Zwist unter Vulkanologen: Þorvaldur Þórðarson verteidigt Prognose über möglichen Ausbruch auf Snæfellsnes
Der renommierte Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson von der Universität Island hat öffentlich auf Kritik seines Kollegen Haraldur Sigurðsson reagiert, der Þorvaldurs Vorhersage eines bevorstehenden Vulkanausbruchs im Ljósufjöll-System auf Snæfellsnes als „unbegründet“ bezeichnet hatte.
In einem Facebook-Beitrag auf der Seite der Forschungseinheit für Vulkanologie und Naturgefahren verteidigte Þorvaldur seine Einschätzung. Zwar räumte er ein, dass seine Prognose eines Ausbruchs innerhalb von drei Jahren möglicherweise nicht eintreffen werde, wies jedoch die Kritik zurück. Die Einschätzung als „unbegründet“ sei haltlos – und solche Aussagen, so Þorvaldur wörtlich, „gehören in das Haus seines Vaters“ – eine Redewendung, die auf seine isländische Direktheit verweist.
Drei Argumente für die Prognose
Þorvaldur stützt seine Einschätzung auf drei zentrale Beobachtungen:
- Verdichtung der Erdbebenaktivität rund um den Grjótárvatn
- Zunehmende Beben in Tiefen unter zehn Kilometern
- Neuere Forschungsergebnisse (Kahl et al., 2024; Baxter et al., 2023), die zeigen, dass sich vor Ausbrüchen auf Snæfellsnes zunächst Magma in etwa 20 Kilometern Tiefe sammelt und sich dann in flachere Tiefen bewegt – ein Prozess, der aktuell ebenfalls beobachtet werde.
Laut Þorvaldur deuten diese Muster darauf hin, dass ein Ausbruch auf Snæfellsnes kurzfristig möglich sei. Zwar gebe es immer unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten bei seismischer Aktivität, doch die derzeitige Entwicklung spreche aus seiner Sicht deutlich für aufsteigendes Magma.
Fachkollege sieht keine Verschiebung
Haraldur Sigurðsson, selbst auf Snæfellsnes in Stykkishólmur aufgewachsen, hatte seinerseits die Vorhersage Þorvaldurs deutlich kritisiert. In einem Facebook-Post verwies er auf Aussagen des Geophysikers Páll Einarsson, wonach sich der Ursprungsort der Beben im Ljósufjöll-System nicht signifikant verändert habe – ein aus seiner Sicht wichtiges Indiz gegen eine drohende Eruption.
Dabei hatte Haraldur selbst vor über zehn Jahren öffentlich betont, dass sowohl Snæfellsjökull als auch Ljósufjöll aktive Vulkansysteme seien – auf Basis seiner eigenen Untersuchungen zur geologischen Beschaffenheit der Halbinsel.
„Wenn man oft genug vorhersagt …“
Mit spürbarem Sarkasmus kommentierte Haraldur die wiederholten Prognosen Þorvaldurs:
„Wie der Mann sagte: Wenn man oft genug Vorhersagen trifft, kommt man eines Tages zum richtigen Schluss.“
Ob Þorvaldur recht behält, wird die Zeit zeigen – die Diskussion über die Interpretation aktueller seismischer Signale auf Snæfellsnes jedenfalls hat neue Dynamik bekommen. Einig sind sich beide Wissenschaftler nur in einem: Die vulkanische Aktivität auf Snæfellsnes verdient erhöhte Aufmerksamkeit.
Titelfoto: Der Rauðhálsar-Krater thront am Ende des Grjótárdalur im Ljósufjöll-Vulkansystem © Mirjam Lassak
