Die isländische Küstenwache hat am Donnerstagabend gemeinsam mit Spezialeinheiten des Nationalen Polizeikommissars das Schiff Bandero der Captain Paul Watson Foundation geentert und die Kontrolle über das Schiff übernommen, teilte die Isländische Küstenwache auf Facebook mit. Der Kapitän wurde festgenommen. Auslöser des Einsatzes war nach Angaben der Küstenwache ein Notruf der Besatzung des Walfangschiffs Hvalur 9, die ihre Sicherheit bedroht sah.
Notruf von Hvalur 9
Nach Angaben der Küstenwache erhielt ihre Einsatzzentrale gegen 18 Uhr die Meldung, dass sich die Bandero innerhalb der Zwölf-Meilen-Zone vor Island befand und Kurs auf die Hvalur 9 genommen hatte. Die Besatzung des Walfangschiffs informierte die Behörden, dass sie sich durch das Aktivistenschiff bedroht fühle.
Daraufhin forderte die Küstenwache die Besatzung der Bandero auf, die isländischen Hoheitsgewässer zu verlassen. Das Schiff reagierte jedoch nicht auf die Anweisung.
Mehrere Anweisungen missachtet
Ein Hubschrauber der Küstenwache, der sich bereits auf einem Patrouillenflug befand, wurde zum Einsatzort geschickt und wiederholte die Aufforderung, das Gebiet zu verlassen. Auch darauf reagierte die Bandero laut Behörden nicht.
Kurz darauf traf das Patrouillenschiff Freyja ein. Dessen Besatzung wies den Kapitän der Bandero an, die Schiffsmaschinen abzustellen. Nach Angaben der Küstenwache ignorierte der Kapitän auch diese Anweisung.
Daraufhin wurden Spezialeinheiten des Nationalen Polizeikommissars per Hubschrauber auf die Freyja gebracht. Gleichzeitig verlegten Spezialeinsatzkräfte der Küstenwache mit Einsatzbooten zum Schiff.
Spezialeinheiten übernehmen die Kontrolle
Gegen Mitternacht enterten Einsatzkräfte des Nationalen Polizeikommissars und der Küstenwache die Bandero. Der Kapitän wurde festgenommen und das Schiff unter die Kontrolle der Behörden gebracht.
Anschließend wurde die Bandero nach Reykjavík eskortiert. Das Schiff sollte noch in der Nacht den Hafen Sundahöfn erreichen.
Einsatz gemeinsam mit Polizei und Justizministerium
Die Küstenwache erklärte, die Operation sei in enger Zusammenarbeit mit dem Büro des Nationalen Polizeikommissars durchgeführt worden. Auch das isländische Justizministerium sei während aller Phasen des Einsatzes eingebunden und informiert gewesen.
Update 31.7.:
Bandero-Besatzung soll abgeschoben werden mit Wiedereinreiseverbot – Schiffs-Seetüchtigkeit aberkannt, 14 Aktivisten droht zweijähriges Schengen-Verbot
Nach der Aktion gegen das Walfangschiff Hvalur 9 will die isländische Polizei die 21-köpfige Besatzung der Bandero abschieben, berichtet Visir. Eine Untersuchungshaft wurde nicht beantragt. Stattdessen soll die Einwanderungsbehörde über die Ausweisung und ein Wiedereinreiseverbot entscheiden.
Nach Angaben der Polizei stehen alle Besatzungsmitglieder unter Verdacht des gefährlichen Verhaltens auf See. Sie sollen versucht haben, Netze sowie Metall- oder Maschinenteile in den Propeller des Walfangschiffs zu werfen. Wäre dies gelungen, hätte das Schiff manövrierunfähig werden können – eine Situation, die nach Einschätzung der Polizei die Besatzung des Walfängers erheblich gefährdet hätte.
Die isländische Verkehrsbehörde hat der Bandero inzwischen die Seetüchtigkeit aberkannt. Das Schiff bleibt daher im Hafen von Reykjavík, und die Besatzung muss bis auf Weiteres an Bord bleiben.
Besonders schwerwiegend könnte die Entscheidung für 14 Besatzungsmitglieder werden: Da sie nicht aus dem Schengen-Raum stammen, droht ihnen im Falle einer Abschiebung zusätzlich ein zweijähriges Einreiseverbot für den gesamten Schengen-Raum. Drei Personen – Kapitän, Erster Offizier und Erster Ingenieur – wurden wegen ihrer Führungsrolle gesondert festgenommen und vernommen.
Die Polizei beschlagnahmte zudem Gegenstände an Bord, darunter Computer und Speicherkarten von Kameras, um den Fall zu untersuchen.
Titelfoto Wachschiff Freya, welches am Einsatz beteiligt war / Landhelgisgæslan (Icelandic Coast Guard)
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