Am Berghang Svínafellsheiði oberhalb des Gletschers Svínafellsjökull werden erneut Bewegungen registriert, berichtet der isländische Wetterdienst. Seit dem 23. September hat sich der Hang um etwa ein bis drei Zentimeter verschoben. Es sind die deutlichsten Bewegungen seit Beginn der Überwachung im Herbst 2018. Eine unmittelbare Erdrutschgefahr besteht nach Einschätzung der Experten derzeit nicht. Die Überwachung wurde dennoch verstärkt.
Messungen des Isländischen Wetterdienstes und der Universität Island bestätigen die Veränderungen. GPS-Messgeräte und Dehnungsmessstreifen zeichnen übereinstimmende Werte auf. An anderen Messstationen rund um den Vulkan Öræfajökull wurden keine Bewegungen festgestellt. Ein Zusammenhang mit Veränderungen am Vulkan gilt daher als unwahrscheinlich.
Warum bewegt sich der Hang?
Die Ursache für die erneuten Bewegungen ist noch unklar. Eine mögliche Erklärung sind erhöhte Wassermengen im Berg. In Skaftafell fielen seit August überdurchschnittliche Niederschläge. Anfang Oktober wurden an einzelnen Tagen rund 100 beziehungsweise 95 Millimeter Regen gemessen.
Auch der Rückgang des Svínafellsjökull könnte eine Rolle spielen. Durch das Abschmelzen des Gletschers verliert der darüberliegende Hang zunehmend seine natürliche Stütze. Eine Besonderheit ist dabei der große Erdrutsch von 2013. Das damals auf dem Gletscher abgelagerte Gesteinsmaterial isoliert das darunterliegende Eis. Dadurch blieb dort eine dickere Eismasse erhalten, die den Hang möglicherweise zusätzlich stabilisierte. Dieses Eis bewegt sich inzwischen talwärts und entfernt sich vom Berghang. Möglicherweise führt das Zusammenspiel dieser Faktoren zu den aktuellen Bewegungen.
Überwachung wird intensiviert
Am Hang befindet sich ein rund 1,7 Kilometer langes Spaltensystem, dessen Entwicklung seit 2018 überwacht wird. Bereits 2013 war ein großer Erdrutsch auf den Gletscher gestürzt. Laut einer Risikobewertung des Isländischen Wetterdienstes aus dem Jahr 2025 würde ein weiterer Felssturz wahrscheinlich auf dem Gletscher zum Stillstand kommen. Ein besonders großer Abbruch könnte allerdings den darunterliegenden Gletschersee erreichen und Überschwemmungen verursachen.
In den kommenden Tagen wollen Experten das Gebiet vor Ort untersuchen, Messgeräte kontrollieren und zusätzliche Drohnenaufnahmen erstellen. Auch eine weitere GPS-Messstation ist geplant. Die Messdaten werden inzwischen häufiger ausgewertet, teilweise auch nachts.
Nach aktuellem Stand sind keine besonderen Schutzmaßnahmen erforderlich. Der Zivilschutz und die Polizei in Südisland sind informiert. Ob die Bewegungen zunehmen oder wieder nachlassen, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.
Titelbild: Svínafellsjökull / Mirjam Lassak
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