Die ersten Ergebnisse der überarbeiteten Risikobewertung für Grindavík liegen vor. Demnach können dauerhafter Wohnsitz und Schulbesuch unter bestimmten Sicherheitsbedingungen wieder als akzeptabel angesehen werden. Eine Entwarnung gibt es jedoch nicht: Die Naturgefahr besteht weiterhin rund um die Uhr.
Neue Grundlage für Wohnsitz und Schule
Die isländische Regierung hat am 22. September die ersten Ergebnisse der überarbeiteten Risikobewertung für Grindavík beraten. Bewertet wurden unter anderem die Sicherheit im Alltag, mögliche Evakuierungen, der Schulbetrieb, das Wohlergehen von Kindern sowie die Sicherheit von Wohngebäuden.
Das Ergebnis: Grindavík kann hinsichtlich des Risikos grundsätzlich mit anderen Gemeinden verglichen werden, die langfristig Naturgefahren ausgesetzt sind. Voraussetzung ist allerdings, dass die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen dauerhaft funktionieren und die entsprechenden Bedingungen eingehalten werden.
Damit hat sich die Grundlage gegenüber der bisherigen Einschätzung der Regierung vom April verändert. Damals fehlten noch ausreichend klare Kriterien, um eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs oder einen weiteren Zuzug von Kindern nach Grindavík zu ermöglichen.
Naturgefahr bleibt rund um die Uhr bestehen
Von einer normalen Alltagssituation ist Grindavík allerdings weiterhin weit entfernt. Die Stadt befindet sich aufgrund der anhaltenden Gefahr durch Erdbeben und Vulkanausbrüche unter der höchsten Warnstufe des Zivilschutzes.
Seit Beginn der Ereignisse im Herbst 2023 kam es in der Umgebung von Grindavík zu neun Vulkanausbrüchen. Die Stadt wurde in diesem Zeitraum zehnmal evakuiert. Der letzte Ausbruch ereignete sich im Juli 2025.
Auch aktuell besteht Unsicherheit darüber, ob und wann es zu einem weiteren Ausbruch kommen könnte. In Svartsengi werden weiterhin Veränderungen gemessen. Laut der aktuellen Risikobewertung hat sich dort inzwischen mehr Magma angesammelt als bei früheren Ereignissen. Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein möglicher nächster Ausbruch genauso ablaufen würde wie die bisherigen.
Sicherheitsmaßnahmen bleiben entscheidend
Damit das Risiko für Bewohner, Beschäftigte und Besucher akzeptabel bleibt, müssen zahlreiche Maßnahmen dauerhaft funktionieren. Dazu gehören unter anderem:
- kontinuierliche Überwachung und Warnungen durch den Isländischen Wetterdienst
- Überwachung von Sperr- und Gefahrenbereichen
- Überwachung der Bruchzonen
- Bau und Instandhaltung der Schutzanlagen gegen Lava
- klar ausgewiesene Fluchtwege
- funktionierende Alarmsysteme mit SMS-Warnungen, Alarmpfeifen und Hausalarmen
- vorbereitete Evakuierungsmaßnahmen
- regelmäßige Aktualisierung der Risikobewertung.
Auch der Zustand der Stadt wird weiter überwacht. Unter anderem wurden geophysikalische Untersuchungen durchgeführt, um nicht sichtbare Hohlräume oder Risse zu erkennen. Beschädigte Straßen und Risse werden repariert, gefährliche Bereiche abgesperrt und unbrauchbare Gebäude abgerissen.
Besonderer Schutz für Kinder
Ein besonderer Schwerpunkt der Bewertung liegt auf Kindern und anderen schutzbedürftigen Personen. Sie sollen auch unter den Bedingungen einer anhaltenden Naturgefahr einen möglichst sicheren Alltag haben.
Dazu gehören Informationen über die Gefahrenlage sowie Maßnahmen, die ihre Sicherheit während und außerhalb der Schulzeiten gewährleisten sollen. Auch für mögliche Evakuierungen und die anschließende Rückkehr sind entsprechende Unterstützungsmaßnahmen vorgesehen.
Die Bewertung kommt damit zu dem Schluss, dass Schulbetrieb und kontinuierliche Betreuung von Kindern unter den festgelegten Voraussetzungen aufrechterhalten werden können.
Rückkehr nach Grindavík wird vorbereitet
Die neuen Ergebnisse schaffen auch eine Grundlage für die nächsten Schritte beim Wiederaufbau von Grindavík. Dazu gehört nach Angaben der Regierung unter anderem, schrittweise Vorbereitungen für die Möglichkeit zu treffen, dass Einwohner ihre Wohnimmobilien in Grindavík zurückkaufen können, sofern sie dies wünschen.
Die Risikobewertung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Weitere Aspekte sollen einbezogen und die Bewertung regelmäßig an neue Erkenntnisse und Veränderungen der Situation angepasst werden. Das zugrunde liegende Datenmodell soll dabei helfen zu überprüfen, ob die Voraussetzungen für ein akzeptables Risiko weiterhin erfüllt sind.
Die aktuelle Bewertung bezieht sich auf die bebauten Gebiete innerhalb der Schutzdeiche von Grindavík.
Keine Entwarnung für Grindavík
Die neuen Ergebnisse bedeuten daher keine Beendigung der Naturgefahr. Vielmehr sieht die überarbeitete Risikobewertung unter klar definierten Voraussetzungen die Möglichkeit, Wohnen, Schule und Alltag in Grindavík wieder zu ermöglichen.
Entscheidend bleibt, dass Überwachung, Warnsysteme, Evakuierungspläne und weitere Sicherheitsmaßnahmen jederzeit funktionieren. Die Risikobewertung soll deshalb fortlaufend überprüft und an die Entwicklung der vulkanischen Situation angepasst werden.
Titelbild: Grindavik im September 2026 / Mirjam Lassak
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