In Súðavík in den Westfjorden Islands ist der Startschuss für ein großes Industrieprojekt gefallen. Am Mittwoch, den 15. April, wurde der erste Spatenstich für eine neue Kalkalgenfabrik gesetzt.
Zum Auftakt der Bauarbeiten wurde nicht nur symbolisch der Spaten angesetzt, sondern auch eine Zeitkapsel im Boden vergraben. Im Anschluss fand ein Empfang in der Grundschule von Súðavík statt, zu dem zahlreiche Einwohner kamen. Die Atmosphäre war entsprechend lokal geprägt – viele Gespräche drehten sich bereits um die Chancen, die das Projekt für den Ort bringen könnte.
Für einen besonderen Akzent sorgte die beteiligte ungarische Baufirma Lakógép, die kleine Glasobjekte an die Besucher verteilte. Kulinarisch wurde ebenfalls etwas geboten: Neben alkoholfreien Getränken und ungarischem Wein gab es unter anderem Brauðterta – eine in Island beliebte, herzhafte „Brottorte“, die typischerweise bei festlichen Anlässen serviert wird.
Die Bilder zeigen, wie die Zeitkapsel im Boden eingelassen wird und den anschließenden Empfang in der Schule Súðavík / Bilder Claudia Troost
Die geplante Anlage wird kalkhaltige Algensedimente aus dem Ísafjarðardjúp gewinnen und weiterverarbeiten. In der Fabrik sollen die Rohstoffe getrocknet und zu Mehl sowie weiteren Produkten verarbeitet werden. Ein Großteil der Produktion ist für den Export nach Kontinentaleuropa und in den Nahen Osten vorgesehen.
Mit dem Baustart sind nun auch zentrale Details zur Anlage bekannt. Geplant ist ein rund 4.000 Quadratmeter großes Fabrikgebäude mit einer Höhe von etwa 16 Metern. Ergänzt wird dieses durch ein 1.500 Quadratmeter großes Servicegebäude. Dort entstehen Werkstätten, Lagerflächen, Büros, Mitarbeitereinrichtungen sowie eine Cafeteria. Auch technische Anlagen wie Transformatoren werden dort untergebracht.
Visualisierungen zeigen das geplante Fabrikgebäude und das Gelände / Íslenska kalkþörungafélagið
Ziel ist es, das Gebäude bis Mitte nächsten Jahres fertigzustellen und anschließend die Produktion aufzunehmen.
Besonders im Fokus steht dabei die lokale Bevölkerung. Halldór Halldórsson, CEO von Ískalk, betont, dass das Unternehmen gezielt Arbeitskräfte aus Súðavík gewinnen möchte. Im Vollbetrieb werden voraussichtlich 25 bis 30 Mitarbeiter benötigt.
„Wir müssen erst einmal sehen, ob es in Súðavík genügend Leute gibt. Natürlich hoffen wir, dass diese Leute Interesse haben werden“, so Halldór. Die Suche nach Mitarbeitern soll im kommenden Jahr beginnen.
Das Unternehmen setzt bewusst darauf, möglichst viele Stellen mit Einwohnern aus Súðavík zu besetzen. Gelingt das, könnte die Fabrik zu einem wichtigen Stabilitätsfaktor für den Ort werden und langfristig zur Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region beitragen.
Für einen kleinen Ort wie Súðavík ist ein Projekt dieser Größenordnung mehr als nur ein Industriebau. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, die Wertschöpfung tatsächlich vor Ort zu halten und Einheimische nachhaltig einzubinden.
Vielen Dank an Claudia Troost aus Súðavík, die am Spatenstich teilgenommen und uns die Fotos zur Verfügung gestellt hat.
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