Ein außergewöhnliches Artenschutzprojekt im Norden Islands zeigt Wirkung: Auf der Insel Hrísey haben sich inzwischen mehrere hundert Papageitaucherpaare angesiedelt. Mit künstlichen Lockvögeln und der Auswilderung junger Tiere entstand innerhalb weniger Jahre eine neue Brutkolonie, deren Erfolg nun auch wissenschaftlich bestätigt wurde.
300 Lockvögel sollten Papageitaucher anlocken
Der Grundstein für die neue Kolonie wurde bereits 2019 gelegt. Tourismusunternehmer und Naturschützer starteten damals ein ungewöhnliches Projekt, um Papageitaucher dauerhaft auf Hrísey anzusiedeln.
Dafür wurde ein Stoff-Papageitaucher nach China geschickt, wo rund 300 Kunststoffattrappen hergestellt wurden, berichtet mbl.is. Die künstlichen Vögel wurden anschließend an geeigneten Stellen auf der Ostseite der Insel aufgestellt, um vorbeifliegende Papageitaucher zum Landen und späteren Brüten zu bewegen.
Ergänzend dazu wurden Papageitaucherküken aufgezogen und auf Hrísey ausgewildert. Ziel war es, dass die Tiere nach Erreichen der Geschlechtsreife an ihren Geburtsort zurückkehren und dort selbst eine Kolonie gründen.
Bruterfolg erstmals eindeutig bestätigt
In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Papageitaucher rund um Hrísey gesichtet. Ob sie dort tatsächlich brüteten, ließ sich jedoch zunächst nicht eindeutig nachweisen.
Nun hat ein Forschungsteam unter der Leitung des Biologen Erpur Snær Hansen den Bruterfolg bestätigt. Während einer Kartierungsfahrt rund um die Insel dokumentierten die Wissenschaftler zahlreiche Papageitaucher. Mithilfe von Fotos der Schnäbel konnten sie das Alter der Tiere bestimmen und feststellen, dass sie das Brutalter erreicht hatten.
Nach Einschätzung der Forscher besteht kein Zweifel mehr daran, dass sich auf Hrísey eine neue Papageitaucherkolonie etabliert hat.
Mehrere hundert Brutpaare auf Hrísey
Nach Angaben der Initiatoren nisten inzwischen mehrere hundert Papageitaucherpaare auf der Insel. Wissenschaftler sprechen derzeit von rund 200 bestätigten Brutpaaren – eine Zahl, die in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen wird.
Hrísey bietet den Seevögeln ideale Bedingungen. Die Insel verfügt über ein gutes Nahrungsangebot im Eyjafjörður und ist frei von Füchsen und Nerzen, die in vielen anderen Regionen eine Gefahr für die Brut darstellen.
Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Kolonie erst am Anfang ihrer Entwicklung steht.
Tourismus profitiert von der neuen Kolonie
Für die Tourismusbranche auf Hrísey ist die Ansiedlung der Papageitaucher ein großer Erfolg. Árni Halldórsson, Mitgründer von Whale Watching Hauganes, spricht von einem Ergebnis, das alle Erwartungen übertroffen habe.
Das Unternehmen bietet bereits Touren zur Beobachtung der Papageitaucher rund um Hrísey an und möchte dieses Angebot künftig mit seinem neuen Ausflugsboot weiter ausbauen.
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