Island plant für 2027 ein neues Gebührenmodell für seine touristischen Naturattraktionen und will damit zusätzliche Einnahmen erzielen. Der Haushaltsentwurf sieht eine neue Natur- und Infrastrukturabgabe vor, die dem Staat im kommenden Jahr fünf Milliarden ISK (ca. 35,6 Mio Euro) einbringen soll. Gleichzeitig werden weitere tourismusrelevante Abgaben erhöht und die Mehrwertsteuer auf Badelagunen angehoben. Im Detail:
1 Natur- und Infrastrukturabgabe für Touristen
Die Regierung arbeitet an einem Gebührensystem für touristische Orte, die sich im Besitz des isländischen Staates befinden. Für 2027 werden Einnahmen von fünf Milliarden ISK erwartet. Der derzeitige Plan bezieht sich ausdrücklich auf Touristenattraktionen im Eigentum des Staates. Ob private Landeigentümer später ebenfalls Gebührenmodelle übernehmen oder eigene Gebühren erheben, ist eine andere Frage. Im Regierungsvorhaben heißt es zur Begründung: „Der Anstieg der Touristenzahlen habe Natur und Infrastruktur erheblich belastet und den Bedarf an einer einheitlichen und nachhaltigen Finanzierung von Schutz, Zugang, Ausbau und Dienstleistungen an stark besuchten Orten erhöht. Auch die landesweit zunehmende touristische Nutzung erfordere weiteren Ausbau und Unterhalt der Infrastruktur. Grundannahme ist, dass Touristen sich angemessen an den Kosten beteiligen, die durch die Nutzung dieser öffentlichen Güter entstehen, und dadurch eine nachhaltige Entwicklung des Tourismus sowie der Schutz der isländischen Natur gefördert werden.„
Nach Recherchen der salty.lava-Redaktion befinden sich unter anderem Þingvellir, Geysir, Gullfoss, Dimmuborgir, Dynjandi und Ásbyrgi im staatlichen Eigentum. Auch am Jökulsárlón besitzt der isländische Staat Land: 2017 kaufte er das Grundstück Fell, zu dem ein Teil der Gletscherlagune gehört. Der Snæfellsjökull-Nationalpark ist teilweise im Eigentum Islands wie auch Mödrudalur oder Seldardalur in den Westfjorden. Ob und welche dieser Orte von der neuen Gebühr erfasst werden, wird erst die konkrete gesetzliche Regelung zeigen, im Herbst soll dazu ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden. Der Haushaltsentwurf nennt bislang weder einen Preis pro Person noch eine konkrete Liste der betroffenen Orte. Die Gebühr soll ab Mitte 2027 erhoben werden.
2 Übernachtungssteuer
Die bestehende Übernachtungssteuer soll 2027 um 5,2 Prozent steigen. Im Haushaltsentwurf werden für 2027 Einnahmen von rund 4,15 Milliarden ISK aus dieser Abgabe veranschlagt. Die Steuer betrifft Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben und wird damit indirekt auch für Urlauber teurer.
3 Kraftfahrzeugsteuer
Die isländische Kraftfahrzeugsteuer soll 2027 um 5,2 Prozent steigen. Die Abgabe betrifft Fahrzeuge allgemein und ist keine spezielle Touristensteuer. Für Urlauber könnte sie sich jedoch indirekt über die Kosten für Mietwagen und andere Fahrzeuge auswirken. Inwiefern diese Steuer an Nutzer von Mietwagen weitergereicht wird, bleibt abzuwarten. Für 2027 veranschlagt der Staat Einnahmen von rund 15,45 Milliarden ISK aus der Kraftfahrzeugsteuer.
4 Kilometergebühr für Fahrzeuge
Auch die Kilometergebühr für Fahrzeuge wird deutlich teurer. Sie soll 2027 insgesamt um 15,9 Prozent steigen. Darin enthalten ist eine inflationsbedingte Erhöhung von 5,2 Prozent; zusätzlich sollen vier Milliarden ISK an Mehreinnahmen erzielt werden.
Die Regierung plant gleichzeitig, den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur durch Mautgebühren zu finanzieren. Autofahrer zahlen auf mautpflichtigen Straßen beide Gebühren. Das betrifft bereits seit 1.9.2026 die neue Straße über den Hornafjörður mit 1.500 Kronen, 495 Kronen sollen für die neue Ölfusá-Brücke in Selfoss veranschlagt sein, es wird eine Maut für die neue Sundabraut sowie den Ausbau der Tunnel Hvalfjarðargöng und Fljótagöng kommen.
Die Gebühr ist nicht speziell auf Touristen ausgerichtet, kann sich aber besonders bei Mietwagen-, Camper- und Rundreisen bemerkbar machen.
5 Badelagunen: Mehrwertsteuer steigt von 11 auf 24 Prozent
Für Besucher von Geothermalbädern kommt eine weitere Änderung hinzu. Eintrittsgelder für Badelagunen und vergleichbare Angebote sollen künftig dem allgemeinen statt dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz unterliegen. Damit steigt die Mehrwertsteuer von 11 auf 24 Prozent. Der Staat erwartet daraus rund vier Milliarden ISK zusätzliche Einnahmen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Eintrittspreise um 13 Prozent steigen. Wie stark die höhere Steuer an die Kunden weitergegeben wird, entscheiden die Anbieter.
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