Kreuzfahrtschiffe sorgen in mehreren isländischen Hafenstädten für deutlich mehr Umsatz bei Händlern. Wie groß dieser Effekt ist, unterscheidet sich jedoch erheblich – nicht nur von Hafen zu Hafen, sondern auch danach, welche Passagiere an Bord sind.
Eine aktuelle Analyse des Zahlungsdienstleisters Teya zeigt dabei zwei unterschiedliche Aspekte: Zum einen, wie hoch eine einzelne Kartenzahlung bei verschiedenen Nationalitäten im Durchschnitt ausfällt. Zum anderen, wie stark sich der Kartenumsatz einer bestimmten Nationalität an einem Tag mit Kreuzfahrtschiff gegenüber einem vergleichbaren Tag ohne Schiff verändert.
Besonders interessant ist Deutschland: Eine deutsche Kartenzahlung liegt bei den untersuchten Händlern im Durchschnitt bei rund 3.400 ISK. Bei US-amerikanischen Karten sind es rund 6.300 ISK. Damit liegt eine deutsche Zahlung im Durchschnitt rund 46 Prozent niedriger. Das bedeutet allerdings nicht, dass deutsche Kreuzfahrtpassagiere während ihrer gesamten Reise 46 Prozent weniger ausgeben.
So hat Teya die Auswirkungen der Kreuzfahrtschiffe gemessen
Teya wertete autorisierte Verkaufstransaktionen mit ausländischen Zahlungskarten bei seinen Händlern vom 20. April bis zum 16. September 2026 aus. Der Datensatz umfasst mehr als 1.900 Schiffsankünfte in zwölf Häfen in den Sommern 2025 und 2026.
Dargestellt werden die Ergebnisse für acht Häfen, in denen genügend Teya-Händler vorhanden waren, um eine aussagekräftige Messung zu ermöglichen.
Für die Analyse verglich Teya die Tage mit Kreuzfahrtschiff im Hafen mit denselben Wochentagen im selben Sommer, an denen kein Schiff im Hafen lag. Damit wurden dieselben Händler miteinander verglichen, um den zusätzlichen Umsatz im Zusammenhang mit den Schiffsankünften zu ermitteln.
Wichtig ist die Datenbasis: Die Zahlen beziehen sich auf Karten und nicht auf Personen. Eine Karte, die beispielsweise von einem Paar gemeinsam genutzt wird, wird nur einmal gezählt. Bargeldzahlungen, Einkäufe an Bord und Ausflüge, die von den Kreuzfahrtgesellschaften selbst verkauft werden, sind nicht enthalten.
Durchschnittliche Kartenzahlungen: Deutschland liegt deutlich unter Frankreich
Teya nennt konkrete durchschnittliche Zahlungsbeträge für vier Nationalitäten:
| Land der Karte | Durchschnittlicher Zahlungsbetrag pro Karte |
|---|---|
| Frankreich | ca. 6.400 ISK |
| USA | ca. 6.300 ISK |
| Großbritannien | ca. 4.400 ISK |
| Deutschland | ca. 3.400 ISK |
Unter diesen vier Ländern liegt Deutschland beim durchschnittlichen Zahlungsbetrag am niedrigsten.
Dabei handelt es sich um den durchschnittlichen Betrag eines Zahlungsvorgangs beziehungsweise pro Karte bei den untersuchten Händlern. Es geht nicht um die Gesamtkosten der Kreuzfahrt und auch nicht um die Gesamtausgaben eines Touristen während seines Islandaufenthalts.
Bei einem deutschen oder amerikanischen Schiff sieht der Umsatz entsprechend anders aus
Wie stark die Nationalität der Passagiere den lokalen Kartenumsatz beeinflusst, zeigt ein Beispiel aus Ísafjörður.
Wenn ein auf dem deutschen Markt vermarktetes Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt, machen deutsche Karten etwa die Hälfte des gesamten ausländischen Kartenumsatzes der Stadt an diesem Tag aus.
Bei der Ankunft eines amerikanischen Schiffes entfallen dagegen rund zwei Drittel des ausländischen Kartenumsatzes auf amerikanische Karten.
Welche Nationalitäten an Bord vertreten sind, kann daher für den Umsatz an einem einzelnen Tag einen erheblichen Unterschied machen.
Weniger Passagiere können deutlich mehr Umsatz bringen
Die Zahl der Passagiere allein sagt deshalb wenig über den wirtschaftlichen Effekt aus.
Am 12. Juni kamen 7.140 Passagiere mit zwei großen Schiffen nach Ísafjörður. Pro Passagier wurden etwas mehr als 500 ISK Umsatz erzielt.
Am 14. August kamen dagegen nur 2.876 Passagiere mit kleineren Schiffen. Der Umsatz lag bei rund 1.450 ISK pro Passagier – also nahezu dreimal so hoch bei weniger als der Hälfte der Passagierzahl.
Im Juni entfielen 42 Prozent des Umsatzes auf britische Karten, im August waren es 52 Prozent amerikanische Karten. Eine amerikanische Kartenzahlung brachte dabei durchschnittlich etwa 6.300 ISK, eine britische rund 4.400 ISK.
Teya kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass die Frage, welches Schiff ankommt, mindestens ebenso wichtig oder sogar wichtiger sein kann als die reine Zahl der Passagiere.
Ísafjörður: Kreuzfahrtschiffe bestimmen einen großen Teil des Sommergeschäfts
Wie stark Kreuzfahrten eine kleine Hafenstadt beeinflussen können, zeigt Ísafjörður. Im Sommer 2026 lag an etwa sechs von zehn Tagen ein Kreuzfahrtschiff im Hafen. Im Juli gab es nur vier Tage ohne Schiff.
55 Prozent des ausländischen Kartenumsatzes im Sommer in Ísafjörður wären laut Teya ohne die Kreuzfahrtschiffe nicht erzielt worden. Im Sommer 2025 lag dieser Anteil bei 64 Prozent. An einem Schiffstag wurden in Ísafjörður etwa 328 verschiedene ausländische Karten bei Händlern eingesetzt. An Tagen ohne Schiff waren es 63. Der durchschnittliche Zahlungsbetrag lag in beiden Fällen nahezu gleich bei rund 4.900 ISK.
Die Kreuzfahrtpassagiere kaufen demnach nicht grundsätzlich teurer ein als andere Touristen. Der entscheidende Unterschied ist die große Zahl zusätzlicher Kunden. In Ísafjörður sind Unterhaltung und Ausflüge besonders wichtig. Sie machen 46 Prozent des ausländischen Kartenumsatzes der Stadt aus und steigen an Schiffstagen um 143 Prozent.
Nicht jeder Hafen profitiert gleich
Ísafjörður ist eher die Ausnahme als die Regel.
In Vestmannaeyjar, Seyðisfjörður und Grundarfjörður kommen zwischen 15 und 18 Prozent des ausländischen Kartenumsatzes im Sommer von Kreuzfahrtschiffen. In Akureyri liegt der Anteil bei 11 Prozent. In Húsavík und Djúpavogur liegt er unter zehn Prozent.
Auch ein einzelner Schiffstag wirkt sich unterschiedlich aus. In den sechs kleineren Häfen steigt der ausländische Kartenumsatz an einem Schiffstag um 15 bis 45 Prozent. Am stärksten ist der Effekt in Grundarfjörður, am geringsten in Húsavík. In Ísafjörður liegt der Effekt deutlich darüber.
Entscheidend sind dabei nicht nur die Zahl der Passagiere, sondern auch die Größe des Schiffes im Verhältnis zur Stadt und die Frage, wohin die Passagiere nach dem Aussteigen weiterreisen.
Die Nationalität macht einen deutlichen Unterschied
Teya hat den zusätzlichen Kartenumsatz an Kreuzfahrttagen nach dem Herkunftsland der Karte aufgeschlüsselt. Die folgende Tabelle zeigt die vollständige von Teya veröffentlichte Aufstellung für sechs kleinere Häfen im Sommer 2026:
| Rang | Land der Karte | Veränderung des ausländischen Kartenumsatzes an Kreuzfahrttagen |
|---|---|---|
| 1 | Großbritannien | +132 % |
| 2 | Australien | +118 % |
| 3 | USA | +69 % |
| 4 | Niederlande | +37 % |
| 5 | Norwegen | +35 % |
| 6 | Kanada | +30 % |
| 7 | Spanien | +27 % |
| 8 | Deutschland | +26 % |
| 9 | Polen | +24 % |
| 10 | Frankreich | +21 % |
| 11 | Italien | +14 % |
| 12 | Schweiz | ±0 % |
| 13 | Tschechien | −1 % |
| 14 | Israel | −4 % |
Diese Zahlen zeigen nicht, wie viel ein einzelner Tourist ausgibt. Sie zeigen, wie sich der Kartenumsatz der jeweiligen Nationalität an einem Kreuzfahrttag gegenüber einem vergleichbaren Tag ohne Schiff verändert.
Deutschland liegt mit plus 26 Prozent auf Platz acht
Deutsche Karten liegen mit einem Plus von 26 Prozent auf Platz acht der 14 von Teya ausgewiesenen Länder. Der Umsatz mit deutschen Karten ist an Kreuzfahrttagen damit höher als an vergleichbaren Tagen ohne Schiff. Der Anstieg fällt allerdings wesentlich geringer aus als bei britischen Karten mit plus 132 Prozent, australischen Karten mit plus 118 Prozent oder US-amerikanischen Karten mit plus 69 Prozent.
Gleichzeitig liegt Deutschland vor Frankreich mit plus 21 Prozent, Italien mit plus 14 Prozent, der Schweiz mit ±0 Prozent, Tschechien mit minus 1 Prozent und Israel mit minus 4 Prozent.
Wichtig: Aus den 26 Prozent darf nicht die Aussage abgeleitet werden, dass deutsche Touristen 26 Prozent mehr Geld ausgeben. Es handelt sich um die Veränderung des Kartenumsatzes dieser Nationalität an Kreuzfahrttagen.
US-Karten sorgen für den größten Anteil des zusätzlichen Umsatzes
In den sechs kleineren Häfen stammen 56 Prozent des zusätzlichen Umsatzes an Kreuzfahrttagen von US-amerikanischen Karten. Der Umsatz mit US-Karten steigt an Schiffstagen um 69 Prozent, mit britischen Karten um 132 Prozent und mit australischen Karten um 118 Prozent.
Damit wird deutlich, dass ein hoher prozentualer Anstieg nicht automatisch bedeutet, dass eine Nationalität den größten absoluten Anteil am zusätzlichen Umsatz erzeugt.
Zwischen 9 und 11 Uhr steigt der Umsatz massiv
Auch der Tagesablauf der Passagiere lässt sich an den Kartenzahlungen erkennen. Zwischen 9 und 11 Uhr ist der Kartenumsatz etwa doppelt so hoch wie an einem normalen Tag. Um 10 Uhr erreicht er seinen Höchststand und liegt 133 Prozent über dem Normalwert.
Gegen Mittag flacht der Effekt wieder ab. Der Umsatz liegt dann noch etwa 38 Prozent über dem normalen Wert.
Zwischen 16 und 18 Uhr hat sich der Kartenumsatz wieder normalisiert, wenn die Passagiere entweder bereits an Bord sind oder sich auf dem Weg dorthin befinden.
Bei Schiffen, die über Nacht bleiben, steigt der Umsatz am Abend erneut und liegt etwa 42 Prozent über dem normalen Abendwert. Schiffe mit Übernachtungsaufenthalt scheinen pro Passagier außerdem 30 bis 40 Prozent mehr Umsatz zu erzeugen als Schiffe, die noch am selben Tag wieder abfahren. Da solche Übernachtungsstopps selten sind, ist dieser Wert allerdings lediglich als Hinweis zu verstehen.
Souvenirläden profitieren besonders stark
In den sechs kleineren Häfen verteilt sich der zusätzliche Umsatz an Kreuzfahrttagen auf mehrere Bereiche:
| Bereich | Anteil am zusätzlichen Umsatz |
|---|---|
| Einzelhandel, Galerien, Souvenirs, Kunsthandwerk und Gemischtwaren | 37 % |
| Gastronomie | 31 % |
| Lokal gebuchte Aktivitäten und Touren | 29 % |
| Sonstiges | 3 % |
Besonders stark ist der Effekt bei Souvenirläden. Ihr Umsatz liegt an Tagen mit Kreuzfahrtschiff etwa zwölfmal so hoch wie an normalen Tagen.
Der durchschnittliche Zahlungsbetrag verändert sich dagegen nicht. Kreuzfahrtpassagiere geben im selben Geschäft im Durchschnitt ungefähr genauso viel aus wie andere Touristen.
Es gibt also vor allem mehr Käufe und mehr Warenkörbe – nicht unbedingt teurere Warenkörbe.
Kreuzfahrtpassagiere geben ihr Geld auch außerhalb der Hafenstadt aus
Die Auswirkungen beschränken sich außerdem nicht auf die eigentliche Hafenstadt. In Grundarfjörður entstehen 70 Prozent des zusätzlichen Umsatzes an Schiffstagen außerhalb des Ortes, unter anderem in Stykkishólmur und Ólafsvík sowie an anderen Orten auf Snæfellsnes.
In Húsavík entfallen 33 Prozent des zusätzlichen Umsatzes auf Nachbarorte, in Ísafjörður 30 Prozent, in Akureyri 22 Prozent, in Seyðisfjörður 19 Prozent und in Djúpavogur 14 Prozent.
Eine Betrachtung ausschließlich der Hafenstadt würde die wirtschaftlichen Auswirkungen der Kreuzfahrtpassagiere laut Teya deshalb um etwa 40 Prozent unterschätzen.
Húsavík zeigt besonders deutlich, warum die Betrachtung einer größeren Region sinnvoll sein kann. Dort sank die Zahl der Schiffsankünfte von 58 im Sommer 2025 auf 25 im Sommer 2026. Trotzdem stieg der Kartenumsatz bei denselben Händlern zwischen den beiden Sommern um vier Prozent.
Teya stellt dabei fest, dass ein Großteil der Kreuzfahrtpassagiere, die in Húsavík einkaufen, mit Schiffen in Akureyri angekommen war.
Die Kreuzfahrtreise beginnt teilweise schon vor der Ankunft
Teya konnte bestimmte Karten über den gesamten Islandaufenthalt hinweg verfolgen. Das durchschnittliche identifizierte Kartenkonto gibt während des gesamten Aufenthalts bei Teya-Händlern rund 60.000 ISK aus. Karten von Passagieren unterschiedlich großer Schiffe kommen am Ende auf nahezu denselben Betrag.
Der größte Anteil des Umsatzes entfällt bei beiden Gruppen auf die Hauptstadtregion. Reykjavík ist ein Transitort, an dem Passagiere ihre Reise beginnen und beenden und häufig ein bis zwei Nächte vor oder nach der Kreuzfahrt verbringen.
Passagiere kleinerer Schiffe geben anteilig mehr in kleineren Häfen und ländlichen Regionen aus.
Die Reise beginnt teilweise sogar schon vor der Ankunft in Island. Rund ein Drittel der von Teya identifizierten Kreuzfahrtpassagiere hatte zuvor online bei isländischen Unternehmen eingekauft. Jeder Siebte hatte direkt bei einem isländischen Unternehmen eine Reise oder Aktivität gebucht – durchschnittlich etwa zwei Monate vor der Ankunft.
Kreuzfahrtpassagier oder Autotourist?
Teya hat außerdem untersucht, wie sich Kreuzfahrtpassagiere und individuell reisende Touristen unterscheiden. Dafür wurden ausdrücklich amerikanische Kreuzfahrtpassagiere mit amerikanischen Touristen verglichen, die dieselben Städte besuchten, ohne dass ein Kreuzfahrtschiff im Hafen lag.
In den sechs untersuchten Hafenstädten hinterließ der Kreuzfahrtpassagier durchschnittlich rund 14.400 ISK pro Karte. Der andere Tourist kam auf etwa 12.100 ISK.
Der Kreuzfahrtpassagier hinterlässt damit in der jeweiligen Hafenstadt rund ein Fünftel mehr Umsatz – und das innerhalb weniger Stunden. Der individuell reisende Tourist ist dagegen mehrere Tage unterwegs.
Über die gesamte Islandreise gibt der Autotourist mehr aus
Betrachtet man den gesamten Islandaufenthalt, dreht sich das Verhältnis. Der individuell reisende Tourist gibt bei Teya-Händlern durchschnittlich rund 106.000 ISK aus. Beim Kreuzfahrtpassagier sind es etwa 58.000 ISK.
Ein wesentlicher Grund liegt in den Ausgaben, die ein Kreuzfahrtpassagier normalerweise nicht benötigt: Unterkunft, Mietwagen, Treibstoff und deutlich mehr Mahlzeiten.
Lässt man diese Kosten außen vor und betrachtet nur Shopping und Unterhaltung, dreht sich das Verhältnis wieder um. Der Kreuzfahrtpassagier gibt dafür rund 22.000 ISK aus, der individuell reisende Tourist knapp 17.000 ISK.
| Vergleich | Kreuzfahrtpassagier | Individuell reisender Tourist |
|---|---|---|
| Umsatz in den sechs untersuchten Hafenstädten | ca. 14.400 ISK | ca. 12.100 ISK |
| Umsatz während des gesamten Islandaufenthalts | ca. 58.000 ISK | ca. 106.000 ISK |
| Shopping und Unterhaltung | ca. 22.000 ISK | knapp 17.000 ISK |
Dieser Vergleich basiert ausdrücklich auf amerikanischen Karteninhabern. Die Zahlen können daher nicht ohne Weiteres auf alle Nationalitäten übertragen werden.
Kleinere Kreuzfahrtschiffe bringen pro Passagier mehr Umsatz
Teya unterscheidet drei Schiffstypen:
| Schiffstyp | Ungefähre Passagierzahl |
|---|---|
| Expeditionsschiffe | ca. 250 |
| Kleinere Kreuzfahrtschiffe | ca. 800 |
| Große Kreuzfahrtschiffe | ca. 2.500–3.500 |
Ein Passagier eines Expeditionsschiffes gibt an Land durchschnittlich 2,5-mal so viel aus wie ein Passagier eines großen Kreuzfahrtschiffes.
Das große Schiff bringt insgesamt trotzdem einen etwa viermal höheren zusätzlichen Umsatz als das Expeditionsschiff – weil mindestens zehnmal so viele Passagiere an Bord sind.
Auch die Besatzungen sorgen für zusätzlichen Umsatz
Die Besatzungen der Kreuzfahrtschiffe sind international zusammengesetzt. Ein großer Teil stammt unter anderem aus den Philippinen, Indonesien und Indien.
Die Karten dieser Besatzungsmitglieder verzeichneten an Kreuzfahrttagen mehr als eine Verdoppelung des täglichen Umsatzes. Teya erfasste dabei rund 2.000 Karten über den Sommer. Mehr als die Hälfte des Umsatzes dieser Karten entfällt auf Cafés und Restaurants.
Werden Einheimische an Kreuzfahrttagen verdrängt?
Teya untersucht außerdem die Frage, ob Einheimische weniger in den Ortszentren ausgeben, wenn ein Kreuzfahrtschiff im Hafen liegt.
Die Daten zeigen dafür kein einheitliches Bild. In sechs der sieben untersuchten Häfen steigt der inländische Kartenumsatz an Schiffstagen oder bleibt nahezu unverändert.
| Hafen | Veränderung des inländischen Kartenumsatzes an Schiffstagen |
|---|---|
| Djúpavogur | +23 % |
| Seyðisfjörður | +21 % |
| Ísafjörður | +12 % |
| Grundarfjörður | +9 % |
| Akureyri | −2 % |
| Húsavík | −1 % |
| Vestmannaeyjar | −11 % |
Vestmannaeyjar bilden damit eine deutliche Ausnahme. Dort geht der inländische Kartenumsatz an Kreuzfahrttagen um 11 Prozent zurück.
Kreuzfahrttourismus ist wichtig – aber nicht jeder Kreuzfahrtgast ist gleich
Die Teya-Analyse zeigt deutlich, dass Kreuzfahrttourismus für einige isländische Hafenstädte wirtschaftlich sehr wichtig ist. Besonders in Ísafjörður ist der Effekt enorm: 55 Prozent des ausländischen Kartenumsatzes im Sommer wären laut Teya ohne die Schiffsankünfte nicht erzielt worden.
Gleichzeitig gibt es keinen einheitlichen Kreuzfahrtgast. Die Nationalität macht einen deutlichen Unterschied.
Bei der Veränderung des Kartenumsatzes an Kreuzfahrttagen liegen britische Karten mit plus 132 Prozent deutlich vorne, gefolgt von Australien mit plus 118 Prozent und den USA mit plus 69 Prozent. Deutschland kommt auf plus 26 Prozent und liegt damit auf Platz acht von 14 ausgewiesenen Ländern.
Beim durchschnittlichen Zahlungsbetrag schneiden deutsche Karten dagegen deutlich schwächer ab. Eine deutsche Kartenzahlung liegt bei den untersuchten Händlern im Schnitt bei etwa 3.400 ISK, eine US-amerikanische bei rund 6.300 ISK. Die deutsche Zahlung liegt damit rund 46 Prozent niedriger.
Diese Zahl sollte allerdings nicht als Aussage über die Gesamtausgaben deutscher Kreuzfahrtpassagiere verstanden werden. Sie beschreibt den durchschnittlichen einzelnen Zahlungsvorgang und nicht das gesamte Reisebudget.
Auch der Vergleich mit Autotouristen zeigt, warum eine pauschale Bewertung des Kreuzfahrttourismus schwierig ist. In den untersuchten Hafenstädten hinterlassen Kreuzfahrtpassagiere innerhalb weniger Stunden mehr Umsatz als die verglichenen individuell reisenden Touristen. Über ihre gesamte Islandreise geben die Autotouristen dagegen deutlich mehr aus.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Ausgaben: Autotouristen benötigen Unterkunft, Mietwagen, Treibstoff und zusätzliche Mahlzeiten. Kreuzfahrtpassagiere verbringen deutlich weniger Zeit an Land, können in dieser kurzen Zeit aber einen erheblichen Umsatz in kleinen Hafenstädten erzeugen.
Für Island bedeutet das: Kreuzfahrttourismus und individueller Tourismus sind wirtschaftlich nicht einfach gegeneinander auszuspielen. Sie verteilen ihr Geld auf unterschiedliche Weise.
Für kleine Hafenstädte kann ein Kreuzfahrtschiff ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor sein. Für die Gesamtwirtschaft des Landes hinterlässt der individuell reisende Tourist über seine gesamte Reise jedoch mehr Umsatz.
Und genau deshalb ist auch die Zahl der Passagiere allein kein ausreichender Maßstab. Entscheidend sind ebenso die Nationalität der Gäste, die Größe des Schiffes, die Aufenthaltsdauer und die Frage, wohin die Passagiere nach dem Aussteigen weiterreisen.
Teya selbst kommt deshalb zu keinem pauschalen Urteil über den Kreuzfahrttourismus für ganz Island. Die Auswirkungen sind von Hafen zu Hafen unterschiedlich – und genau darin liegt die zentrale Aussage der Untersuchung.
Datenbasis
Die Analyse umfasst autorisierte Verkaufstransaktionen mit ausländischen Zahlungskarten an POS-Terminals von Teya-Händlern in acht Hafenstädten im Zeitraum vom 20. April bis zum 16. September 2026. Verglichen wurden diese mit denselben Wochentagen im selben Zeitraum, an denen kein Schiff im Hafen lag.
Die Schiffsankünfte stammen aus den Daten der jeweiligen Häfen. Die Passagierzahlen stammen aus den Hafenfahrplänen beziehungsweise aus registrierten Passagierzahlen von Schiffen, für die keine Fahrpläne verfügbar waren. Die Bevölkerungszahlen stammen von Statistics Iceland 2026.
Die stündliche Analyse basiert auf den Transaktionen, für die eine Uhrzeit verfügbar war. Alle Geldbeträge beziehen sich auf eine Karte beziehungsweise einen Passagier; die übrigen Angaben sind Prozentwerte oder Anteile.
Nicht erfasst werden Bargeldzahlungen, Einkäufe an Bord sowie Ausflüge, die von den Kreuzfahrtgesellschaften selbst verkauft werden. Teya veröffentlicht keine Zahlen für einzelne Unternehmen, Schiffe oder Reedereien.
Quelle: Teya „Skemmtiferðaskipin í Teya tölum“ 30. September 2026
Titelbild: Bucht von Isfjördur mit Hafenblick / Mirjam Lassak
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