Das Risiko für Grindavík wurde aufgrund der fortgeschrittenen Rissreparaturen leicht reduziert. Die Einstufung bleibt jedoch unverändert erheblich. Gleichzeitig hebt sich der Boden bei Svartsengi weiter – und damit besteht weiterhin die Gefahr eines neuen Vulkanausbruchs.
Risiko in Grindavík leicht gesunken
Die am 30. September veröffentlichte Risikobewertung des Isländischen Wetterdienstes berücksichtigt erstmals die weit fortgeschrittenen Arbeiten zur Verfüllung von Rissen in Grindavík.
Dadurch wurde das berechnete Gesamtrisiko leicht von 4,14 auf 4,02 reduziert. Die Risikokategorie bleibt jedoch unverändert: Grindavík wird weiterhin als erhebliches Risiko (orange) eingestuft.
Innerhalb der kombinierten Bewertung aus sieben verschiedenen Gefahrenfaktoren wurde insbesondere das Risiko eines Rutsches in eine Spalte reduziert. Die Reparaturen verringern die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses innerhalb der Stadtgrenzen. Auf mögliche Bewegungen der Risse bei einem zukünftigen Ereignis haben die Arbeiten dagegen keinen Einfluss.
Landhebung bei Svartsengi dauert an
Entscheidend für die Einschätzung der Vulkangefahr bleibt die Entwicklung bei Svartsengi. Dort setzt sich die Landhebung weiterhin fort. In den vergangenen drei Monaten wurden rund vier Zentimeter gemessen.
Die derzeit geringe Erdbebenaktivität ändert daran nichts. Im Bereich der Sundhnúk-Kraterserie und rund um Grindavík wurden in den vergangenen zwei Wochen nur wenige, überwiegend sehr schwache Erdbeben registriert.
Solange sich der Boden bei Svartsengi weiter hebt, besteht nach Einschätzung des Isländischen Wetterdienstes weiterhin die Gefahr eines Vulkanausbruchs.
Erst sechs Monate Bodensenkung würden die Lage grundlegend verändern
Kristín Jónsdóttir, Geophysikerin und Leiterin der Abteilung für Erdbeben und Seismizität beim Isländischen Wetterdienst, erklärte gegenüber RÚV, dass sich die Situation erst dann grundlegend verändern würde, wenn der Magmazufluss unter Svartsengi aufhört und anschließend eine länger anhaltende Bodensenkung einsetzt.
Erst wenn über mindestens sechs Monate eine Stabilisierung beziehungsweise Bodensenkung beobachtet wird, könnte die Ausbruchsgefahr als vorerst gebannt betrachtet werden.
Davon ist die Situation derzeit noch entfernt. Die aktuelle Landhebung zeigt vielmehr, dass sich weiterhin Druck in mehreren Kilometern Tiefe aufbaut.
Neuer Magmazustrom bleibt wahrscheinlichstes Szenario
Solange die Landhebung anhält, bleibt ein neuer Magmazustrom von Svartsengi in Richtung der Sundhnúk-Kraterserie das wahrscheinlichste Szenario. Dieser könnte erneut in einem Vulkanausbruch enden.
Wann ein solcher Magmazustrom einsetzen könnte, lässt sich weiterhin nicht vorhersagen. Wie bei den vergangenen Ereignissen der Sundhnúk-Kraterserie muss auch künftig mit kurzen Vorwarnzeiten gerechnet werden.
Titelfoto: Grindavík im September 2026 / Mirjam Lassak
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