Mit der Schließung der letzten Milchfarm Lambavatn steht die Gemeinde in Rauðasandur vor neuen Herausforderungen. Die Anwohner, die stark vom wöchentlichen Milchlaster-Transport profitierten, sind besorgt, wie der Transport von Lebensmitteln und Gütern in den kommenden Wintermonaten sichergestellt werden soll.
Die Farm Lambavatn war die entlegenste Milchfarm in den südlichen Westfjorden. Ihre Schließung Ende des Sommers beendete nicht nur die Milchproduktion vor Ort, sondern auch die regelmäßige Schneeräumung der unpassierbaren Straße über Skersfjall. Ástþór Skúlason, ein Bauer in Melanes, beschreibt die Bedeutung des Milchwagens: „Wir haben es bisher geschafft, mindestens einmal pro Woche Milch hierher zu holen. Und dann haben alle versucht, den Milchwagen zu benutzen, wenn sie einkaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch nehmen mussten.“
Die kurvenreiche Bergstraße, die einzige Landverbindung, wird im Winter oft überschwemmt und nicht regelmäßig geräumt. Während die Bewohner die Gemeinde im Notfall um Schneeräumung bitten können, ist das Ausbleiben des Milchwagens ein großer Verlust. „Jetzt müssen wir genug im Gefrierschrank haben“, sagt Ástþór bei RUV, der dreimal pro Woche einen Arzt aufsuchen muss.
Infrastruktur behindert Wohnen und Tourismus
Trotz ihrer zunehmenden Beliebtheit als Touristenziel kämpfen die Bewohner von Rauðasandur mit einer mangelhaften Infrastruktur. Ástþór, der in Melanes Schafe züchtet und einen Campingplatz betreibt, betont die Schwierigkeiten für die dort lebenden Familien. Er meint, dass fehlender Dreiphasenstrom und keine Glasfaserkabel Wohnen und Arbeiten von Zuhause unmöglich machen.
Die schwache Infrastruktur wirkt sich auch auf kommunale Dienstleistungen wie die Müllabfuhr aus und verhindert den Ausbau des Tourismus. Obwohl die Bewohner die Schönheit und die Möglichkeiten in Rauðasandur sehen, bleiben viele, die dort leben und arbeiten wollen, aufgrund der eingeschränkten Telekommunikation und Energieversorgung fern.
Titelfoto: Straße nach Rauðasandur / Mirjam Lassak
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