverteilung einschließlich Ausschreibungen. Island beteiligt sich über das EWR-Abkommen. Das Infrastrukturministerium will die Abdeckung auf Westisland ausweiten; dafür sind zwei zusätzliche Bodenstationen erforderlich. EUSPA beschloss 2022, mit dem Ausbau zu beginnen. Stand 2025 war eine Station der dritten Generation am Flughafen Keflavík eingerichtet, eine weitere sollte in Hólmavík entstehen. Auch in Egilsstaðir wird eine neue Station dieser Generation gebaut.
Laut Isavia ANS wollte EUSPA die Bauarbeiten Ende 2025 ausschreiben; sie sollten 2026 abgeschlossen sein. Installation und Tests können danach mehr als ein Jahr dauern, sodass das System frühestens Ende 2028 nutzbar wäre. Technische Verzögerungen und die durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verstärkte Aufmerksamkeit für Osteuropa gelten als mögliche Risiken.
EGNOS verbessert nicht den Endanflug in engen Fjorden, erhöht aber die Sicherheit der Flugnavigation über den Westfjorden und bei der Trennung von Anflugrouten. Auch die Schifffahrt profitiert: Das System kann bodengestützte Leitfeuer ersetzen, arbeitet genauer und ermöglicht engere oder verlegte Schifffahrtsrouten.
Vesturlína: Die Stromleitung muss verdoppelt werden
Mjólká ist der Knotenpunkt des Stromsystems der Westfjorde und der festgelegte Übergabepunkt zum Landsnet-Übertragungsnetz. Ein Parlamentsbeschluss von 2018 sieht vor, bis 2030 alle Übergabepunkte in den Landesteilen zweifach anzubinden.
Mjólká ist bislang nur über die Vesturlína von Hrútafjörður nach Mjólká angeschlossen. Die lange, alte Leitung ist wetteranfällig; Übertragungskapazität und Versorgungssicherheit sind schlechter als in anderen Landesteilen.
Landsnet plant eine zweite Leitung in zwei Abschnitten: von Mjólká zu einem neuen Umspannwerk in Kollafjörður und von dort nach Hrútafjörður. Die Arbeiten zwischen Mjólká und Kollafjörður sollen laut Netzplan 2029 beginnen und 2031 enden. Für den zweiten Abschnitt gibt es noch keinen Zeitplan. In Kollafjörður soll auch die Anschlussleitung des Hvalá-Kraftwerks ankommen. Gemeinsam mit der Anbindung in Mjólká würde sie eine zweifache Verbindung ermöglichen. Der Abschnitt Mjólká–Kollafjörður muss unabhängig davon, ob und wann Hvalá gebaut wird, zuerst verdoppelt werden.
Tunnel und Straßen
Die vier bisherigen Tunnel haben den Verkehr in den Westfjorden grundlegend verändert: zunächst im Norden, später zwischen den nördlichen und südlichen Fjorden. Die Studie behandelt neue Tunnel nur am Rande, weil Planung und Bau teuer und zeitaufwendig sind.
Ob Tunnel als Luftschutzbunker dienen könnten, sei diskutierbar. Die Studie hält solche Schutzräume jedoch für wahrscheinlich unnötig und Tunnel dafür überwiegend ungeeignet. Bei Luftangriffen wären andere Lösungen geeigneter und günstiger. Für die Lebensmittelversorgung können Tunnel dennoch wichtig sein: Sind bestimmte Straßenabschnitte gesperrt, bleiben Lieferungen möglicherweise nur auf dem Seeweg.
Bíldudalsvegur
Die Straße ist in schlechtem Zustand und wird von Mitte November bis Mitte März nicht vom Winterdienst betreut. Der Verkehrsplan sieht ihre Erneuerung vom Flughafen Bíldudalur bis zur Kreuzung mit dem Vestfjarðavegur 60 auf der Dynjandisheiði vor; Entwurf und Umweltprüfung liegen vor.
Geplant sind 30 km befestigte Hauptstraße anstelle einer Schotterstraße mit zerstörter Tragschicht und vier einspurigen Brücken. Als ganzjährig befahrbare Straße würde sie die Strecke von Bíldudalur zur Kreuzung bei Flókalundur um 40 km und nach Ísafjörður um 36 km verkürzen. Auch von Tálknafjörður wären die Strecken entsprechend kürzer, von Patreksfjörður blieben sie gleich. Wünschenswert wäre zusätzlich der Umbau der rund 6 km vom Flughafen nach Bíldudalur. Insgesamt entstünden dann 36 km neue Straße und fünf einspurige Brücken würden entfallen.
Innstrandavegur
Die 100 km lange Straße verbindet Steingrímsfjörður mit Hrútafjörður. Seit dem Bau der Straße über Þröskuldar im Herbst 2009 – sie verkürzte die Strecke in die Hauptstadtregion um 50 km – nutzt der Schwerverkehr aus Strandir und den nördlichen Westfjorden überwiegend andere Routen.
61 km des Innstrandavegur sind asphaltiert. Drei Schotterabschnitte von insgesamt 39 km weisen eine schlechte Tragschicht auf; außerdem gibt es zehn einspurige Brücken. Der 5 km lange Abschnitt zwischen Þorpar und Heydalsá ist entworfen und in einem noch nicht verabschiedeten Entwurf des Verkehrsplans enthalten. Die Entscheidung wurde mehrfach verschoben, weitere Abschnitte sind nicht eingeplant.
Gufufjörður und Djúpifjörður
Die Bauarbeiten sollen 2027 enden. Es handelt sich um den letzten Abschnitt des Neubaus des Vestfjarðavegur 60 durch die Gufudalssveit, zwischen Hallsteinsnes (zwischen Djúpifjörður und Þorskafjörður) und Skálanes (zwischen Gufufjörður und Kollafjörður).
Die Aufschüttungen waren 2025 größtenteils abgeschlossen. Die Brücke über den Gufufjörður und eine von zwei Brücken über den Djúpifjörður befinden sich im Bau und sollen Ende 2026 fertig sein. Die zweite, größere Djúpifjörður-Brücke wird ausgeschrieben und soll Ende 2027 fertiggestellt werden.
Das seit 2020 mit Unterbrechungen laufende Projekt schafft 25,8 km befestigte Straße nach Hauptstraßenstandard. Vier einspurige Brücken entfallen, die Route über Hjallaháls und Ódrjúgsháls verkürzt sich um 21,6 km.
Weitere Infrastruktur: Gesundheit, Häfen und Radio
Gesundheitswesen
Die Studie betont die Bedeutung eines leistungsfähigen Regionalkrankenhauses mit Operationssaal und Geburtshilfe. Die Westfjorde gehören zu zwei Gesundheitsbezirken. Der größte Teil fällt unter die Heilbrigðisstofnun Vestfjarða mit zwei Einsatzplänen: dem Nordbereich für Ísafjarðarbær, Súðavíkurhreppur und Bolungarvíkurkaupstaður sowie dem Südbereich für Vesturbyggð.
Reykhólahreppur, Árneshreppur, Kaldrananeshreppur und Strandabyggð gehören zur Heilbrigðisstofnun Vesturlands, deren Einsatzplan vom Juni 2024 stammt. Konkrete Bauprojekte schlägt die Studie nicht vor; sie fordert allgemein eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung.
Häfen
Die Häfen der Westfjorde gelten laut Studie als gut; der größte liegt in Ísafjörður. Weitere Verbesserungen sind unter anderem in Patreksfjörður und Bolungarvík sowie für die Kalkalgenfabrik in Súðavík geplant. Durch Verbesserungen für Kreuzfahrtschiffe können inzwischen auch große Schiffe aufgenommen werden.
Für U-Boote sind die Häfen voraussichtlich zu flach. U-Boote benötigen jedoch wenig Infrastruktur an Land, wenn sie in tiefem Wasser liegen und Beiboote einsetzen. Die Studie empfiehlt, die Häfen weiter auszubauen und zu unterhalten sowie den Hafenverbesserungsfonds weiter zu unterstützen.
Radio
Radio ist seit Langem ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Sicherheit. Wegen moderner Technik hält die Studie es inzwischen für sinnvoller, den Mobilfunkausbau gegenüber UKW-Sendungen zu priorisieren.
Die strategische Lage an Grönland
Gylfi Ólafsson erklärte beim Seminar, die geografische Lage der Westfjorde gewinne angesichts der wachsenden Bedeutung Grönlands und der Arktis an Gewicht. Die Zusammenarbeit zwischen den USA, Dänemark und Grönland werfe auch für die Bevölkerung der Westfjorde die Frage auf, welche Rolle die Region übernehmen könne.
Die Westfjorde waren bereits früher Teil des nordatlantischen Verteidigungssystems. Im Zweiten Weltkrieg errichtete die britische Armee eine Radaranlage, die später von den Amerikanern übernommen wurde. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand die bis heute betriebene Radarstation auf dem Bolafjall.
Die Diskussionen beim Seminar deuteten darauf hin, dass die größte Chance im Ausbau starker Gemeinschaften und einer Infrastruktur liegt, die eigenständigen zivilen Nutzen hat und zugleich Islands Sicherheit und Widerstandsfähigkeit erhöht.
NATO-Gipfel und sieben Basisanforderungen
Beim NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 wurde beschlossen, die direkten Verteidigungsausgaben bis 2035 von 2 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Zusätzlich sollen die Mitgliedstaaten 1,5 Prozent des BIP für verteidigungsrelevante Investitionen und Beiträge aufwenden, die Resilienz, Sicherheit und Verteidigung stärken. Dazu können laut Studie Schlüsselinfrastruktur, Verkehrsbauten, Cybersicherheit, Polizei, Küstenwache und Grenzkontrolle gehören.
Bei einem isländischen BIP von 4.600 Milliarden Kronen im Jahr 2024 entsprechen 1,5 Prozent rund 70 Milliarden Kronen. Was Island konkret darunter fasst, hat die Regierung laut Studie nicht eindeutig festgelegt. Die Erhöhung auf 3,5 Prozent wird von Island nicht erwartet, da das Land kein Heer im herkömmlichen Sinne unterhält.
Die Studie orientiert sich an den sieben NATO-Basisanforderungen für Resilienz:
- Kontinuität der Regierungsarbeit und der staatlichen Schlüsseldienste
- Widerstandsfähigkeit der Energieversorgung
- Fähigkeit, unvorhergesehene Bevölkerungsbewegungen zu bewältigen
- Widerstandsfähigkeit der Lebensmittel- und Wasserversorgung
- Bewältigung von Massenanfällen Toter und Verletzter sowie Gesundheitskrisen
- Widerstandsfähiges ziviles Kommunikationssystem
- Widerstandsfähiges ziviles Verkehrssystem
Einige Infrastrukturen der Westfjorde sind laut Studie nicht ausreichend auf langfristige Belastungen oder Konflikte vorbereitet. Die nördlichen Westfjorde haben eine lange Verteidigungsgeschichte: Dazu gehören eine Militärbasis in Darri, eine Radarstation der US-Luftwaffe auf dem Straumnesfjall und die seit 1992 betriebene automatische Radarstation auf dem Bolafjall. Island besitzt vier solcher Stationen. Sie sind Teil des NATO-Luftverteidigungssystems und dienen außerdem der Flugnavigation und Sicherheitskommunikation.
Investitionen in Glasfaser, Kommunikation, Energiesicherheit und widerstandsfähige Verkehrswege stärken laut Studie unmittelbar mehrere NATO-Basisanforderungen: die Kontinuität staatlicher Arbeit (1), die Energieversorgung (2), die Kommunikation (6) und den Verkehr (7). Sie könnten mit den Verpflichtungen aus dem Gipfel von Den Haag zu verteidigungsrelevanten Ausgaben von bis zu 1,5 Prozent des BIP verknüpft werden.
Die Vorschläge entsprechen den Leitlinien der NATO. Einige Projekte könnten technische Unterstützung des Bündnisses und eine Kofinanzierung jener Teile ermöglichen, die den Verteidigungsinteressen dienen.
Die höchste Priorität hat die Unterstützung der Rettungsteams bei Ausrüstung und Gebäuden, gefolgt vom Mobilfunkausbau entlang der Straßen. Gleichauf auf Platz drei liegen die Erneuerung der Glasfaserkabel, Bau und Anschluss des Hvalá-Kraftwerks sowie der Unterhalt der Flughäfen.
Titelbild: NATO-Radarstation auf dem Bolafjall, betrieben von der isländischen Küstenwache. Sie überwacht den Luftraum und dient der Sicherheit im Nordatlantik. / Mirjam Lassak
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