In Island sind die Gefängnisse nahezu vollständig ausgelastet. Rund 70 Prozent der Gefangenen sind ausländische Staatsangehörige, bei den Frauen liegt der Anteil ausländischer Herkunft sogar bei etwa 75 Prozent. Gleichzeitig warten fast 700 Verurteilte darauf, ihre Haftstrafe anzutreten. In einem Bericht der Direktorin der isländischen Strafvollzugsbehörde, Ragna Bjarnadóttir, an den Haushaltsausschuss des isländischen Parlaments Alþingi, warnt sie, dass einige Strafen verjähren könnten, wenn keine Maßnahmen ergriffen werden.
Zahl der verhängten Haftjahre mehr als verdoppelt
Die Aufgaben des isländischen Strafvollzugsdienstes haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Als Gründe nennt die Behörde unter anderem verstärkte Maßnahmen gegen organisierte Kriminalität, eine Zunahme geschlechtsspezifischer Gewalt und verbesserte Kontroll- und Analysekapazitäten an den Grenzen.
Die insgesamt verhängten Haftzeiten sind deutlich gestiegen. Während sich die Summe der Haftstrafen 2017 auf 288 Jahre und zwei Monate belief, waren es 2025 bereits 552 Jahre und sechs Monate. Allein in den ersten neun Monaten 2026 summierten sich die verhängten Haftstrafen auf 609 Jahre und sechs Monate. Damit wurde bereits nach neun Monaten der Gesamtwert des Vorjahres deutlich übertroffen.
Gefängnisse zu 98 bis 100 Prozent ausgelastet
In Island stehen rund 175 Haftplätze zur Verfügung. Im laufenden Jahr befanden sich durchschnittlich etwa 70 Menschen täglich in Untersuchungshaft. Dadurch bleiben weniger Plätze für bereits verurteilte Straftäter, die ihre Haft antreten müssen.
Die tatsächliche Auslastung der Gefängnisse lag bislang zwischen 98 und 100 Prozent. In den Betriebsplanungen war dagegen eine Auslastung von lediglich 80 Prozent vorgesehen. Aus fachlicher und sicherheitstechnischer Sicht gelten für das Gefängnis Litla-Hraun etwa 90 Prozent und für Hólmsheiði rund 80 Prozent als angemessen.
Nach Angaben der Strafvollzugsbehörde stehen fast 700 Menschen auf der Warteliste für den Haftantritt. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnten einige der verhängten Strafen verjähren.
Hoher Anteil ausländischer Gefangener
Der Anteil ausländischer Staatsangehöriger unter den Gefangenen beträgt laut der Stellungnahme der Strafvollzugsbehörde rund 70 Prozent. Bei den Frauen in isländischen Gefängnissen liegt der Anteil ausländischer Herkunft demnach bei etwa 75 Prozent.
Die Behörde verweist auf zusätzlichen Verwaltungsaufwand, insbesondere durch Dolmetscherdienste und die Kommunikation mit ausländischen Stellen. Zudem habe die Zahl der Gefangenen mit besonderem Betreuungs- oder Sicherheitsbedarf zugenommen. In Einzelfällen seien dafür bis zu zwei zusätzliche Justizvollzugsbeamte erforderlich, deren Einsatz bislang nicht im regulären Budget eingeplant gewesen sei.
Strafvollzug fordert 280 Millionen ISK zusätzlich
Für das Haushaltsjahr 2027 beantragt die Strafvollzugsbehörde zusätzliche 280 Millionen isländische Kronen. Die bisherigen Finanzmittel reichten nicht aus, um die vorhandenen Haftplätze dauerhaft mit voller Kapazität und unter sicheren Bedingungen zu betreiben.
Auch die Infrastruktur bereitet Probleme. Reparaturen an Gebäuden und die Modernisierung technischer Anlagen seien über Jahre zurückgestellt worden. Nun müssten unter anderem Gegensprechanlagen und Überwachungskameras erneuert werden, da weitere Verzögerungen aus Sicherheitsgründen nicht mehr vertretbar seien.
Neue Gefängnisplätze erst in den kommenden Jahren
Langfristig soll ein neues Gefängnis in Stóra-Hraun Entlastung bringen. Es ist für 128 Haftplätze ausgelegt und soll 2034 vollständig fertiggestellt sein. Im Gefängnis Sogn sollen bereits 2027 weitere 14 Plätze hinzukommen. Bis dahin bleibt die Lage angespannt. Die Strafvollzugsbehörde warnt, dass die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken.
Titelbild wurde mit KI erstellt
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