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Das Schiff Bandero der Captain Paul Watson Foundation ist am Samstag in die ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) Islands eingelaufen. Mit seiner Reise will der 76 jährige Walfang-Gegner Paul Watson gegen den isländischen Walfang protestieren. Die isländische Küstenwache entdeckte das Schiff während eines routinemäßigen Überwachungsfluges mit dem Überwachungsflugzeug TF-SIF weit südlich der Insel, berichtet Visir.
AIS-Ortungssystem nicht aktiv
Dabei stellte die Küstenwache fest, dass das völkerrechtlich vorgeschriebene AIS-Ortungssystem des Schiffes nicht aktiv war. Die Besatzung erklärte, die Anlage sei defekt. Bis das Problem behoben ist, muss die Bandero ihren Standort stündlich an die Einsatzzentrale der Küstenwache melden.
Küstenwache und Polizei verfolgen die Situation
Bereits zuvor hatte die Küstenwache bestätigt, dass sie gemeinsam mit dem Nationalen Polizeikommissar die Situation aufmerksam verfolgt. Hintergrund sind öffentliche Ankündigungen von Paul Watson, mit seinem Schiff nach Island zu reisen, um den Walfang der Reederei Hvalur zu stoppen.
Küstenwachen-Sprecher Ásgeir Erlendsson betonte, dass Schiffe die isländische ausschließliche Wirtschaftszone grundsätzlich frei durchfahren dürfen. Sollte jedoch das Leben oder die Gesundheit von Menschen gefährdet werden, werde die Küstenwache eingreifen. Gegebenenfalls werde auch die Polizei Maßnahmen ergreifen.
Paul Watson veröffentlichte am Samstagabend ein Foto des Küstenwachenflugzeugs TF-SIF auf Facebook und schrieb, die isländische Küstenwache gebe Geld aus, um die Bandero zu überwachen. Zugleich erklärte er, Walfangunternehmer Kristján Loftsson solle die Kosten für den Einsatz übernehmen.
„Operation 86“ angekündigt
Die Captain Paul Watson Foundation hatte bereits im vergangenen Monat die „Operation 86“ angekündigt, um „alles Mögliche“ zu tun, um den Walfang zu stoppen. Ziel der Kampagne ist es nach Angaben der Organisation, den isländischen Walfang in diesem Sommer zu beenden. Der Name erinnert bewusst an das Jahr 1986, als Aktivisten zwei Walfangschiffe der Reederei Hvalur im Hafen von Reykjavík versenkten.
Umstrittener Aktivist
Paul Watson war Gründungsmitglied von Greenpeace, wurde jedoch bereits 1977 aus dem Vorstand ausgeschlossen. Die Organisation begründete dies mit seinen konfrontativen Aktionen, die den konsequent gewaltfreien Grundsätzen von Greenpeace widersprachen.
Auch mit Sea Shepherd kam es zum Bruch: 2022 trennte sich Sea Shepherd Global von Watson und schlug einen weniger konfrontativen Kurs ein. Daraufhin gründete er die Captain Paul Watson Foundation.
Im Zusammenhang mit seinen Protestaktionen gegen den Walfang und das Haifischflossenfischen wurde Watson mehrfach in verschiedenen Ländern festgenommen oder inhaftiert, unter anderem in Kanada, Deutschland und zuletzt 2024 in Grönland. Seine bislang längste Haft dauerte 149 Tage, nachdem Japan seine Auslieferung wegen einer Anti-Walfang-Aktion in der Antarktis beantragt hatte. Das dänische Justizministerium lehnte die Auslieferung schließlich ab und Watson wurde im Dezember 2024 freigelassen.
Konflikte mit Island reichen Jahrzehnte zurück
Island ist für Watson kein unbekanntes Terrain: Bereits 1988 geriet Paul Watson in Island mit den Behörden aneinander. Nach Protesten gegen den Walfang wurde er des Landes verwiesen, die isländischen Behörden erhoben jedoch keine Anklage.
Timeline-Updates
28. Juni 2026
10:00 Uhr: Lt. RUV teilt die isländische Küstenwache mit, dass die Besatzung der Bandero ihrer Verpflichtung zur regelmäßigen Positionsmeldung nicht nachgekommen sei. Die Crew habe ihren Aufenthaltsort trotz Aufforderung nicht wie vorgeschrieben übermittelt.
13:00 Uhr: Die isländische Walschutzorganisation Friends of the Whales distanziert sich von den angekündigten Aktionen Paul Watsons. Die Vorsitzende Valgerður Árnadóttir warnt vor möglichen Zwischenfällen und betont, dass ihre Organisation ausschließlich auf friedlichen Protest setzt.
16:30 Uhr: Die Besatzung der Bandero hat begonnen, ihren Standort mit der Küstenwache zu teilen.
Titelbild: KI-generierte Illustration. Es handelt sich nicht um eine Originalaufnahme der beschriebenen Situation.
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