In einer heute einberufenen Pressekonferenz haben Premierministerin Kristrún Frostadóttir und ihr Kabinett ein umfassendes Paket befristeter Sofortmaßnahmen vorgestellt. Die Regierung reagiert damit auf die durch den Golfkrieg explodierenden Ölpreise und die anhaltend hohe Inflation im Land. Ziel ist es, die Belastungen für isländische Haushalte und Unternehmen unmittelbar abzufedern.
Die drei Säulen der Sofortmaßnahmen bis August
Die beschlossenen Maßnahmen treten am 1. Mai in Kraft und sind vorerst bis zum 31. August 2026 befristet:
- Entlastung an der Zapfsäule: Die Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe wird von 24 Prozent auf 11 Prozent gesenkt. Damit begegnet der Staat direkt den externen Preisschocks auf dem globalen Energiemarkt.
- Strenge Preisüberwachung: Ein neues Notgesetz verpflichtet den Einzelhandel, die Steuersenkungen vollständig an die Verbraucher weiterzugeben. Die Wettbewerbsbehörde übernimmt die Kontrolle. Zusätzlich erhält der Gewerkschaftsbund ASÍ 15 Millionen ISK für eine Sonderüberwachung der Lebensmittelpreise im Sommer.
- Ausbau der E-Mobilität: Um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen langfristig zu verringern, fließen diesen Sommer 500 Millionen ISK in die Schließung der Ladelücken bei Wohngebäuden und Unterkünften im ganzen Land.
Appell an die Wirtschaft und soziale Versöhnung
Premierministerin Frostadóttir betonte, dass die Inflation nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein soziales Problem darstellt. Bildungsministerin Inga Sæland richtete einen direkten Appell an die Privatwirtschaft, Preiserhöhungen in der aktuellen Lage zu unterlassen. Man wolle ein Vorbild setzen und erwarte von den Unternehmen eine ähnliche Solidarität wie bei den Tarifverhandlungen im Jahr 2024.
Gleichzeitig kündigte die Regierung den Start von Dreiergesprächen zwischen dem Staat, dem Isländischen Gewerkschaftsbund (ASÍ) und dem Arbeitgeberverband (SA) an. Diese Gespräche sollen einen neuen Gesellschaftsvertrag etablieren, um die Lohn-Preis-Spirale zu durchbrechen.
Strategischer Wachstumsplan für die nächsten zehn Jahre
Neben den kurzfristigen Hilfen stellte Außenministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir eine neue Beschäftigungsstrategie vor. Island plant, die wirtschaftliche Stagnation der letzten Jahre durch gezielte Reformen zu beenden. Schwerpunkte liegen auf:
- Förderung von MINT-Fächern und beruflicher Ausbildung in den Schulen.
- Vereinfachung von Vorschriften für exportorientierte Sektoren.
- Einführung fairer Rohstoffsteuern für natürliche Ressourcen.
- Verbesserung der Bedingungen für ausländische Fachkräfte.
Finanzminister Daði Már Kristófersson wird nächste Woche den Finanzplan bis 2031 vorlegen. Dieser sieht vor, dass Island im Jahr 2027 zum ersten Mal seit fast einem Jahrhundert einen ausgeglichenen Haushalt erreicht. Trotz der geopolitischen Unsicherheit im Persischen Golf hält die Regierung an ihrem langfristigen Ziel fest, durch Haushaltsüberschüsse und gesteigerte Produktivität die wirtschaftliche Stabilität des Landes dauerhaft zu sichern.
Das Titelbild wurde mit KI generiert
Lawinenschutzanlagen verhinderten größere Schäden im März in Island
Im März 2026 gingen zahlreiche Lawinen in Island ab. Schutzanlagen verhinderten größere Schäden in betroffenen Orten.




