Westfjorde sollen Teil der isländischen Ringstraße 1 werden
Eine Arbeitsgruppe empfiehlt, die Straßen 60 und 61 in den Westfjorden als Teil der Ringstraße 1 zu definieren. Die zuvor diskutierte „Ringstraße 2“ geht auf einen Regierungsbericht zur Stärkung der Region Strandir zurück.
Das isländische Infrastrukturministerium erwägt eine grundlegende Anpassung des nationalen Straßensystems. Nach Jahrzehnten, in denen die Westfjorde nicht direkt an die wichtigste Verkehrsroute des Landes angebunden waren, empfiehlt eine Expertenkommission nun, die Region in die Ringstraße 1 zu integrieren. Sollte der Vorschlag umgesetzt werden, wäre dies die größte Veränderung im isländischen Straßennetz seit mehr als 50 Jahren.
In der vergangenen Woche überreichte eine vom Infrastrukturminister Eyjólfur Ármannsson eingesetzte Arbeitsgruppe ein wegweisendes Memorandum mit dem Titel „Hringvegur um Vestfirði“. Das Ergebnis der sechsmonatigen Analyse ist eindeutig: Die Westfjorde sollen nicht länger über eine zweitrangige „Ringstraße 2“ definiert werden, sondern direkt an das Herzstück der isländischen Infrastruktur angeschlossen werden.
Das Rückgrat der Nation: Die Ringstraße 1
Die aktuelle Ringstraße (Hringvegur), offiziell die Nationalstraße 1, ist das unangefochtene Rückgrat der isländischen Wirtschaft. Seit ihrem Lückenschluss im Jahr 1974 verbindet sie auf einer Länge von rund 1.322 Kilometern die wichtigsten Regionen des Landes. Sie dient dem Grundtransport von Einwohnern, Touristen, Gütern und Dienstleistungen.
Bisher waren die Westfjorde jedoch das einzige zusammenhängende Gebiet Islands, durch das die Nationalstraße 1 nicht verlief. Ein Umstand, der laut Arbeitsgruppe die wirtschaftliche Stellung der Westfjorde im Vergleich zum Rest des Landes schwächte.
Die Analyse: Warum die Option B gewann
Die Arbeitsgruppe prüfte zwei grundlegende Konzepte:
Option A: Der Große Ring (Ringstraße 2): Dieser Plan sah vor, die Straßen Nr. 60, 61, 62, 63 und 68 als „Ring 2“ zusammenzufassen.
Das Urteil: Zwar wäre dies ein gutes Marketinginstrument für den Tourismus, doch die Realität der Infrastruktur spricht dagegen. Große Teile der Straßen 63 und 68 sind noch immer Schotterpisten mit eingeschränktem Winterdienst. Eine Umbenennung würde gefährliche Erwartungen bei Touristen wecken, die die Straßenqualität unterschätzen könnten. Zudem hielt man die bestehende Marke „Vestfjarðaleiðin“ für touristisch wertvoller.
Die verworfene Alternative: Der Entwurf A (gelb) für eine eigenständige Ringstraße 2 hätte zwar mehr Siedlungen umschlossen, wurde jedoch aufgrund des hohen Anteils an Schotterpisten (vor allem auf den Straßen 63 und 68) und des mangelnden Winterdienstes als unvorteilhaft bewertet. Karte aus dem Memorandum der Arbeitsgruppe
Option B: Integration in Ring 1 (Der Sieger-Vorschlag): Statt fünf Straßen umzubenennen, werden nur die beiden Hauptverkehrsadern der Region – der Vestfjarðavegur (Nr. 60) und der Djúpvegur (Nr. 61) – Teil der Ringstraße 1.
Die Begründung: Diese Strecken wurden in den letzten Jahren massiv ausgebaut. Bis zum Jahr 2027 wird die gesamte Strecke vollständig asphaltiert sein und qualitativ dem Standard der restlichen Ringstraße entsprechen. Dies gleicht den Status der Westfjorde gegenüber Regionen wie Snæfellsnes oder dem Nordosten an.
Die neue Lebensader der Westfjorde: Der Vorschlag B (gelb) der Arbeitsgruppe sieht vor, die Straßen Nr. 60 (Vestfjarðavegur) und Nr. 61 (Djúpvegur) offiziell in die Ringstraße 1 zu integrieren. Diese Route ist bis 2027 vollständig asphaltiert und bietet die direkteste Verbindung zum nationalen Hauptverkehrsnetz. Karte aus dem Memorandum der Arbeitsgruppe
Wirtschaftliche und soziale Vorteile
Die Neudefinition ist weit mehr als eine bloße Änderung von Nummern auf einer Karte. Die Arbeitsgruppe betont folgende Vorteile:
Siedlungsstärkung: Die Region wird durch die direkte Anbindung an die „Ader des Landes“ aufgewertet.
Winterdienst und Wartung: Als Teil der Ringstraße 1 erhalten diese Abschnitte eine höhere Priorität bei der Schneeräumung und Instandhaltung, was für den Export (insbesondere Fischerei) lebenswichtig ist.
Vereinfachung für Reisende: Für Touristen und Navigationssysteme wird die Route durch die Westfjorde logischer und zugänglicher.
Umsetzung und Kosten
Die Arbeitsgruppe schätzt die Kosten für die physische Umsetzung – also den Austausch von Wegweisern, Ortsschildern und die Anpassung der offiziellen Verzeichnisse – auf etwa 50 bis 70 Millionen ISK (ca. 345.000 bis 480.000 EUR). Das Ministerium prüft den Vorschlag nun final; eine Umsetzung wird zeitgleich mit der Fertigstellung der Asphaltierungsarbeiten im Jahr 2027 angestrebt.
Titelfoto: Eine Straße in den Westfjorden Islands / Mirjam Lassak
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