Neue mautpflichtige Ölfusá-Brücke in Selfoss: Warum der Neubau dringend nötig ist
Die neue mautpflichtige Ölfusá-Brücke bei Selfoss soll die Ringstraße entlasten und den Durchgangsverkehr aus der Stadt holen. Hauptgründe sind der wachsende Tourismus und das steigende Verkehrsaufkommen.
Die neue Brücke über den Fluss Ölfusá bei Selfoss gehört zu den größten Straßenbauprojekten Islands. Doch warum investiert Island Milliarden in eine neue Brücke?
Die neue Anbindung über die Ölfusá. Links der Brücke entsteht ebenfalls ein neuer Campingplatz, dies soll ebenfalls den Verkehr durch Selfoss entlasten.
Es entsteht ebenfalls eine neue Anbindung an die bestehende Ringstraße
Alte Brücke stößt seit Jahren an ihre Grenzen
Die bestehende Ölfusá-Brücke wurde 1945 eröffnet und verbindet seit rund 80 Jahren die Ringstraße über den größten Fluss Südislands. Für den heutigen Verkehr ist sie jedoch längst nicht mehr ausgelegt. Sowohl ihre Tragfähigkeit als auch die Verkehrsführung entsprechen nicht mehr den modernen Anforderungen.
Hinzu kommt der stark gestiegene Verkehr. Vor allem der Tourismus in Südisland sowie das Bevölkerungswachstum in der Region haben die Verkehrsbelastung in den vergangenen Jahren deutlich erhöht.
Täglich 14.500 Fahrzeuge durch Selfoss
Rund 14.500 Fahrzeuge überqueren inzwischen täglich die bestehende Brücke. Besonders in den Sommermonaten kommt es regelmäßig zu langen Staus vor der Brücke. Da die Ringstraße derzeit mitten durch Selfoss verläuft, teilen sich Fernverkehr, Urlauber und der innerstädtische Verkehr dieselbe Strecke.
Laut den Ausschreibungsunterlagen von Vegagerðin wird die neue Trasse wird die Ringstraße künftig westlich an Selfoss vorbeigeführt. Dadurch verkürzt sich die Strecke um rund 1,2 Kilometer. Nach Angaben der Straßenverwaltung reduziert sich die Fahrzeit um mindestens fünf bis sechs Minuten – in den Hauptreisezeiten sogar deutlich stärker.
Selfoss wird deutlich entlastet
Von dem Projekt profitieren nicht nur Reisende. Vor allem die Einwohner von Selfoss dürften die Veränderungen deutlich spüren. Mit der Verlegung der Ringstraße verschwindet ein großer Teil des Durchgangsverkehrs aus dem Stadtzentrum. Das bedeutet weniger Staus, weniger Lärm, weniger Abgase und mehr Verkehrssicherheit für Fußgänger und Radfahrer.
Parallel zum Brückenprojekt wird auch der Campingplatz an einen neuen Standort direkt an der künftigen Ringstraße verlegt. Besucher müssen den Campingplatz künftig nicht mehr durch das Stadtzentrum anfahren. Auch dadurch wird zusätzlicher Verkehr aus der Innenstadt herausgenommen.
Schwere Lastwagen werden künftig über die neue Brücke geführt. Die bisherige Ölfusá-Brücke bleibt erhalten und soll weiterhin den lokalen Verkehr aufnehmen.
Moderne Brücke mit Reserven für die Zukunft
Herzstück des Projekts ist eine 330 Meter lange Fachwerkbrücke mit einem rund 60 Meter hohen Pylon. Sie erhält zunächst zwei Fahrstreifen mit getrennten Fahrtrichtungen sowie einen Geh- und Radweg. Die Konstruktion ist bereits so ausgelegt, dass sie später ohne grundlegende Umbauten auf vier Fahrstreifen erweitert werden kann.
Zum Gesamtprojekt gehören außerdem ein neuer 3,7 Kilometer langer Abschnitt der Ringstraße, weitere Straßen, ein neuer Knotenpunkt östlich von Selfoss sowie Unterführungen für Fahrzeuge, Fußgänger, Radfahrer und Reiter. Zusätzlich werden Strom-, Glasfaser- sowie Warm- und Kaltwasserleitungen über die Brücke geführt.
Bauarbeiten laufen planmäßig bis 2028
Die Bauarbeiten begannen 2024. Nach umfangreichen Baugrunduntersuchungen und Sprengarbeiten wurden die Fundamente der Brücke errichtet und eine provisorische Baubrücke zur Insel Efri-Laugardælaeyja gebaut.
2026 wurden die Tief- und Straßenbauarbeiten fortgesetzt. Alle Fundamente der Landpfeiler sind inzwischen fertiggestellt, die Arbeiten am Fundament des Brückenturms laufen. Im April trafen die ersten Stahlträger aus Danzig ein und werden seitdem für die Montage vorbereitet. Nach Angaben der isländischen Straßenverwaltung liegt das Projekt weiterhin im Zeitplan. Die Fertigstellung ist für den Herbst 2028 vorgesehen.
Finanzierung über eine Maut
Finanziert werden soll das Milliardenprojekt über eine Maut auf der neuen Ölfusá-Brücke. Die bisherige Brücke bleibt bestehen und kann weiterhin mautfrei genutzt werden. Dadurch sollen Autofahrer auch künftig die Wahl zwischen der neuen Schnellverbindung und der bisherigen Route durch Selfoss haben. Nach dem derzeitigen Modell sollen Pkw 495 ISK (3,30 bis 3,50 Euro) pro Überfahrt zahlen. Für Vielfahrer sind Rabatte vorgesehen.
Anfang Juni und Ende Juli des Jahres war ich vor Ort und habe den Fortschritt der Baustelle dokumentiert. Das Titelbild ist von Ende Juli des Jahres.
Die isländischen Behörden haben allen Mitgliedern der Bandero-Besatzung Ausweisungsbescheide und Wiedereinreiseverbote zugestellt. Die Abschiebung wird derzeit vorbereitet.
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