Das Meeresforschungsinstitut Islands (Hafrannsóknastofnun) und der Nordatlantische Meeressäugerrat (NAMMCO) haben heute neue Empfehlungen für den Walfang veröffentlicht. Die Fangmengen für Finnwal und Zwergwal werden deutlich reduziert.
Neue Fangempfehlungen: Massive Kürzungen für 2026
Die neuen wissenschaftlichen Richtwerte markieren einen Wendepunkt für den isländischen Walfang. Aufgrund einer unsicheren Datenlage durch schwierige Wetterbedingungen bei den Zählungen 2024 wurden die Quoten vorsorglich reduziert.
Finnwale: 150 Tiere empfohlen
Für Finnwale wird eine maximale Fangmenge von 150 Tieren empfohlen:
- 116 Tiere im Gebiet Ostgrönland/Westisland
- 34 Tiere im Gebiet Ostisland/Färöer
Das entspricht einem Rückgang um 28 % gegenüber der bisherigen Empfehlung (209 Tiere).
Zwergwale: 168 Tiere als Obergrenze
Für Zwergwale liegt die empfohlene Höchstmenge bei 168 Tieren – rund 23 % weniger als zuvor.
Beide Empfehlungen gelten zunächst nur für das Jahr 2026, da die Auswertung der Walzählungen von 2024 noch nicht abgeschlossen ist. Aufgrund dieser Unsicherheiten wurde die Quote vorsorglich um 20 % reduziert.
Rückblick: Fang weit unter den Möglichkeiten
Die neuen Zahlen treffen auf eine Situation, in der die bestehenden Fangquoten zuletzt kaum ausgeschöpft wurden:
Für 2018 bis 2025 lag die Empfehlung bei jährlich bis zu 161 Finnwalen im Gebiet Ostgrönland/Westisland (insgesamt 1.288 Tiere).
Tatsächlich gefangen wurden:
- 2018: 146 Wale
- 2022: 148 Wale
- 2023: 24 Wale
Insgesamt entspricht das nur 318 Tieren bzw. rund 24,7 % der möglichen Gesamtquote.
Frühere Daten zeigen zudem, dass die Bestände seit den 1980er-Jahren gewachsen sind, mit einem bisherigen Höchststand in der Zählung von 2015.
Aussagen der Ministerin zur Empfehlung
„Wer Interesse hat und die darin festgelegten Bedingungen erfüllt, kann diesen Sommer einen Wal fangen“, sagt die für Walfang zuständige Industrie- und Handelsministerin Hanna Katrín Friðriksson bei RUV und verweist damit auf die aktuell gültige Rechtslage. Gleichzeitig betont sie: „Die Situation ist natürlich die, dass eine Verordnung in Kraft ist […] und besagt, dass Genehmigungen für die Waljagd auf der Grundlage von Empfehlungen des Meeresforschungsinstituts erteilt werden sollten“, räumt jedoch ein: „Meiner Einschätzung nach ist die Situation alles andere als ideal.“ Mit Blick auf mögliche Änderungen ergänzt sie: „Mir fällt aber auch auf, dass die aktuellen Walfanggesetze in Bezug auf den Tierschutz ein Kind ihrer Zeit sind“, während ein Gesetzentwurf für ein Verbot im kommenden Winter vorbereitet wird.
Hvalur hf. nimmt Jagd diesen Sommer wieder auf
In den vergangenen beiden Sommern fand in Island kein Walfang statt. Gründe waren unter anderem schwierige Marktbedingungen, etwa die Inflation in Japan als wichtigem Absatzmarkt.
Dennoch plant das Unternehmen Hval hf. laut Geschäftsführer Kristján Loftsson, die Jagd in diesem Sommer wieder aufzunehmen. Dies bestätigte er gestern in einem Interview mit Morgunblaðið „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und die Schiffe werden nächste Woche zur Slipanlage gebracht. „Sollten die vom Ministerium ausgestellten Fanggenehmigungen kleiner ausfallen als bisher, könnten wir möglicherweise nur ein einziges Schiff für den Walfang chartern. Das würde bedeuten, dass Hvalur hf. diesen Sommer rund 50 Mitarbeiter weniger beschäftigen wird“, so Kristján Loftsson.
Kritik: „Kein einziger Wal darf sterben“
Parallel zur Veröffentlichung der Empfehlung formiert sich Widerstand. Die Organisation „Freunde der Wale“ fordert ein sofortiges Ende des Walfangs. Ihre Vorsitzende Valgerður Árnadóttir erklärte, Ziel müsse sein, dass „kein einziger Wal in diesem Sommer stirbt“.
Ein breites Bündnis von Tierschutzorganisationen hat die Regierung in einem Schreiben aufgefordert, den Walfang zu stoppen. Dabei wird argumentiert: der Walfang verstoße möglicherweise gegen internationale Verpflichtungen, eine wirklich humane Jagd sei nicht möglich und das Vorgehen widerspreche isländischen Tierschutzgesetzen.
Zudem wächst der politische Druck: Ministerin Friðriksson gilt als Kritikerin des Walfangs und hat angekündigt, im Herbst einen Gesetzentwurf für ein mögliches Verbot vorzulegen.
Genehmigung bis 2029
Die aktuelle rechtliche Grundlage stammt aus dem Jahr 2024. Damals wurde eine Fanggenehmigung für fünf Jahre erteilt, die sich jährlich verlängert. Die konkrete Fangmenge orientiert sich jeweils an den wissenschaftlichen Empfehlungen.
Titelfoto: Walfängerboot von Hval hf am Dock im Hvalfjördur / Mirjam Lassak
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